Die Guts­her­ren­art eines Geschäfts­füh­rers auf Kos­ten der Gesell­schaft

Ver­schafft ein Geschäfts­füh­rer ihm nahe­ste­hen­de Per­so­nen Vor­tei­le auf Kos­ten sei­nes Arbeit­ge­bers, ohne dass dies durch ein betrieb­li­ches Inter­es­se gerecht­fer­tigt gewe­sen ist, recht­fer­tigt die­ses pflicht­wid­ri­ge Ver­hal­ten eine frist­lo­se Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund.

Die Guts­her­ren­art eines Geschäfts­füh­rers auf Kos­ten der Gesell­schaft

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kün­di­gun­gen der Stadt­wer­ke Neu­wied gegen­über ihres ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rers aus wich­ti­gem Grund als gerecht­fer­tigt ange­se­hen. Wie schon im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren im Mai 2012 ist der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge gegen die Stadt­wer­ke, mit der er ins­be­son­de­re die Unwirk­sam­keit der aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gun­gen fest­ge­stellt wis­sen und sei­ne Wie­der­ein­set­zung als Geschäfts­füh­rer nebst rück­wir­ken­der Zah­lung des Gehalts errei­chen woll­te, geschei­tert.

Ende Dezem­ber 2011 und Ende Janu­ar 2012 hat­te die Beklag­te durch den Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Neu­wied gegen­über dem Klä­ger Kün­di­gun­gen aus­ge­spro­chen und sei­ne Abbe­ru­fung als Geschäfts­füh­rer erklärt. Die Beklag­te hat­te ihre Kün­di­gun­gen auf zwei Sach­ver­hal­te gestützt: Zum einen eröff­ne­te der Klä­ger sei­ner Lebens­ge­fähr­tin, die einen Gas­tro­no­mie­be­trieb unter­hält, im Novem­ber 2011 die Mög­lich­keit, Gän­se im Kon­vek­to­ma­ten des Betrie­bes der Beklag­ten zuzu­be­rei­ten. Dafür nutz­te der Klä­ger sei­ne Posi­ti­on als Geschäfts­füh­rer der Stadt­wer­ke aus. Dies ver­stieß gegen den in den Dienst­an­wei­sun­gen der Beklag­ten nie­der­ge­leg­ten und dem Klä­ger bekann­ten Grund­satz, dass „die pri­va­te Nut­zung der dienst­li­chen Ein­rich­tun­gen ver­bo­ten“ ist. Zum ande­ren ver­an­lass­te der Klä­ger im Jahr 2011, dass einer Mit­ar­bei­te­rin Nach­hil­fe­un­ter­richt für die Wie­der­ho­lungs­prü­fung in ihrer Aus­bil­dung erteilt wur­de. Dabei han­del­te es sich um die Freun­din der Toch­ter der Lebens­ge­fähr­tin des Klä­gers, mit der er auch gut bekannt war. Die Kos­ten des Unter­richts in Höhe von knapp 400 € wur­den von der Beklag­ten über­nom­men, obwohl die Ertei­lung der Nach­hil­fe außer­halb des betrieb­li­chen Inter­es­ses der Beklag­ten lag.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz recht­fer­tig­te bereits die­ser Vor­fall für sich genom­men die frist­lo­se Kün­di­gung. Dar­über hin­aus han­del­te der Klä­ger im ers­ten Fall pflicht­wid­rig, indem er einer betriebs­frem­den Per­son die Nut­zung von Ein­rich­tun­gen der Beklag­ten gestat­te­te, ohne dass ein betrieb­li­ches Inter­es­se der Beklag­ten vor­lag.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung wies das Ober­lan­des­ge­richt aus­drück­lich dar­auf hin, dass die Pflicht­wid­rig­keit in bei­den Fäl­len ein erheb­li­ches Gewicht habe, da der Klä­ger eine beson­de­re Nähe­be­zie­hung zu den jeweils Begüns­tig­ten hat­te. In bei­den Fäl­len habe der Klä­ger ihm nahe­ste­hen­de Per­so­nen Vor­tei­le auf Kos­ten der Beklag­ten ver­schafft, ohne dass dies durch ein betrieb­li­ches Inter­es­se gerecht­fer­tigt gewe­sen sei. Ein Geschäfts­füh­rer habe aber die Pflicht, in allen Ange­le­gen­hei­ten, die das Inter­es­se der Gesell­schaft berüh­ren, allein deren Wohl und nicht sei­nen eige­nen Nut­zen oder den Vor­teil ande­rer im Auge zu haben. Der Klä­ger aber habe sich nach Guts­her­ren­art zuguns­ten einer ihm nahe­ste­hen­den Per­son aus dem Ver­mö­gen der Beklag­ten frei­gie­big gezeigt. Das Ver­hal­ten des Klä­gers sei mit der Vor­bild­funk­ti­on unver­ein­bar, die ein Geschäfts­füh­rer in der frü­he­ren Posi­ti­on des Klä­gers aus­zu­üben habe. Sei­ne wei­te­re Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer sei daher für die Beklag­te unzu­mut­bar.

Letzt­lich erfolg­ten bei­de Kün­di­gun­gen nach der Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­richts auch frist­ge­recht, da sie inner­halb von zwei Wochen aus­ge­spro­chen wur­den, nach­dem der Ober­bür­ger­meis­ter als Kün­di­gungs­be­rech­tig­ter von allen für die Kün­di­gung maß­geb­li­chen Tat­sa­chen Kennt­nis erlangt hat­te.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 11. Juli 2013 – 6 U 1359/​12