Die Pri­vat­an­schrift des Kran­ken­haus­arz­tes

Ein Pati­ent hat gegen kei­nen Anspruch gegen den Kli­nik­trä­ger auf Preis­ga­be der Pri­vat­an­schrift eines ange­stell­ten Arz­tes.

Die Pri­vat­an­schrift des Kran­ken­haus­arz­tes

In dem hier vom Bun­de­es­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit nimmt der Klä­ger, der in der Ein­rich­tung der Beklag­ten sta­tio­när behan­delt wor­den ist, die­se und zwei bei ihr ange­stell­te Ärz­te auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. An einen der Ärz­te konn­te die Kla­ge unter der Kli­nik­an­schrift zunächst nicht zuge­stellt wer­den, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers den Namen nicht rich­tig ange­ge­ben hat­te. Nach der Kor­rek­tur des Namens war die Zustel­lung erfolg­reich. Trotz­dem ver­lang­te der Klä­ger von der Kli­nik Aus­kunft über die Pri­vat­an­schrift des betrof­fe­nen Arz­tes. Dies lehn­te die Beklag­te ab.

Das erst­in­stanz­lich mit der Aus­kunfts­kla­ge befass­te Amts­ge­richt Weiß­was­ser hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat dage­gen das Land­ge­richt Gör­litz die Beklag­te zur Aus­kunft ver­ur­teilt, weil sich Anony­mi­tät nicht mit dem Wesen des Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis ver­tra­ge 2. Auf die vom Land­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Beklag­ten hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil des land­ge­richts Gör­litz auf­ge­ho­ben und die Kla­ge, wie bereits erst­in­stanz­lich das Amts­ge­richt Weiß­was­ser, abge­wie­sen:

Zwar hat der Pati­ent, so der Bun­des­ge­richts­hof, gegen­über Arzt und Kran­ken­haus grund­sätz­lich auch außer­halb eines Rechts­streits Anspruch auf Ein­sicht in die ihn betref­fen­den Kran­ken­un­ter­la­gen, soweit sie Auf­zeich­nun­gen über objek­ti­ve phy­si­sche Befun­de und Berich­te über Behand­lungs­maß­nah­men (Medi­ka­ti­on, Ope­ra­ti­on etc.) betref­fen. Der Kli­nik­trä­ger ist auch grund­sätz­lich gehal­ten, dem Pati­en­ten den Namen des ihn behan­deln­den Arz­tes mit­zu­tei­len.

Der Klä­ger brauch­te aber zur Füh­rung des Zivil­pro­zes­ses nicht die Pri­vat­an­schrift des Arz­tes, weil die Kla­ge­schrift unter der Kli­nik­an­schrift zuge­stellt wer­den konn­te.

Der Aus­kunfts­er­tei­lung steht außer­dem die daten­schutz­recht­li­che Vor­schrift des § 32 Abs. 1 Satz 1 BDSG ent­ge­gen. Die Rege­lung gestat­tet dem Arbeit­ge­ber die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung von Daten für Zwe­cke des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses. Der Arbeit­ge­ber ist aber grund­sätz­lich nicht berech­tigt, per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, die für Zwe­cke des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses erho­ben wor­den sind, an Drit­te wei­ter­zu­lei­ten. Da die Daten für die Zwe­cke des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses erho­ben wor­den sind, ist die Über­mitt­lung an Drit­te nach dem für den Daten­schutz gel­ten­den Zweck­bin­dungs­ge­bot grund­sätz­lich als zweck­frem­de Ver­wen­dung aus­ge­schlos­sen. Eine Wei­ter­lei­tung pri­va­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten an Drit­te bedarf viel­mehr der Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen oder der beson­de­ren Gestat­tung durch eine Rechts­vor­schrift.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – VI ZR 137/​14

  1. AG Weiß­was­ser, Urteil vom 08.08.2013 – 6 C 58/​13[]
  2. LG Gör­litz, Urteil vom 14.02.2014 – 2 S 174/​13[]