Dienst­ver­trag­li­che Bezug­nah­me auf einen kirch­li­chen Tarif­ver­trag

Für eine Anwen­dung des Kirch­li­chen Ange­stell­ten­ta­rif­ver­trag für die Nord­el­bi­sche Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che (KAT-NEK) vom 15.01.19821 auf ein Arbeits­ver­hält­nis, in dem er in Bezug genom­men wur­de, über den 1.01.2015 hin­aus gibt es seit dem Bei­tritt der Arbeit­ge­be­rin zum VKDA und dem Inkraft­tre­ten des Ein­füh­rungs­ta­rif­ver­tra­ges zum Kirch­li­chen Tarif­ver­trag Dia­ko­nie (KTD)2 am 1.01.2015 kei­ne Rechts­grund­la­ge mehr. Viel­mehr gilt seit­dem ein­zel­ver­trag­lich der KTD.

Dienst­ver­trag­li­che Bezug­nah­me auf einen kirch­li­chen Tarif­ver­trag

Das folgt für das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT.

Im Bereich der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che (NEK) war auf der Grund­la­ge des Beschlus­ses der Syn­ode der NEK zur Arbeits­rechts­re­ge­lung vom 18.02.1978 in § 1 des Kir­chen­ge­set­zes über die Rege­lung der Rechts­ver­hält­nis­se der in einem pri­vat­recht­li­chen Arbeits­ver­hält­nis beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter in der Nord­el­bi­schen Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che (Arbeits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz – ARRG) vom 09.06.19793 bestimmt, dass die Arbeits­be­din­gun­gen die­ser Mit­ar­bei­ter nach Tarif­ver­trä­gen zu gestal­ten waren. Gemäß § 1 des am 5.11.1979 geschlos­se­nen Tarif­ver­trags zur Rege­lung der Grund­la­gen einer kir­chen­ge­mä­ßen Tarif­part­ner­schaft4 besteht zwi­schen den Tarif­ver­trags­par­tei­en für die Dau­er des Tarif­ver­trags eine abso­lu­te Frie­dens­pflicht. Die NEK schloss sich am 27.05.2012 mit der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Lan­des­kir­che Meck­len­burgs und der Pom­mer­schen Evan­ge­li­schen Kir­che zur Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Nord­deutsch­land (Nord­kir­che) zusam­men. Gemäß § 56 Abs. 2 des Ein­füh­rungs­ge­set­zes zur Ver­fas­sung der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Nord­deutsch­land (Ein­füh­rungs­ge­setz – EGVerf) vom 07.01.20125 erfolgt die Arbeits­rechts­set­zung für die kirch­li­chen Kör­per­schaf­ten öffent­li­chen Rechts im Gebiet der ehe­ma­li­gen NEK und deren recht­lich unselb­stän­di­ge Diens­te, Wer­ke und Ein­rich­tun­gen wei­ter­hin nach dem ARRG und auf der Grund­la­ge des Grund­la­gen­ta­rif­ver­trags vom 05.11.1979. Gemäß § 56 Abs. 6 EGVerf rich­tet sich die Arbeits­rechts­set­zung für die recht­lich selb­stän­di­gen Dia­ko­ni­schen Wer­ke jeweils nach dem zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Ver­fas­sung in den Dia­ko­ni­schen Wer­ken gel­ten­den Recht.

Der arbeits­ver­trag­lich in Bezug genom­me­ne, auf der Grund­la­ge der Tarif­ver­trä­ge vom 05.11.1979 geschlos­se­ne KAT-NEK wur­de gemäß § 2 des Tarif­ver­trags zur Über­lei­tung der Beschäf­tig­ten in den Kirch­li­chen Arbeit­neh­me­rin­nen Tarif­ver­trag (TVÜ-KAT) vom 10.01.20076 durch den Kirch­li­chen Arbeit­neh­me­rin­nen Tarif­ver­trag (KAT) vom 01.12 20067 ersetzt. Glei­ches galt für den Kirch­li­chen Arbei­ter­ta­rif­ver­trag (KArbT-NEK) vom 17.05.1982. Gemäß § 8 Abs. 2 TVÜ-KAT tra­ten der KAT-NEK und der KArbT-NEK zum 1.04.2007 ohne Nach­wir­kung außer Kraft.

