Die Detek­tiv­kos­ten des Arbeits­ge­bers

Grund­sätz­lich kommt eine Erstat­tungs­pflicht des Arbeit­neh­mers hin­sicht­lich der vom Arbeit­ge­ber auf­ge­wen­de­ten Detek­tiv­kos­ten auch dann in Betracht, wenn die ermit­tel­ten Tat­sa­chen zu einem so schwer­wie­gen­den Ver­dacht einer vor­sätz­li­chen Ver­trags­pflicht­ver­let­zung füh­ren, dass eine des­we­gen aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung im Sin­ne einer Ver­dachts­kün­di­gung als begrün­det ange­se­hen wer­den muss.

Die Detek­tiv­kos­ten des Arbeits­ge­bers

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts 1 hat der Arbeit­neh­mer wegen der Ver­let­zung arbeits­ver­trag­li­cher Pflich­ten (§ 280 Abs. 1 BGB) dem Arbeit­ge­ber die durch das Tätig­wer­den eines Detek­tivs ent­stan­de­nen not­wen­di­gen Kos­ten zu erset­zen, wenn der Arbeit­ge­ber auf­grund eines kon­kre­ten Tat­ver­dachts einem Detek­tiv die Über­wa­chung des Arbeit­neh­mers über­trägt und der Arbeit­neh­mer einer vor­sätz­li­chen Ver­trags­pflicht­ver­let­zung über­führt wird. Inso­fern han­delt es sich um kei­ne Vor­sor­ge­kos­ten, die unab­hän­gig von kon­kre­ten scha­dens­stif­ten­den Ereig­nis­sen als stän­di­ge Betriebs­aus­ga­be vom Arbeit­ge­ber zu tra­gen sind. Nach § 249 BGB erstreckt sich die Scha­dens­er­satz­pflicht auf alle Auf­wen­dun­gen des Geschä­dig­ten, soweit die­se nach den Umstän­den des Fal­les als not­wen­dig anzu­se­hen sind. Dazu gehört auch die Abwehr dro­hen­der Nach­tei­le, wenn sich inso­fern kon­kre­te Ver­dachts­mo­men­te erge­ben. § 254 BGB ver­langt von einem Geschä­dig­ten aller­dings die Rück­sicht­nah­me auf das Inter­es­se des Schä­di­gers an der Gering­hal­tung des Scha­dens. Dar­aus folgt, dass der Arbeit­ge­ber nur für die Maß­nah­men Erstat­tungs­an­sprü­che hat, die ein ver­nünf­ti­ger, wirt­schaft­lich den­ken­der Arbeit­ge­ber nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les zur Besei­ti­gung der Stö­rung bzw. zur Scha­dens­ver­hü­tung nicht nur als zweck­mä­ßig, son­dern auch als erfor­der­lich ergrif­fen haben wür­de 2.

Die den Ver­dacht begrün­den­den soge­nann­ten Belas­tungs­tat­sa­chen kön­nen Ver­let­zun­gen von Ver­trags­pflich­ten dar­stel­len und sind dann der Grund für die Erstat­tungs­pflicht auf­ge­wen­de­ter Detek­tiv­kos­ten.

Der Ver­dacht, der Ver­trags­part­ner bzw. Arbeit­neh­mer könn­te eine straf­ba­re Hand­lung oder eine schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung began­gen haben, kann nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts einen wich­ti­gen Grund für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung bil­den 3. Ent­schei­dend sind dabei der Ver­dacht eines Ver­sto­ßes gegen ver­trag­li­che Haupt- oder Neben­pflich­ten und der damit ver­bun­de­ne Ver­trau­ens­ver­lust 4. Es muss gera­de der Ver­dacht sein, der das zur Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses not­wen­di­ge Ver­trau­en des Arbeit­ge­bers in die Red­lich­keit des Arbeit­neh­mers zer­stört oder zu einer uner­träg­li­chen Belas­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses geführt hat 5. Daher erscheint der Begriff der Ver­trau­ens­kün­di­gung ange­mes­sen 6. Letzt­lich geht es dar­um, dass erheb­li­che Ver­dachts­mo­men­te das für ein wei­te­res Zusam­men­wir­ken erfor­der­li­che Ver­trau­en zer­stört haben. Die Kün­di­gung wegen Ver­dachts stellt neben der Kün­di­gung wegen der Tat einen eigen­stän­di­gen Tat­be­stand dar 7.

