Die Rechts­an­sicht des Gerichts – und sei­ne Hin­weis­pflicht

Das Ver­fah­rens­grund­recht des Art. 103 Abs. 1 GG ver­langt grund­sätz­lich nicht, dass ein Gericht vor sei­ner Ent­schei­dung auf eine Rechts­auf­fas­sung hin­weist, die es sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de legen will1. Aller­dings kann dies im Hin­blick auf Art. 103 Abs. 1 GG in beson­de­ren Fäl­len gebo­ten sein.

Die Rechts­an­sicht des Gerichts – und sei­ne Hin­weis­pflicht

Es ver­stößt gegen den Anspruch auf recht­li­ches Gehör, wenn ein Gericht ohne vor­he­ri­gen Hin­weis auf einen recht­li­chen Gesichts­punkt abstellt, mit dem auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­te2.

Wird eine Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht aus § 139 Abs. 2 ZPO gerügt, muss der Revi­si­ons­klä­ger dar­le­gen, wel­chen Hin­weis das Gericht hät­te ertei­len müs­sen und wie er auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis reagiert hät­te. Hier­zu muss er dar­tun, wel­chen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen tat­säch­li­chen Vor­trag er gehal­ten oder wel­che für die Ent­schei­dung erheb­li­chen recht­li­chen Aus­füh­run­gen er gemacht hät­te3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Dezem­ber 2016 – 7 AZR 797/​14

  1. BVerfG 29.05.1991 – 1 BvR 1383/​90, zu II 1 der Grün­de, BVerfGE 84, 188
  2. vgl. BVerfG 17.02.2004 – 1 BvR 2341/​00, zu III 2 a der Grün­de; 7.10.2003 – 1 BvR 10/​99, zu B I 1 der Grün­de, BVerfGE 108, 341; BAG 18.09.2014 – 6 AZR 145/​13, Rn. 34; 8.12 2011 – 6 AZN 1371/​11, Rn. 17, BAGE 140, 76
  3. vgl. BAG 16.10.2013 – 10 AZR 9/​13, Rn. 46; 16.12 2010 – 2 AZR 770/​09, Rn. 10 mwN
  4. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 04.07.2018 XII ZB 82/​18 Fam­RZ 2018, 1529