Der KAT ist zwi­schen dem Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger Nord­el­bi­en einer­seits und der Gewerk­schaft Kir­che und Dia­ko­nie sowie ver.di, Lan­des­be­zir­ke Ham­burg und Nord, (im Fol­gen­den nur ver.di) ande­rer­seits abge­schlos­sen. Zum Gel­tungs­be­reich die­ses Tarif­ver­trags bestimmt § 1 KAT:

(1)
Die­ser Tarif­ver­trag gilt für Arbeit­neh­me­rin­nen, die in einem Arbeits­ver­hält­nis zu Mit­glie­dern des Ver­ban­des kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger Nord­el­bi­en (VKDA) ste­hen und für die nicht der Kirch­li­che Tarif­ver­trag Dia­ko­nie (KTD) gilt.

(3)
Soweit für Ein­rich­tun­gen zwi­schen den Tarif­ver­trags­par­tei­en der KTD ver­ein­bart wird, ersetzt die­ser den KAT. Die Lis­te die­ser Ein­rich­tun­gen wird zwi­schen den Tarif­ver­trags­par­tei­en pro­to­kol­liert.”

Die Arbeit­ge­be­rin wand­te seit Inkraft­tre­ten des KAT die­sen Tarif­ver­trag auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en an.

Der in § 1 KAT erwähn­te Kirch­li­che Tarif­ver­trag Dia­ko­nie8 wur­de bereits am 15.08.2002 zwi­schen dem Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger Nord­el­bi­en einer­seits und der Gewerk­schaft Kir­che und Dia­ko­nie, der IG Bau­en-Agrar-Umwelt, Bun­des­vor­stand, sowie von ver.di ande­rer­seits geschlos­sen. Der KTD ist ein spe­zi­fisch auf die Tätig­kei­ten und Berufs­bil­der der Dia­ko­nie zuge­schnit­te­ner Tarif­ver­trag. Zu sei­nem Gel­tungs­be­reich bestimmt § 1 KTD:

(1)
… ²Im Wei­te­ren gilt die­ser Tarif­ver­trag für alle Arbeit­neh­me­rin­nen, die in einem Arbeits­ver­hält­nis zu Mit­glie­dern des VKDA ste­hen und für die die Gel­tung des KTD tarif­ver­trag­lich ver­ein­bart wur­de.”

Gemäß § 32 Abs. 1 KTD galt die­ser Tarif­ver­trag ab dem 1.10.2002. Zu die­sem Zeit­punkt war die Arbeit­neh­me­rin bereits Mit­glied bei ver.di. Die Arbeit­ge­be­rin trat jedoch erst mit Wir­kung zum 1.01.2015 dem Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger, der inzwi­schen die Bezeich­nung „Ver­band kirch­li­cher und dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger in Nord­deutsch­land (VKDA)” führt, bei. Am 21.10.2014 wur­de zwi­schen dem VKDA einer­seits sowie der Kir­chen­ge­werk­schaft, Lan­des­ver­band Nord, und ver.di ande­rer­seits auf der Grund­la­ge der Tarif­ver­trä­ge vom 05.11.1979 der Tarif­ver­trag zur Ein­füh­rung des Kirch­li­chen Tarif­ver­tra­ges Dia­ko­nie (KTD) in der Dia­ko­nie­stif­tung Alt-Ham­burg (Ein­füh­rungsTV KTD) mit Wir­kung zum 1.01.2015 geschlos­sen. Gemäß sei­nem § 1 gilt die­ser Tarif­ver­trag für alle Arbeit­neh­me­rin­nen iSd. §§ 1 und 2 KTD, die in einem Arbeits­ver­hält­nis mit der Arbeit­ge­be­rin ste­hen. Nach § 2 Ein­füh­rungsTV KTD ersetzt der KTD den KAT. § 3 Ein­füh­rungsTV KTD ent­hält umfang­rei­che Über­gangs­be­stim­mun­gen und Besitz­stands­re­ge­lun­gen. Nach § 5 Ein­füh­rungsTV KTD wird die­ser Tarif­ver­trag auf die Arbeit­neh­me­rin­nen, die im Monat vor der Erset­zung Anspruch auf eine Besitz­stands­zu­la­ge nach § 3 TVÜ-KAT hat­ten, nicht ange­wandt.

Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob der KAT auf­grund der arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me im Arbeits­ver­trag vom 22.11.2002 auf das Arbeits­ver­hält­nis über den 1.01.2015 hin­aus wei­ter­hin Anwen­dung fin­det. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­nein­te dies:

Auf das Arbeits­ver­hält­nis fin­det seit dem 1.01.2015 auf­grund der in § 2 des Arbeits­ver­trags vom 22.11.2002 ver­ein­bar­ten Bezug­nah­me der KTD Anwen­dung. Das gilt unab­hän­gig davon, ob wegen der Mit­glied­schaft der Arbeit­neh­me­rin bei einer der ver­trags­schlie­ßen­den Gewerk­schaf­ten des KTD auch des­sen nor­ma­ti­ve Gel­tung in Betracht kommt.

Der KTD ist unab­hän­gig davon, dass er als Flä­chen­ta­rif­ver­trag bereits im Jahr 2002 abge­schlos­sen wor­den ist, seit sei­ner Ein­füh­rung in der Ein­rich­tung der Arbeit­ge­be­rin durch den Ein­füh­rungsTV KTD mit Wir­kung zum 1.01.2015 ein an den KAT „anschlie­ßen­der” Tarif­ver­trag im Sin­ne der zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­ten Bezug­nah­me­klau­sel. Das ergibt sich aus der arbeits­ver­trag­lich in Bezug genom­me­nen Rege­lung in § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT.

Aller­dings hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg in der Vor­in­stanz9 zu Recht ange­nom­men, dass der Abschluss des Ein­füh­rungsTV KTD allein kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Inhalt der arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­klau­sel hat­te. Der Gestal­tungs­wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en hat für die Aus­le­gung und den Inhalt einer sol­chen Klau­sel kei­ne Bedeu­tung, weil sie am Arbeits­ver­trag nicht betei­ligt sind10. Das über­sieht die Revi­si­on.

Auch trifft der Hin­weis der Arbeit­neh­me­rin im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zu, dass die ver­trag­li­che Inbe­zug­nah­me eines Tarif­ver­trags den tarif­lich nor­mier­ten Gel­tungs­be­reich nicht unein­ge­schränkt erfasst. Ande­ren­falls gin­ge eine Ver­wei­sung in Fäl­len, in denen der Arbeit­neh­mer und/​oder sein Arbeit­ge­ber von Beginn an nicht vom per­sön­li­chen oder sach­li­chen (betrieb­li­chen) Gel­tungs­be­reich erfasst wer­den, ins Lee­re. Auch lässt sich der Inbe­zug­nah­me eines Tarif­ver­trags in einem wie hier nach dem 1.01.2002 geschlos­se­nen Arbeits­ver­trag kei­ne auf­lö­sen­de Bedin­gung ent­neh­men, wonach der Tarif­ver­trag nur so lan­ge dyna­misch in Bezug genom­men ist, wie der Arbeit­ge­ber selbst von dem in die­sem Tarif­ver­trag fest­ge­leg­ten Gel­tungs­be­reich erfasst und damit an den Tarif­ver­trag gebun­den ist. Viel­mehr führt eine dyna­mi­sche Bezug­nah­me in die­sen Fäl­len grund­sätz­lich dazu, dass das in Bezug genom­me­ne Tarif­werk unab­hän­gig davon, ob der Arbeit­ge­ber selbst (noch) vom per­so­nel­len oder sach­li­chen Gel­tungs­be­reich erfasst ist, auf das jewei­li­ge Arbeits­ver­hält­nis anzu­wen­den ist11. Etwas ande­res gilt ins­be­son­de­re dann, wenn der Arbeit­ge­ber sei­ne Tarif­ge­bun­den­heit in einer dem Arbeit­neh­mer hin­rei­chend erkenn­ba­ren Wei­se zur auf­lö­sen­den Bedin­gung der Bezug­nah­me gemacht hat12. Die­se Grund­sät­ze fin­den auch bei der Bezug­nah­me auf kirch­li­che Arbeits­rechts­re­ge­lun­gen Anwen­dung13.

Um sol­che Fall­ge­stal­tun­gen geht es jedoch vor­lie­gend nicht. Die Gel­tung des KTD folgt allein aus der zwi­schen den Par­tei­en ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Bezug­nah­me auf den KAT-NEK und die sich die­sem Tarif­ver­trag anschlie­ßen­den Tarif­ver­trä­ge. Bei sei­ner Annah­me, der KTD sei kein „anschlie­ßen­der” Tarif­ver­trag im Sin­ne der Bezug­nah­me­klau­sel, weil er vor dem KAT abge­schlos­sen wor­den sei, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg14 die Rege­lung in § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT nicht berück­sich­tigt.

