Die Kla­ge mit einem zukunfts­ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs- und einen ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­trag

Ist in einer Kon­stel­la­ti­on, in der der Klä­ger sein Kla­ge­be­geh­ren in Abhän­gig­keit vom Zeit­punkt der Kla­ge­ein­rei­chung in einen zukunfts­ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs- und einen ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­trag auf­teilt, im Fal­le der Unzu­läs­sig­keit oder Unbe­gründ­etheit des Leis­tungs­an­trags des­sen Umdeu­tung in einen Fest­stel­lungs­an­trag mög­lich [1]?

Die Kla­ge mit einem zukunfts­ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs- und einen ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­trag

Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt jetzt ‑anders als der Bun­des­ge­richts­hof in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen – aus­drück­lich offen gelas­sen:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine Umdeu­tung in Fäl­len bejaht, in denen die begehr­te Leis­tung ent­we­der bereits erfüllt war und die Klä­ge­rin kei­nes voll­streck­ba­ren Titels mehr bedurf­te [2] oder aber wegen ver­früh­ten Leis­tungs­ver­lan­gens ein Voll­stre­ckungs­ti­tel der­zeit nicht zu errei­chen war und des­we­gen zumin­dest die Fest­stel­lung einer Leis­tungs­ver­pflich­tung dem Klä­ger­inter­es­se ent­sprach [3]. Auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat einen weder § 258 ZPO noch § 259 ZPO unter­fal­len­den und daher unzu­läs­si­gen zukunfts­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­trag in einen Fest­stel­lungs­an­trag umge­deu­tet [4].

Die Mög­lich­keit einer Umdeu­tung in der hier vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on, in der der Klä­ger für einen in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­raum Leis­tung bean­sprucht, ist hin­ge­gen noch nicht geklärt. Der vor­lie­gen­de Fall gibt dem Bun­des­ar­beits­ge­richt indes kei­ne Ver­an­las­sung zu prü­fen, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein ver­gan­gen­heits­be­zo­ge­ner Leis­tungs­an­trag, der grund­sätz­lich zu einem Voll­stre­ckungs­ti­tel füh­ren könn­te, aber unzu­läs­sig oder unbe­grün­det ist, in einen Fest­stel­lungs­an­trag umge­deu­tet wer­den kann. Denn im hier ent­schie­de­nen Fall wäre ein sol­cher Fest­stel­lungs­an­trag jeden­falls eben­falls unbe­grün­det.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2019 – 6 AZR 455/​18

  1. vgl. zu den gene­rel­len Vor­aus­set­zun­gen der Umdeu­tung eines Leis­tungs­an­trags BAG 30. Janu­ar 2019 – 5 AZR 450/​17 – Rn. 41 f.; BGH 1. Juli 1987 – VIII ZR 194/​86 – zu A II 2 a der Grün­de; vgl. auch BGH 11. Juli 2012 – IV ZR 122/​11 – Rn. 19 f.; 31. Janu­ar 1984 – VI ZR 150/​82 – zu II 3 a der Grün­de[]
  2. vgl. BGH 1.07.1987 – VIII ZR 194/​86, zu A II 2 a der Grün­de[]
  3. vgl. für auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis beru­hen­de Ansprü­che eines Gesell­schaf­ters nach Auf­lö­sung der Gesell­schaft BGH 18.03.2002 – II ZR 103/​01, zu 2 der Grün­de; 24.10.1994 – II ZR 231/​93, zu 2 und 3 der Grün­de; 10.05.1993 – II ZR 111/​92; 9.03.1992 – II ZR 195/​90, zu 1 b und 2 der Grün­de; 6.02.1984 – II ZR 88/​83; eben­so für den Fall des Aus­schei­dens eines Gesell­schaf­ters nach Kün­di­gung des Gesell­schafts­ver­trags BGH 15.05.2000 – II ZR 6/​99, zu II 1 und III der Grün­de; zu Mit­wir­kungs­pflich­ten bei der Aus­ein­an­der­set­zung des Gesell­schafts­ver­mö­gens BGH 24.11.1980 – II ZR 194/​79, zu 1 und 2 der Grün­de; vgl. auch zur Erbaus­ein­an­der­set­zung BGH 4.03.1992 – IV ZR 309/​90, zu 2 der Grün­de unter Ver­weis auf BGH 27.06.1990 – IV ZR 104/​89; zu einem Antrag auf Leis­tung künf­ti­gen Unter­halts­scha­dens BGH 31.01.1984 – VI ZR 150/​82, zu II 3 a der Grün­de[]
  4. BAG 30.01.2019 – 5 AZR 450/​17, Rn. 31 ff.[]