Das dem Ver­dacht zugrun­de lie­gen­de Fehl­ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers muss eine erheb­li­che Ver­feh­lung des Arbeit­neh­mers – straf­ba­re Hand­lung oder schwer­wie­gen­de Ver­trags­ver­let­zung – sein 8. Der Ver­dacht muss objek­tiv durch Tat­sa­chen – sog. Belas­tungs­tat­sa­chen – begrün­det sein, die so beschaf­fen sind, dass sie einen ver­stän­di­gen und gerecht abwä­gen­den Arbeit­ge­ber zum Aus­spruch der Kün­di­gung ver­an­las­sen kön­nen 9. Der Ver­dacht muss dar­über hin­aus drin­gend sein, dh. es muss eine gro­ße Wahr­schein­lich­keit dafür bestehen, dass der gekün­dig­te Arbeit­neh­mer die Straf­tat oder die Pflicht­ver­let­zung began­gen hat 10. Hier­für ist eine wer­ten­de Beur­tei­lung und kein bestimm­ter Grad der Wahr­schein­lich­keit not­wen­dig 11. Die Ver­dachts­mo­men­te und die Ver­feh­lun­gen, deren der Arbeit­neh­mer ver­däch­tigt wird, müs­sen so schwer­wie­gend sein, dass dem Arbeit­ge­ber die Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Als der­ar­ti­ge schwe­re Ver­feh­lun­gen gel­ten etwa Ver­un­treu­un­gen eines Fili­al­lei­ters, Ver­rat von Geschäfts­ge­heim­nis­sen, Dieb­stahl, Betrug bei der Spe­sen­ab­rech­nung, Erschlei­chen der Lohn­fort­zah­lung, eine ille­ga­le ver­fas­sungs­feind­li­che Tätig­keit oder die sexu­el­le Beläs­ti­gung von Mit­ar­bei­tern 12.

Bun­des­ar­beits­ge­richt Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2013 – 8 AZR 1026/​12

  1. vgl. BAG 28.10.2010 – 8 AZR 547/​09, Rn. 24, AP BGB § 611 Haf­tung des Arbeit­neh­mers Nr. 135 = EzA BGB 2002 § 280 Nr. 5; 28.05.2009 – 8 AZR 226/​08, Rn. 22, AP BGB § 611 Haf­tung des Arbeit­neh­mers Nr. 133 = EzA ZPO 2002 § 91 Nr. 4; 17.09.1998 – 8 AZR 5/​97, zu C II 1 der Grün­de, BAGE 90, 1 = AP BGB § 611 Haf­tung des Arbeit­neh­mers Nr. 113 = EzA BGB § 249 Nr. 23[]
  2. BAG 28.05.2009 – 8 AZR 226/​08 – aaO; 17.09.1998 – 8 AZR 5/​97 – aaO[]
  3. vgl. BAG 18.11.1999 – 2 AZR 743/​98, zu II 1 a der Grün­de, BAGE 93, 1 = AP BGB § 626 Ver­dacht einer straf­ba­ren Hand­lung Nr. 32; ErfK/­Mül­ler-Glö­ge 13. Aufl. § 626 BGB Rn. 173[]
  4. vgl. BAG 10.06.2010 – 2 AZR 541/​09, BAGE 134, 349[]
  5. vgl. BAG 26.03.1992 – 2 AZR 519/​91, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 23; 27.11.2008 – 2 AZR 98/​07[]
  6. Gil­berg DB 2006, 1555, 1559[]
  7. vgl. BAG 13.09.1995 – 2 AZR 587/​94, zu II 3 der Grün­de, BAGE 81, 27 = AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 25; 12.08.1999 – 2 AZR 923/​98, zu II 2 a der Grün­de, BAGE 92, 184 = AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 28; 23.06.2009 – 2 AZR 474/​07, Rn. 55, BAGE 131, 155[]
  8. BAG 27.11.2008 – 2 AZR 98/​07, Rn. 18[]
  9. vgl. BAG 14.09.1994 – 2 AZR 164/​94, BAGE 78, 18 = AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 24; 29.11.2007 – 2 AZR 724/​06, Rn. 30, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 40[]
  10. vgl. BAG 12.08.1999 – 2 AZR 923/​98, BAGE 92, 184 = AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 28; 25.11.2010 – 2 AZR 801/​09, Rn. 16[]
  11. vgl. BAG 6.09.2007 – 2 AZR 722/​06, BAGE 124, 59; LAG Düs­sel­dorf 17.01.2012 – 17 Sa 252/​11[]
  12. vgl. ErfK/­Mül­ler-Glö­ge 13. Aufl. § 626 BGB Rn. 177, unter Hin­weis auf die ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung[]