Die Mes­ser­at­ta­cke – oder: Wenn die Ex-Ehe­frau eine Arbeits­kol­le­gin ist

Eine Mes­ser­at­ta­cke auf eine Arbeits­kol­le­gin ist an sich geeig­net, eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen. Dies gilt nach einem Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auch dann, wenn die Tät­lich­keit außer­halb des Betriebs und aus rein fami­liä­ren Grün­den erfolg­te.

Die Mes­ser­at­ta­cke – oder: Wenn die Ex-Ehe­frau eine Arbeits­kol­le­gin ist

In dem jetzt vom Kie­ler Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war der vier­zig­jäh­ri­ge Klä­ger tür­ki­scher Abstam­mung bei dem beklag­ten Unter­neh­men eben­so wie sei­ne Ex-Ehe­frau als Tabak­ar­bei­ter beschäf­tigt. Der Klä­ger hat­te sich dar­über geär­gert, dass sei­ne damals bereits seit über zwei Jah­ren von ihm getrennt leben­de Ex-Frau die bei­den gemein­sa­men Kin­der (7 und 14 Jah­re alt) allei­ne zuhau­se gelas­sen hat­te, um an einer pri­va­ten Weih­nachts­fei­er teil­zu­neh­men, obgleich der sie­ben­jäh­ri­ge Sohn krank war. Des­halb lau­er­te er sei­ner Ex-Frau nachts auf der Stra­ße auf, beschimpf­te sie, zog sie an den Haa­ren und stach schließ­lich mehr­fach mit einem Küchen­mes­ser auf sie ein. Die Ex-Frau erlitt unter ande­rem eine 2 cm lan­ge Schnitt­wun­de, die bis zum Kno­chen des Schul­ter­blat­tes reich­te. Sie war für län­ge­re Zeit arbeits­un­fä­hig. Der Klä­ger wur­de in einem Straf­ver­fah­ren zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. Nach­dem der Arbeit­ge­ber hier­von Kennt­nis erlang­te, kün­dig­te er dem Klä­ger frist­los. Das Arbeits­ge­richt wies die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge des Klä­gers ab. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Klä­gers blieb auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt in Kiel erfolg­los.

Eine Tät­lich­keit unter Arbeits­kol­le­gen ist, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt, grund­sätz­lich auch dann geeig­net, eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen, wenn sie nicht im Betrieb, son­dern im pri­va­ten Umfeld aus rein pri­va­ten Moti­ven began­gen wor­den ist. Denn auch eine sol­che Tät­lich­keit hat Aus­wir­kun­gen auf das Arbeits­ver­hält­nis. Durch die Arbeits­un­fä­hig­keit des Opfers ist der Betriebs­ab­lauf gestört und der Arbeit­ge­ber muss Ent­gelt­fort­zah­lung leis­ten. Zudem kann der Betriebs­frie­den durch die durch den Streit und die Tät­lich­keit her­vor­ge­ru­fe­nen Span­nun­gen gestört wer­den. Vor­lie­gend hat­te sich die Ex-Frau aus Angst gewei­gert, wei­ter­hin mit dem Klä­ger im Betrieb zusam­men zu arbei­ten. Auch die Inter­es­sen­ab­wä­gung muss­te vor­lie­gend trotz der sechs­jäh­ri­gen Beschäf­ti­gungs­zeit und der Unter­halts­ver­pflich­tun­gen zulas­ten des Klä­gers aus­fal­len. Maß­geb­lich waren die Für­sor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers gegen­über der bei ihm noch beschäf­tig­ten Ex-Frau des Klä­gers und die zukünf­ti­ge erheb­li­che Beein­träch­ti­gung des Betriebs­frie­dens allein auf­grund des anhal­ten­den Angst­zu­stands bei der betrof­fe­nen Ex-Frau.

Lan­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 06. Janu­ar 2009 – 5 Sa 313/​08