Die VBL und der Gleich­heits­grund­satz

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, die eine Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes durch die Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) rüg­te.

Die VBL und der Gleich­heits­grund­satz

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de muss sich nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG mit dem zugrun­de lie­gen­den ein­fa­chen Recht sowie mit der ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung des Sach­ver­halts aus­ein­an­der­set­zen und hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­le­gen, dass eine Grund­rechts­ver­let­zung mög­lich erscheint 1. Rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung, bedarf es in der Regel einer ins Ein­zel­ne gehen­den argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit ihr und ihrer Begrün­dung. Dabei ist auch dar­zu­le­gen, inwie­weit das jeweils bezeich­ne­te Grund­recht ver­letzt sein und mit wel­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me kol­li­die­ren soll 2.

Hin­sicht­lich eines mög­li­chen Ver­sto­ßes gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art. 3 Abs. 1 GG muss ins­be­son­de­re plau­si­bel dar­ge­legt wer­den, wer in Bezug auf wen in wel­cher Wei­se benach­tei­ligt wird und wor­in kon­kret ein indi­vi­du­el­ler Nach­teil liegt. Rich­tet sich der Angriff gegen eine Rege­lung, muss vor­ge­tra­gen wer­den, zwi­schen wel­chen kon­kre­ten Ver­gleichs­grup­pen eine auch indi­vi­du­ell nach­tei­lig wir­ken­de Ungleich­be­hand­lung bestehen soll. Dabei ist auf nahe lie­gen­de Grün­de für und gegen die ange­grif­fe­ne Dif­fe­ren­zie­rung ein­zu­ge­hen. Die pro­zes­sua­le Pflicht zur plau­si­blen Dar­le­gung der gerüg­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen kann auch Infor­ma­tio­nen umfas­sen, die ursprüng­lich nicht im Kennt­nis­be­reich der­je­ni­gen lie­gen, die eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te gel­tend machen, wenn ihnen die­se Dar­le­gung mög­lich und zumut­bar ist. Inso­weit kann es im Ein­zel­fall zumut­bar sein, unter­stüt­zen­de Bera­tung in Anspruch zu neh­men. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn – wie hier im Betriebs­ren­ten­recht – kom­ple­xe Rege­lun­gen zur Leis­tungs­be­rech­nung ange­grif­fen wer­den 3.

Die­se Anfor­de­run­gen an eine hin­rei­chen­de Sub­stan­ti­ie­rung waren hier nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht erfüllt:

Soweit der Beschwer­de­füh­rer eine unter­schied­li­che Höhe der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gungs­an­sprü­che im Tarif­ge­biet Ost und Tarif­ge­biet West rügt, trifft dies nicht den Kern der von den Tarif­ver­trags­par­tei­en getrof­fe­nen Rege­lung. Hin­sicht­lich der Höhe der Bei­trä­ge haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en kei­ne eigen­stän­di­ge Rege­lung getrof­fen, son­dern auf die Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) und die dar­in ent­hal­te­nen Abrech­nungs­krei­se ver­wie­sen. Eigen­stän­dig gere­gelt haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en nur, dass in ein zur VBL alter­na­ti­ves Ver­sor­gungs­sys­tem ein­ge­zahlt wer­den sol­le. Ob gera­de dar­in eine nicht zu recht­fer­ti­gen­de Ungleich­be­hand­lung des Beschwer­de­füh­rers liegt, kann jedoch nur über­prüft wer­den, wenn kon­kret dar­ge­legt wäre, in wel­cher Höhe der Beschwer­de­füh­rer bei einer Ein­zah­lung in das Sys­tem der VBL Ansprü­che erlangt hät­te und in wel­cher Höhe er statt­des­sen in dem zur VBL alter­na­ti­ven Ver­sor­gung­sys­tem nun­mehr Ansprü­che erlangt hat, wor­an es vor­lie­gend fehlt.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de setzt sich zudem nicht hin­rei­chend damit aus­ein­an­der, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung nicht auf den Ver­gleich der Lebens­ver­hält­nis­se in ein­zel­nen alten oder neu­en Län­dern oder Stand­or­ten abstellt. Ent­schei­dend sei viel­mehr ein bun­des­wei­ter Ver­gleich des Tarif­ge­biets bezie­hungs­wei­se der Abrech­nungs­krei­se der VBL Ost und West, wobei das jewei­li­ge Gebiet in sei­ner Gän­ze und nicht hin­sicht­lich ein­zel­ner Fak­to­ren der Berech­nung in Bezug genom­men wird. So ori­en­tiert sich die Anpas­sung der Ren­ten­zah­lun­gen nicht nur an der Ent­wick­lung der Brut­to­löh­ne, auf die in der Ver­fas­sungs­be­schwer­de abge­stellt wird, son­dern auch an wei­te­ren Fak­to­ren.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2019 – 1 BvR 1905/​14

  1. vgl. BVerfGE 89, 155, 171[]
  2. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 108, 370, 386 f.; 140, 229, 232[]
  3. vgl. BVerfGE 131, 66, 82 m.w.N.[]