Die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le im Job­cen­ter – und die Nicht­be­rück­sich­ti­gung im Aus­wahl­ver­fah­ren

Nach Art. 33 Abs. 2 GG hat jeder Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen Amte. Damit ist ein grund­rechts­glei­ches Recht auf ermes­sens- und beur­tei­lungs­feh­ler­freie Ein­be­zie­hung in die Bewer­ber­aus­wahl begrün­det 1.

Die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le im Job­cen­ter – und die Nicht­be­rück­sich­ti­gung im Aus­wahl­ver­fah­ren

Er gilt grund­sätz­lich im gesam­ten öffent­li­chen Dienst und trifft dort eine auch für­Ar­beit­neh­mer den Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG ergän­zen­de Rege­lung 2.

Jedoch unter­fal­len die Vor­ent­schei­dun­gen, die zur Exis­tenz eines ver­füg­ba­ren öffent­li­chen Amtes füh­ren, der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des staat­li­chen Rechts­trä­gers; ein sub­jek­ti­ves Recht auf Aus­brin­gung einer bestimm­ten Plan­stel­le besteht nicht.

Über die Ein­rich­tung und nähe­re Aus­ge­stal­tung von Dienst­pos­ten ent­schei­det der Dienst­herr viel­mehr nach orga­ni­sa­to­ri­schen Bedürf­nis­sen und Mög­lich­kei­ten 3.

Abs. 2 GG fin­det auf die hier streit­ge­gen­ständ­li­che Bewer­bung kei­ne Anwen­dung, denn die Stel­len­be­wer­be­rin bewirbt sich nicht auf die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le. Gegen die Annah­me, dass die­se ein Amt der Stadt­ge­mein­de ist, bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt 4 durf­te davon aus­ge­hen, dass die dem Job­cen­ter zuge­wie­se­nen Ämter ent­we­der der Stadt­ge­mein­de oder der Bun­des­agen­tur für Arbeit zuzu­ord­nen sind. Nach § 44b Abs. 1 Satz 4, § 44g SGB II wer­den die Auf­ga­ben der gemein­sa­men Ein­rich­tung von Beam­ten und Arbeit­neh­mern wahr­ge­nom­men, die durch die Trä­ger der gemein­sa­men Ein­rich­tung zuge­wie­sen wer­den. Mit der Zuwei­sung wer­den die Stel­len zur Bewirt­schaf­tung über­tra­gen, doch bleibt die Ent­schei­dung über die Aus­ge­stal­tung des Stel­len­plans bei den Trä­gern (§ 44k SGB II). Nach § 44g Abs. 4 Satz 1 SGB II blei­ben bestehen­de Arbeits­ver­hält­nis­se mit den Trä­gern der gemein­sa­men Ein­rich­tung auch bei einer Zuwei­sung der Stel­len an die­se unbe­rührt. Ent­spre­chend wer­den mit der Zuwei­sung dem Geschäfts­füh­rer nach § 44d Abs. 4 SGB II zwar bestimm­te, aber nicht sämt­li­che arbeits- und dienst­recht­li­chen Befug­nis­se über­tra­gen. Das trägt dem kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­recht der betei­lig­ten Kom­mu­ne Rech­nung, zu des­sen Kern­be­reich die Dienst­herrn­fä­hig­keit und die eige­ne Per­so­nal­aus­wahl gehö­ren 5. Davon ist die Ent­schei­dung der Stadt­ge­mein­de, die Stel­le selbst zu beset­zen, umfasst. Anhalts­punk­te für eine will­kür­li­che Hand­ha­bung des inso­weit ein­ge­räum­ten Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens 6 durch eine Ver­knüp­fung der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le im Job­cen­ter mit einem Arbeits­ver­hält­nis bei der Stadt­ge­mein­de sind nicht ersicht­lich. Für einen indi­vi­du­el­len, grund­recht­lich gesi­cher­ten Anspruch auf einen Tausch von Stel­len besteht danach kein Raum.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Novem­ber 2016 – 1 BvR 2317/​15

  1. vgl. zum Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch BVerfG, Beschluss vom 16.12 2015 – 2 BvR 1958/​13[]
  2. vgl. BVerfGE 96, 171, 180 f.; 139, 19, 49 Rn. 59 m.w.N.[]
  3. vgl. zur Bereit­stel­lung von Notar­stel­len BVerfGE 73, 280, 292 ff.; vgl. zum Aus­ge­stal­tungs­er­mes­sen BVerfG, Beschluss vom 08.10.2007 – 2 BvR 1846/​07, 2 BvR 1853/​07, 2 BvQ 32/​07, 2 BvQ 33/​07, www.bverfg.de, Rn. 16[]
  4. BAG, Urteil vom 19.05.2015 – 9 AZR 837/​13[]
  5. vgl. BVerfGE 119, 331, 362 m.w.N.[]
  6. vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.04.2016 – BVerwG 2 B 104.1519[]