Die Ver­gü­tung des Eini­gungs­stel­len-Vor­sit­zen­den – und sei­ne Leistungsbestimmung

Nach § 76a Abs. 3 BetrVG hat ein betriebs­frem­des Mit­glied einer Eini­gungs­stel­le gegen­über dem Arbeit­ge­ber einen Anspruch auf Ver­gü­tung sei­ner Tätig­keit im Eini­gungs­stel­len­ver­fah­ren, des­sen Höhe sich nach den Grund­sät­zen des § 76a Abs. 4 Satz 3 bis 5 BetrVG rich­tet. § 76a Abs. 3 BetrVG begrün­det einen gesetz­li­chen Anspruch des betriebs­frem­den Mit­glieds auf Ver­gü­tung sei­ner Tätig­keit in der Eini­gungs­stel­le [1].

Die Ver­gü­tung des Eini­gungs­stel­len-Vor­sit­zen­den – und sei­ne Leistungsbestimmung

Von § 76a Abs. 3 BetrVG kann nach § 76a Abs. 5 BetrVG abge­wi­chen wer­den. Das Gesetz sieht aus­drück­lich nur eine Abwei­chung durch Tarif­ver­trag oder in einer Betriebs­ver­ein­ba­rung vor, wenn ein Tarif­ver­trag dies zulässt oder eine tarif­li­che Rege­lung nicht besteht. Es ent­spricht aber all­ge­mei­ner Ansicht, dass auch ein­zel­ver­trag­li­che Abspra­chen über eine ander­wei­ti­ge Ver­gü­tungs­re­ge­lung zuläs­sig sind [2].

Das umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Mit­glied einer Eini­gungs­stel­le hat nach § 76a Abs. 3 BetrVG auch einen Anspruch auf Erstat­tung der auf die Ver­gü­tung ent­fal­len­den Umsatz­steu­er [3]. Einer Ver­ein­ba­rung mit dem Arbeit­ge­ber bedarf es hier­über nicht [4]. Die Umsatz­steu­er ist kei­ne eigen­stän­di­ge Hono­rar­for­de­rung, son­dern Teil von ihr, die auf­grund umsatz­steu­er­recht­li­cher Bestim­mun­gen ledig­lich geson­dert aus­zu­wei­sen ist (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 8 UStG).

Wird die Höhe der Ver­gü­tung des Eini­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nicht durch ver­trag­li­che Abspra­che mit dem Arbeit­ge­ber gere­gelt, ist eine ein­sei­ti­ge Bestim­mung der Höhe der Ver­gü­tung durch den Vor­sit­zen­den der Eini­gungs­stel­le gemäß §§ 315, 316 BGB nach bil­li­gem Ermes­sen und unter Berück­sich­ti­gung der in § 76a Abs. 4 BetrVG genann­ten Grund­sät­ze vor­zu­neh­men [5].

Das Recht einer Ver­trags­par­tei, die Leis­tung nach § 315 BGB ein­sei­tig zu bestim­men, ist ein Gestal­tungs­recht. Es wird nach § 315 Abs. 2 BGB durch eine rechts­ge­schäft­li­che, emp­fangs­be­dürf­ti­ge Erklä­rung gegen­über der ande­ren Ver­trags­par­tei aus­ge­übt. Die Gestal­tungs­er­klä­rung bedarf regel­mä­ßig kei­ner Form, ist also auch durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten mög­lich. Aller­dings muss die Bestim­mung so ein­deu­tig erfol­gen, dass der Geg­ner ohne Nach­for­schung und Berech­nung weiß, was er schul­det [6]

Ist das Leis­tungs­be­stim­mungs­recht ein­mal wirk­sam aus­ge­übt, so ist es ver­braucht. Der Bestim­mungs­be­rech­tig­te kann es kein zwei­tes Mal aus­üben, weil er es sich „anders über­legt“ hat [7]. Die Leis­tungs­be­stim­mung kon­kre­ti­siert den Leis­tungs­in­halt end­gül­tig, sie ist als Gestal­tungs­er­klä­rung für den Bestim­men­den unwi­der­ruf­lich [8]. Die Unwi­der­ruf­lich­keit dient der Rechts­si­cher­heit und dem Schutz der nicht bestim­mungs­be­rech­tig­ten Ver­trags­par­tei, die sich auf die Ver­bind­lich­keit der ein­mal getrof­fe­nen Bestim­mung ver­las­sen und ihr Ver­hal­ten dar­auf ein­rich­ten darf [9].

Die Leis­tungs­be­stim­mung durch ist ver­bind­lich, wenn sie in Ein­klang mit den Vor­ga­ben des § 76a Abs. 4 Satz 3 bis 5 BetrVG steht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2019 – 7 ABR 4/​18

Die Vergütung des Einigungsstellen-Vorsitzenden - und seine Leistungsbestimmung
  1. BAG 22.11.2017 – 7 ABR 46/​16, Rn. 10; 10.10.2007 – 7 ABR 51/​06, Rn. 10, BAGE 124, 188[]
  2. Fit­ting 29. Aufl. § 76a Rn. 32; Jacobs GK-BetrVG 11. Aufl. § 76a Rn. 61; ErfK/​Kania 20. Aufl. BetrVG § 76a Rn. 7; MHdB ArbR/​Reinhard 4. Aufl. Bd. 3 § 308 Rn.193 jew. mwN[]
  3. BAG 18.09.2019 – 7 ABR 15/​18, Rn. 15 mwN[]
  4. BAG 14.02.1996 – 7 ABR 24/​95, zu B II der Grün­de[]
  5. BAG 28.08.1996 – 7 ABR 42/​95, zu B I 1 der Grün­de[]
  6. Münch­Komm-BGB/­Wür­din­ger 8. Aufl. § 315 Rn. 35[]
  7. Staudinger/​Rieble [2015] § 315 Rn. 285[]
  8. BAG 12.10.2011 – 10 AZR 649/​10, Rn. 40, BAGE 139, 296; BGH 19.01.2005 – VIII ZR 139/​04, zu II B 2 der Grün­de[]
  9. BAG 12.10.2011 – 10 AZR 649/​10 – aaO[]