Die "Teil-Gesamt­kla­ge" – und die Bestimmt­heit des Streit­ge­gen­stands

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Die Kla­ge­par­tei muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung sie begehrt.

Die

Dazu hat sie den Streit­ge­gen­stand so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 ZPO). Sowohl bei einer der Kla­ge statt­ge­ben­den als auch bei einer sie abwei­sen­den Sach­ent­schei­dung muss zuver­läs­sig fest­stell­bar sein, wor­über das Gericht ent­schie­den hat.

Bei meh­re­ren im Wege einer objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung gemäß § 260 ZPO in einer Kla­ge ver­folg­ten Ansprü­chen muss erkenn­bar sein, aus wel­chen Ein­zel­for­de­run­gen sich die "Gesamt­kla­ge" zusam­men­setzt.

Wer­den im Wege einer "Teil-Gesamt­kla­ge" meh­re­re Ansprü­che nicht in vol­ler Höhe, son­dern teil­wei­se ver­folgt, muss die Kla­ge­par­tei genau ange­ben, in wel­cher Höhe sie aus den ein­zel­nen Ansprü­chen Teil­be­trä­ge ein­klagt 1.

Nach die­sen Grund­sät­zen muss sie vor­tra­gen, wie sie die gel­tend gemach­te Gesamt­sum­me zif­fern­mä­ßig auf die ver­schie­de­nen Ansprü­che ver­teilt wis­sen will. Eine Kla­ge, die ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de nicht indi­vi­dua­li­siert iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, ist unzu­läs­sig 2.

Dar­an gemes­sen ist der Streit­ge­gen­stand nicht hin­rei­chend bestimmt. Bei der mit der Wider­kla­ge gel­tend gemach­ten For­de­rung han­delt es sich um meh­re­re Ansprü­che, wel­che die Bekla­ge im Wege der objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung gel­tend macht, wobei die­se Ansprü­che nicht in vol­ler Höhe Gegen­stand der Wider­kla­ge sind, son­dern nur teil­wei­se. Es ist jedoch unklar, aus wel­chen Ein­zel­for­de­run­gen sich die­se "Teil-Gesamt­kla­ge" zusam­men­setzt. Das Vor­brin­gen der Beklag­ten zu den mit der Wider­kla­ge gel­tend gemach­ten For­de­run­gen und deren Berech­nung ist wider­sprüch­lich.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Febru­ar 2016 – 9 AZR 226/​15

  1. BAG 7.07.2015 – 10 AZR 416/​14, Rn. 12 mwN; 11.11.2009 – 7 AZR 387/​08, Rn. 11[]
  2. vgl. BAG 24.03.2011 – 6 AZR 691/​09, Rn. 21 ff.; Zöller/​Greger ZPO 31. Aufl. Vor § 253 Rn. 24[]