Die ein­ge­klag­ten Zin­sen – und das Bestimmtheitsgebot

Die Kla­ge­schrift muss nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO die bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Die Kla­ge­par­tei muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung sie begehrt.

Die ein­ge­klag­ten Zin­sen – und das Bestimmtheitsgebot

Dazu hat sie den Streit­ge­gen­stand so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 Abs. 1 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 Abs. 1 ZPO). Sowohl bei einer der Kla­ge statt­ge­ben­den als auch bei einer sie abwei­sen­den Sach­ent­schei­dung muss zuver­läs­sig fest­stell­bar sein, wor­über das Gericht ent­schie­den hat1. Die­se Anfor­de­rung ist auch erfüllt, wenn der Antrag durch Aus­le­gung, ins­be­son­de­re unter Her­an­zie­hung der Kla­ge­schrift und des sons­ti­gen Vor­brin­gens der kla­gen­den Par­tei, hin­rei­chend bestimmt ist2.

Das Bestimmt­heits­ge­bot gilt aus­weis­lich der Rege­lung des § 308 Abs. 1 Satz 2 ZPO auch für Neben­for­de­run­gen. Wer­den Zin­sen ein­ge­klagt, so ist neben dem Beginn der Zins­pflicht zwin­gend die Höhe des bean­trag­ten Zins­sat­zes anzu­ge­ben3.

Die­se Vor­ga­ben sind auch in Bezug auf den Zins­an­trag nach einer Aus­le­gung – im wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­se des Klä­gers4 – erfüllt, wenn der Klä­ger im Antrag „Zin­sen“ zwar mit einem Datum, aber ohne Benen­nung eines kon­kre­ten Zins­sat­zes gel­tend gemacht hat. Die­ser lässt sich aber im Wege der Aus­le­gung des Antrags ermitteln.

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Wer­den kei­ne spe­zi­fi­schen Zin­sen auf­grund eines beson­de­ren Sach­ver­halts begehrt, son­dern – wie vor­lie­gend – ledig­lich in Ver­bin­dung mit dem jewei­li­gen Fäl­lig­keits­da­tum, ist regel­mä­ßig anzu­neh­men, dass die gesetz­li­chen Ver­zugs­zin­sen im Sin­ne von § 288 Abs. 1 BGB begehrt werden.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Juli 2021 – 3 AZR 349/​20

  1. BAG 24.09.2014 – 5 AZR 593/​12, Rn. 18, BAGE 149, 169[]
  2. vgl. BAG 27.05.2015 – 5 AZR 88/​14, Rn. 44, BAGE 152, 1; 13.06.2006 – 9 AZR 229/​05, Rn. 14, BAGE 118, 252[]
  3. Zöller/​Greger ZPO 33. Aufl. § 253 Rn. 16a; Beck­OK ZPO/​Bacher Stand 1.03.2021 ZPO § 253 Rn. 67[]
  4. zu den Aus­le­gungs­grund­sät­zen vgl. BAG 27.06.2017 – 9 AZR 120/​16, Rn. 11[]