Die Wahl der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat – und die gericht­li­che Berich­ti­gung des Wahlergebnisses

Ein auf Berich­ti­gung des Wahl­er­geb­nis­ses der Wahl der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat gerich­te­ter Antrag ist zulässig.

Die Wahl der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat – und die gericht­li­che Berich­ti­gung des Wahlergebnisses

Nach § 11 Abs. 1 Drit­telbG kann die Wahl eines Auf­sichts­rats­mit­glieds oder eines Ersatz­mit­glieds der Arbeit­neh­mer beim Arbeits­ge­richt ange­foch­ten wer­den, wenn gegen wesent­li­che Vor­schrif­ten über das Wahl­recht, die Wähl­bar­keit oder das Wahl­ver­fah­ren ver­sto­ßen wor­den und eine Berich­ti­gung nicht erfolgt ist, es sei denn, dass durch den Ver­stoß das Wahl­er­geb­nis nicht geän­dert oder beein­flusst wer­den konn­te. Die Vor­schrift lässt sowohl die Anfech­tung der Wahl ein­zel­ner als auch aller Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter und der Ersatz­mit­glie­der zu.

Der Anfech­tungs­an­trag kann auf ein­zel­ne Auf­sichts­rats­mit­glie­der beschränkt wer­den, soweit sich der Wahl­ver­stoß aus­schließ­lich bei ihnen aus­wirkt und die Recht­mä­ßig­keit der Wahl der übri­gen Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter ein­schließ­lich der Ersatz­mit­glie­der unbe­rührt lässt1.

Eine auf Berich­ti­gung des Wahl­er­geb­nis­ses gerich­te­te Teil­an­fech­tung kommt in Betracht, wenn Feh­ler bei der Fest­stel­lung des Wahl­er­geb­nis­ses auf­ge­tre­ten sind, die Wahl aber ansons­ten ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führt wor­den ist und somit durch die Kor­rek­tur ledig­lich der wah­ren Wäh­ler­ent­schei­dung Gel­tung ver­schafft wer­den soll2.

Eben­so wie bei der Anfech­tung der Wahl ins­ge­samt, bei der die Wahl für ungül­tig erklärt wird, erfolgt bei einer Teil­an­fech­tung die Berich­ti­gung des Wahl­er­geb­nis­ses durch eine rechts­ge­stal­ten­de Ent­schei­dung des Gerichts3.

Danach ist der auf Berich­ti­gung des Wahl­er­geb­nis­ses gerich­te­te Teil­an­fech­tungs­an­trag zuläs­sig. Feh­ler bei der Durch­füh­rung der Wahl sind weder gel­tend gemacht wor­den noch erkenn­bar. Der ein­zi­ge im Ver­fah­ren gerüg­te Anfech­tungs­grund – die aus Sicht der Antrag­stel­ler feh­ler­haf­te Ent­schei­dung des Wahl­vor­stands über die Gül­tig­keit eines kon­kre­ten Stimm­zet­tels – kann durch eine gericht­li­che Berich­ti­gung des Wahl­er­geb­nis­ses beho­ben wer­den. Der gel­tend gemach­te Wahl­feh­ler wirkt sich auf die Wahl der wei­te­ren Auf­sichts­rats­mit­glie­der der Arbeit­neh­mer nicht aus. 

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Zur Anfech­tung der Wahl der Auf­sichts­rats­mit­glie­der der Arbeit­neh­mer berech­tigt sind die nach § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Drit­telbG wahl­be­rech­tig­ten Arbeitnehmer.

Nach § 11 Abs. 2 Satz 2 Drit­telbG ist die Anfech­tung nur bin­nen einer Frist von zwei Wochen; vom Tage der Ver­öf­fent­li­chung des Wahl­er­geb­nis­ses im Bun­des­an­zei­ger an gerech­net, zuläs­sig. Die Anfech­tung der Wahl kann schon vor der Ver­öf­fent­li­chung des Wahl­er­geb­nis­ses im Bun­des­an­zei­ger erfol­gen4. Inner­halb der Frist muss min­des­tens ein nach § 11 Abs. 1 Drit­telbG erheb­li­cher Anfech­tungs­grund gel­tend gemacht wer­den. Der Grund muss geeig­net sein, Zwei­fel an der nach den mit­be­stim­mungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten zu beur­tei­len­den Ord­nungs­mä­ßig­keit der durch­ge­führ­ten Wahl zu begrün­den5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 28. April 2021 – 7 ABR 20/​20

  1. vgl. zur Wahl der Auf­sichts­rats­mit­glie­der nach dem Mit­bestG BAG 11.06.1997 – 7 ABR 24/​96, zu B II 2 der Grün­de, BAGE 86, 117[]
  2. vgl. zur Betriebs­rats­wahl: BAG 22.11.2017 – 7 ABR 35/​16, Rn. 11, BAGE 161, 91; 16.11.2005 – 7 ABR 11/​05, Rn. 12; 16.03.2005 – 7 ABR 40/​04, zu B II 1 a der Grün­de mwN, BAGE 114, 119[]
  3. vgl. zur Betriebs­rats­wahl BAG 22.11.2017 – 7 ABR 35/​16, Rn. 11, aaO; 16.03.2005 – 7 ABR 40/​04, zu B II 1 c der Grün­de mwN, aaO[]
  4. Münch­Komm-Akt­G/An­nuß 5. Aufl. § 11 Drit­telbG Rn. 4; Hens­s­ler in Habersack/​Henssler Mit­be­stim­mungs­recht 4. Aufl. § 11 Drit­telbG Rn. 6; WBAG/​Kleinsorge Mit­be­stim­mungs­recht 5. Aufl. § 11 Drit­telbG Rn. 14; zur Wahl­an­fech­tung nach § 22 Mit­bestG: Hens­s­ler in Habersack/​Henssler Mit­be­stim­mungs­recht 4. Aufl. § 22 Mit­bestG Rn. 9; WBAG/​Wißmann Mit­be­stim­mungs­recht 5. Aufl. § 22 Mit­bestG Rn. 54[]
  5. vgl. zur Wahl­an­fech­tung nach dem Mit­bestG BAG 17.05.2017 – 7 ABR 22/​15, Rn. 30, BAGE 159, 111[]