Tarif­ver­trä­ge schlie­ßen anein­an­der an, wenn sie zeit­lich unmit­tel­bar auf­ein­an­der fol­gen15, also der älte­re durch den neue­ren Tarif­ver­trag ersetzt wird.

Der KAT ist ein „anschlie­ßen­der” Tarif­ver­trag im Sin­ne der Bezug­nah­me­klau­sel. Der KAT-NEK ist mit Wir­kung zum 1.04.2007 durch den KAT ersetzt wor­den. Das stellt § 8 Abs. 2 TVÜ-KAT klar. Dar­um waren für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en seit dem 1.04.2007 die Bestim­mun­gen des KAT maß­geb­lich. Dar­über besteht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit. Eben­so besteht Einig­keit, dass die Bezug­nah­me dyna­misch zu ver­ste­hen ist.

§ 1 Abs. 3 Satz 1 KAT ord­net an, dass der KTD den KAT ersetzt, soweit von den Tarif­ver­trags­par­tei­en für eine Ein­rich­tung die Gel­tung des KTD ver­ein­bart wird. Die­se Anord­nung ist von der arbeits­ver­trag­li­chen Inbe­zug­nah­me des KAT erfasst. Sie hat zur Fol­ge, dass mit Inkraft­tre­ten des Ein­füh­rungsTV KTD in der Ein­rich­tung der Arbeit­ge­be­rin am 1.01.2015 der KAT mit Wir­kung für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en durch den KTD ersetzt wor­den ist. Dar­um ist auch der KTD ein an den KAT „anschlie­ßen­der” Tarif­ver­trag im Sin­ne der arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­klau­sel. Seit dem 1.01.2015 fin­det ver­trag­lich des­halb nur noch die­ser Tarif­ver­trag auf das Arbeits­ver­hält­nis Anwen­dung.

Unab­hän­gig davon folgt aus § 1 Abs. 3 KAT, dass sich der arbeits­ver­trag­lich in Bezug genom­me­ne KAT selbst für das Arbeits­ver­hält­nis der Arbeit­neh­me­rin seit dem 1.01.2015 kei­ne Bedeu­tung mehr bei­misst. Auf­grund die­ser tarif­lich nor­mier­ten Tarif­wech­sel­klau­sel ist seit­dem Bezug­nah­me­ob­jekt auf der indi­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ebe­ne allein der KTD. Die­se Rege­lungs­tech­nik begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken.

KAT und KTD sind bei­de auf Arbeit­neh­mer­sei­te ua. von ver.di und auf Arbeit­ge­ber­sei­te jeweils vom VKDA geschlos­sen wor­den. Zur Ver­mei­dung von Über­schnei­dun­gen im Anwen­dungs­be­reich die­ser Tarif­ver­trä­ge legt § 1 Abs. 1 KAT fest, dass die­ser Tarif­ver­trag nicht für die Arbeit­neh­mer gilt, für die der KTD ein­greift. Umge­kehrt ist in § 1 Abs. 1 Satz 2 KTD ange­ord­net, dass die­ser Tarif­ver­trag nur die Arbeit­neh­me­rin­nen dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen bzw. dia­ko­ni­scher Anstel­lungs­trä­ger erfasst, die in einem Arbeits­ver­hält­nis zu Mit­glie­dern des VKDA ste­hen und für die die Gel­tung des KTD tarif­ver­trag­lich ver­ein­bart wur­de.

