Die Kün­di­gun­gen der Flug­be­glei­te­rin­nen bei Air Ber­lin – und die feh­ler­haf­te Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge

Die Kün­di­gun­gen des Kabi­nen­per­so­nals der insol­ven­ten Flug­ge­sell­schaft Air Ber­lin vom 27. Janu­ar 2018 sind wegen feh­ler­haf­ter Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge gemäß § 17 Abs. 1, Abs. 3 KSchG iVm. § 134 BGB unwirk­sam. Die Arbeits­ver­hält­nis­se die­ser Arbeit­neh­mer sind jedoch nicht auf die Luft­fahrt­ge­sell­schaft Wal­ter mbh (LGW) über­ge­gan­gen.

Die Kün­di­gun­gen der Flug­be­glei­te­rin­nen bei Air Ber­lin – und die feh­ler­haf­te Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall war die Arbeit­neh­me­rin bei Air Ber­lin als Flug­be­glei­te­rin mit Ein­satz­ort Düs­sel­dorf beschäf­tigt. Ihr Arbeits­ver­hält­nis wur­de wegen Still­le­gung des Flug­be­triebs mit Schrei­ben vom 27. Janu­ar 2018 gekün­digt. Air Ber­lin erstat­te­te wegen der zen­tra­len Steue­rung des Flug­be­triebs die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge für den ange­nom­me­nen "Betrieb Kabi­ne" und damit bezo­gen auf das bun­des­weit beschäf­tig­te Kabi­nen-Per­so­nal bei der für den Sitz der Air Ber­lin zustän­di­gen Agen­tur für Arbeit Ber­lin-Nord. Die Flug­be­glei­te­rin hat die Still­le­gungs­ent­schei­dung bestrit­ten. Der Flug­be­trieb wer­de durch ande­re Flug­ge­sell­schaf­ten (teil­wei­se) fort­ge­führt. Ihr Arbeits­ver­hält­nis sei auf die LGW über­ge­gan­gen. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei feh­ler­haft.

Arbeits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf haben in den Vor­in­stan­zen die gegen den Insol­venz­ver­wal­ter gerich­te­te Kün­di­gungs­schutz­kla­ge eben­so abge­wie­sen wie die gegen die LGW gerich­te­te Kla­ge, wonach das Arbeits­ver­hält­nis mit die­ser fort­be­stehe [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Flug­be­glei­te­rin hat­te jetzt vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt teil­wei­se Erfolg. Die Kün­di­gung ist unwirk­sam.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat bereits bzgl. der Kün­di­gun­gen des Cock­pit-Per­so­nals ent­schie­den, dass die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge für die der Sta­ti­on Düs­sel­dorf zuge­ord­ne­ten Pilo­ten mit den hier­auf bezo­ge­nen Anga­ben bei der dafür zustän­di­gen Agen­tur für Arbeit in Düs­sel­dorf hät­te erfol­gen müs­sen [2]. Die­se Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt nun für das Kabi­nen­per­so­nal bestä­tigt. Dar­über hin­aus ist in der Anzei­ge der Stand der Bera­tun­gen der Agen­tur für Arbeit nicht aus­rei­chend dar­ge­legt wor­den (§ 17 Abs. 3 S. 3 KSchG).

Dage­gen haben die Vor­in­stan­zen die Kla­ge zu Recht abge­wie­sen, soweit die Flug­be­glei­te­rin die Fest­stel­lung begehrt, ihr Arbeits­ver­hält­nis sei auf die LGW über­ge­gan­gen. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Betriebs(teil)übergangs iSv. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB lie­gen nicht vor. Die LGW hat zwar zum Teil das sog. Wet-Lea­se fort­ge­führt, das Air Ber­lin für eine ande­re Flug­ge­sell­schaft bis Ende Dezem­ber 2017 durch­ge­führt hat­te. Bei Air Ber­lin war das Wet-Lea­se jedoch schon man­gels hin­rei­chen­der Zuord­nung von Arbeit­neh­mern zu kei­nem Zeit­punkt ein Betriebs­teil, der auf einen Erwer­ber hät­te über­ge­hen kön­nen [3]. Bis zur Ein­stel­lung des eigen­wirt­schaft­li­chen Flug­be­triebs Ende Okto­ber 2017 fehl­te es zudem an der für einen Betriebs­teil erfor­der­li­chen geson­der­ten Lei­tung für das Wet-Lea­se-Geschäft.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2020 – 6 AZR 235/​19

  1. LAG Düs­sel­dorf 20.03.2019 – 12 Sa 611/​18[]
  2. vgl. BAG 13.02.2020 – 6 AZR 146/​19[]
  3. noch offen gelas­sen von BAG 27.02.2020 – 8 AZR 215/​19[]