Mit der unbe­ding­ten zeit­dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf den KAT-NEK und die sich an die­sen anschlie­ßen­den Tarif­ver­trä­ge im Arbeits­ver­trag vom 22.11.200216 hat sich die Arbeit­neh­me­rin der Rege­lungs­macht der Tarif­ver­trags­par­tei­en anver­traut und sich ihr für die Zukunft unter­wor­fen17. Die arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me hät­te dar­um zwei­fels­frei sämt­li­che Ände­run­gen erfasst, die die Tarif­ver­trags­par­tei­en im KAT als an den KAT-NEK „anschlie­ßen­den” Tarif­ver­trag für die bei dia­ko­ni­schen Anstel­lungs­trä­gern Beschäf­tig­ten ver­ein­bart hät­ten. Sie hät­ten die­se Bedin­gun­gen für die Spar­te Dia­ko­nie zB in einem „Beson­de­ren Teil” des KAT regeln kön­nen, wie es etwa im öffent­li­chen Dienst für Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen durch den Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) – Beson­de­rer Teil Pfle­ge- und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen – (BT‑B) – vom 01.08.2006 gesche­hen ist. Genau­so gut hät­ten sie die Abwei­chun­gen für die Dia­ko­nie in einem „Teil II” des KAT fest­le­gen kön­nen. Statt­des­sen haben sie sich dafür ent­schie­den, die Arbeits­be­din­gun­gen, die für die Arbeit­neh­mer der Mit­glie­der des VKDA gel­ten, in zwei getrenn­ten, selb­stän­di­gen Tarif­ver­trä­gen zu regeln. Die mit die­ser Rege­lungs­tech­nik ein­her­ge­hen­de Ände­rung der in der Dia­ko­nie gel­ten­den Tarif­nor­men wirkt inhalt­lich nicht anders oder gra­vie­ren­der auf die indi­vi­du­al­ver­trag­li­che Ebe­ne des Arbeits­ver­trags ein als eine von der Bezug­nah­me im Arbeits­ver­trag der Par­tei­en zwei­fels­frei erfass­te Ände­rung des KAT für die­sen Beschäf­ti­gungs­be­reich. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en haben es mit den Rege­lun­gen in § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT und § 1 Abs. 1 Satz 2 KTD ledig­lich ermög­licht, dass ihre Ent­schei­dung, für den Bereich der Dia­ko­nie einen eigen­stän­di­gen Tarif­ver­trag zu schlie­ßen, auch auf der arbeits­ver­trag­li­chen Ebe­ne nach­voll­zo­gen wird. Die von den Tarif­ver­trags­par­tei­en genutz­te Gestal­tungs­mög­lich­keit einer tarif­lich nor­mier­ten Tarif­wech­sel­klau­sel ist von dem durch die dyna­mi­sche Bezug­nah­me im Arbeits­ver­trag der Par­tei­en erfass­ten KAT aus­drück­lich gedeckt. Auch sie hat zur Fol­ge, dass im Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en seit dem 1.01.2015 indi­vi­du­al­ver­trag­lich nur noch der KTD gilt.

Die zur Gel­tung des KTD erfor­der­li­che tarif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung wur­de durch den Ein­füh­rungsTV KTD mit Wir­kung zum 1.01.2015 getrof­fen.

Die Auf­nah­me der von § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT erfass­ten Ein­rich­tun­gen in die nach § 1 Abs. 3 Satz 2 KAT von den Tarif­ver­trags­par­tei­en zu füh­ren­de Lis­te der Ein­rich­tun­gen, für die der KTD ver­ein­bart ist, hat kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung für die Erset­zung des KAT. Das folgt aus der Tarif­ge­schich­te und einer Gesamt­schau mit § 1 Abs. 1 Satz 2 KTD. Es kommt dar­um für die Ent­schei­dung des Rechts­streits nicht dar­auf an, ob die Arbeit­ge­be­rin in die­ser Lis­te auf­ge­führt ist.

In § 1 Abs. 1 Satz 2 KTD war ursprüng­lich vor­ge­se­hen, dass alle Ein­rich­tun­gen, für die der KAT durch den KTD ersetzt wer­den soll­te, nament­lich auf­ge­führt wer­den soll­ten. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en haben sich jedoch mit dem Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 3 zum KTD vom 12.08.2004, der am 1.10.2004 in Kraft getre­ten ist, zur Ver­ein­fa­chung für eine abs­trak­te Rege­lung des Gel­tungs­be­reichs in § 1 Abs. 1 Satz 2 KTD ent­schie­den.

Bei Ein­füh­rung des KAT zum 1.04.2007 haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en in § 1 Abs. 3 Satz 2 KAT von einer nament­li­chen Nen­nung der Ein­rich­tun­gen, für die der KAT durch den KTD ersetzt wor­den ist, eben­falls abge­se­hen. Die Ein­füh­rung des KTD hängt nach die­ser tarif­li­chen Aus­ge­stal­tung allein davon ab, dass der dafür erfor­der­li­che Tarif­ver­trag geschlos­sen wird, nicht aber davon, dass die Ein­rich­tung auch in der nach § 1 Abs. 3 Satz 2 KAT zu füh­ren­den Lis­te auf­ge­führt ist. Die­se Lis­te dient offen­kun­dig nur der wech­sel­sei­ti­gen Über­prü­fung der Tarif­ver­trags­par­tei­en und schützt etwai­ge Betriebs­er­wer­ber.

Ent­ge­gen der Annah­me der Arbeit­neh­me­rin fin­det der KAT auch nicht auf­grund der Rege­lung in § 5 Ein­füh­rungsTV KTD wei­ter Anwen­dung auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en.

Die Arbeit­neh­me­rin hat bereits nicht dar­ge­legt, dass sie im Dezem­ber 2014 jeden­falls dem Grun­de nach wei­ter­hin Anspruch auf eine Besitz­stands­zu­la­ge nach § 3 TVÜ-KAT hat­te. Die von ihr mit Schrift­satz vom 16.01.2018 vor­ge­leg­te „Umstel­lungs­mit­tei­lung” vom 20.04.2007, aus der sich eine Besitz­stands­zu­la­ge von 101, 11 Euro ergibt, genügt dafür nicht. Die Besitz­stands­zu­la­ge wird nicht sta­tisch gewährt, son­dern wird gemäß Buchst. a bzw. Buchst. c der Pro­to­koll­no­tiz zu § 3 Abs. 1 TVÜ-KAT bei Ent­gelt­stu­fen­stei­ge­run­gen bzw. Tarif­er­hö­hun­gen abge­schmol­zen.

Selbst wenn die Arbeit­neh­me­rin im Dezem­ber 2014 noch Anspruch auf eine Besitz­stands­zu­la­ge gehabt hät­te, hät­te dies ent­ge­gen der von ihr im Schrift­satz vom 15.01.2018 ver­tre­te­nen Ansicht nicht zur Fol­ge, dass sie von einem erneu­ten Tarif­wech­sel aus­ge­nom­men war, „weil sie bereits einen Tarif­wech­sel zu bewäl­ti­gen hat­te”. Ein sol­ches Ver­ständ­nis lässt sich § 5 Ein­füh­rungsTV KTD nicht ent­neh­men. Grif­fe die­se Bestim­mung zuguns­ten der Arbeit­neh­me­rin ein, führ­te dies ledig­lich dazu, dass der Ein­füh­rungsTV KTD und ins­be­son­de­re sei­ne in § 3 gere­gel­ten Über­gangs­be­stim­mun­gen kei­ne Anwen­dung auf die Arbeit­neh­me­rin fän­den. Ein indi­vi­du­el­ler Aus­schluss der Arbeit­neh­me­rin aus der Anwen­dung des Ein­füh­rungsTV KTD änder­te aber nichts dar­an, dass die­ser Tarif­ver­trag wirk­sam geschlos­sen ist und dar­um gemäß § 1 Abs. 3 Satz 1 KAT für die Ein­rich­tung der Arbeit­ge­be­rin die Erset­zung des KAT durch den KTD zur Fol­ge hat­te. Die­se Erset­zung wirkt auf­grund der arbeits­ver­trag­li­chen Inbe­zug­nah­me des KAT auch auf der indi­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ebe­ne.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Janu­ar 2018 – 6 AZR 687/​16

  1. GVOBl. NEK S. 41, 46
  2. GVOBl. NEK S. 317
  3. GVOBl. NEK S.193
  4. GVOBl. NEK 1980 S. 12
  5. KABl. Nord­kir­che S. 30, 127, 234
  6. GVOBl. NEK S. 133
  7. GVOBl. NEK 2007 S. 119
  8. KTD, GVOBl. NEK S. 317
  9. LAG Ham­burg, Urteil vom 31.08.2016 – 5 Sa 6/​16
  10. vgl. BAG 6.07.2011 – 4 AZR 706/​09, Rn. 43, BAGE 138, 269
  11. vgl. BAG 16.05.2012 – 4 AZR 290/​10, Rn. 25
  12. BAG 18.04.2007 – 4 AZR 652/​05, Rn. 32, 40, BAGE 122, 74
  13. vgl. BAG 23.11.2017 – 6 AZR 739/​15, Rn. 29
  14. LAG Ham­burg, a.a.O.
  15. vgl. zum Stich­wort „anschlie­ßen”: Wah­rig Deut­sches Wör­ter­buch 9. Aufl.; Duden Das gro­ße Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che 3. Aufl.
  16. vgl. zu die­ser recht­li­chen Ein­ord­nung BAG 22.04.2009 – 4 ABR 14/​08, Rn. 18, BAGE 130, 286
  17. vgl. BAG 18.05.2011 – 5 AZR 213/​09, Rn.20