Direk­ti­ons­recht – Das darf der Chef

Noch vor eini­gen Jahr­zehn­ten war es gang und gäbe, dass die Arbeit­neh­mer der Will­kür der Chef­eta­ge schutz­los aus­ge­lie­fert waren. Die­se Zei­ten sind zum Glück vor­bei, doch der Chef hat den­noch eini­ge Rech­te, die er gel­tend machen kann. In der Fach­spra­che wird dies als Direk­ti­ons­recht ver­stan­den. Wel­che Befug­nis­se sich nun genau hin­ter die­ser Bezeich­nung ver­ber­gen, legen wir Ihnen im fol­gen­den Arti­kel dar. 

Direk­ti­ons­recht – Das darf der Chef

Direk­ti­ons­recht Defi­ni­ti­on – Den Anwei­sun­gen des Chefs ist Fol­ge zu leisten

Als Direk­ti­ons- oder Wei­sungs­recht bezeich­net man die vom Gesetz­ge­ber erteil­te Ermäch­ti­gung des Arbeit­ge­bers, den Ange­stell­ten Anord­nun­gen zu ertei­len. Die­se Berech­ti­gung ist im Arbeits­ver­trag schrift­lich fest­ge­hal­ten und wird mit der Unter­schrift des Arbeit­neh­mers rechts­gül­tig. In dem Rechts­do­ku­ment sind also die Rech­te und Pflich­ten des Mit­ar­bei­ters definiert. 

Die­se Berei­che umfasst das Direktionsrecht

Mit der Ein­füh­rung des Arbeit­neh­mer­schut­zes wur­de dem Macht­miss­brauch ein Ende gesetzt, der in Unter­neh­men vie­le Jah­re lang gang und gäbe war. Es ist zwar klar fest­ge­legt, dass der Arbeit­ge­ber sei­nen Mit­ar­bei­ter Anwei­sun­gen geben darf, will­kür­lich dür­fen die­se For­de­run­gen und Vor­schrif­ten laut Arbeits­recht aller­dings nicht sein. Das Direk­ti­ons­recht ent­springt § 106 der Gewer­be­ord­nung (GewO) und § 315 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB). Dort wird ein­deu­tig vor­ge­ge­ben, wel­che Befug­nis­se der Arbeit­ge­ber inne­hat und wel­che Gebie­te außer­halb sei­nes Ein­flus­ses liegen. 

Arbeits­zeit

Mit der Auf­nah­me des Arbeits­ver­hält­nis­ses muss die Arbeits­zeit bestimmt wer­den, die der Mit­ar­bei­ter zu leis­ten hat. Im All­ge­mei­nen wird eine Wochen­ar­beits­zeit im Arbeits­ver­trag, Tarif­ver­trag oder den Betriebs­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­legt. Dank § 3 ArbZG wur­de eine Höchst­gren­ze für die täg­li­che Arbeits­zeit kon­kre­ti­siert, wel­che die 8‑Stun­den-Gren­ze nicht über­schrei­ten darf. Zu Über­stun­den ist der Arbeit­neh­mer ledig­lich dann ver­pflich­tet, wenn dies aus­drück­lich im Arbeits­ver­trag nie­der­ge­schrie­ben ist. Soll­te dies nicht der Fall sein, kann der Mit­ar­bei­ter nur in abso­lu­ten Not­fäl­len und bei Per­so­nal­eng­päs­sen zur Pflicht geru­fen wer­den. Wei­ter­hin muss der Arbeit­ge­ber auch Anga­ben zu Arbeits­schich­ten und Pau­sen­zei­ten machen. 

Weiterlesen:
Versetzung - durch Zuweisung eines anderen Tätigkeitsfeldes

Arbeits­ort

In der Regel bewer­ben sich Arbeits­su­chen­de auf eine Stel­le an einem bestimm­ten Arbeits­ort. Das Direk­ti­ons­recht umfasst aller­dings auch die Berech­ti­gung des Arbeit­ge­bers, sei­ne Mit­ar­bei­ter zu einem ande­ren Ein­satz­ort zu schi­cken. So kann es mög­lich sein, dass der Mit­ar­bei­ter gebe­ten wird, sei­ne Arbeit in einer ande­ren Filia­le zu ver­rich­ten. In eini­gen Bran­chen exis­tie­ren sogar räum­li­che Ein­zugs­ge­bie­te, die alle als Arbeits­ort des Ange­stell­ten fun­gie­ren kön­nen. Das Direk­ti­ons­recht berech­tigt den Arbeit­ge­ber jedoch nicht dazu, den Mit­ar­bei­ter ins Aus­land zuzu­ord­nen oder einen Arbeits­orts­wech­sel zu for­dern, der 300 km vom ehe­ma­li­gen Ein­satz­ort ent­fernt ist. 

Arbeits­in­halt

Eine wei­te­re Befug­nis des Arbeit­ge­bers besteht dar­in, die Art der Tätig­keit der Ange­stell­ten fle­xi­bel zu gestal­ten. In der Regel wer­den nur all­ge­mei­ne Anga­ben über den Arbeits­in­halt gemacht, wodurch sich das Auf­ga­ben­feld des Arbeit­neh­mers leicht erwei­tern oder ver­än­dern lässt.

Ver­hal­ten

Im Direk­ti­ons­recht inbe­grif­fen sind zudem Bestim­mun­gen, wel­che die Raum­nut­zung umfas­sen. Der Arbeit­ge­ber kann zum Bei­spiel dazu auf­ge­for­dert wer­den, bestimm­te Sicher­heits­vor­keh­run­gen ein­zu­hal­ten, Gerä­te nach der Nut­zung aus­zu­schal­ten oder die Anord­nun­gen ande­rer Kol­le­gen zu befolgen. 

Gren­zen des Weisungsrechts

Trotz all der Mög­lich­kei­ten, die der Arbeit­ge­ber besitzt, gibt es natür­lich auch Ein­schrän­kun­gen des Direk­ti­ons­rechts. So kön­nen die Mit­ar­bei­ter For­de­run­gen ver­wei­gern, die gegen gesetz­li­che Ver­bo­te ver­sto­ßen oder als sit­ten­wid­rig ein­ge­stuft wer­den. Es kann außer­dem sein, dass der Chef sei­ne Ent­schei­dun­gen vor dem Betriebs­rat recht­fer­ti­gen muss. 

Weiterlesen:
Weisungsrecht des öffentlichen Arbeitgebers - und seine Selbstbindung

Gene­rell gilt, dass Arbeit­neh­mer weni­ger auf das Direk­ti­ons­recht set­zen soll­ten. Anstatt Anwei­sun­gen zu ertei­len und For­de­run­gen zu stel­len, ist es oft­mals sinn­vol­ler, die Mit­ar­bei­ter durch den pas­sen­den Ton und ange­neh­me Füh­rungs­sti­le zu motivieren. 

Mög­lich­kei­ten für Arbeitnehmer

Pflich­ten, wel­che durch das Direk­ti­ons­recht bestimmt sind, kön­nen nicht ver­wei­gert wer­den. Soll­ten Sie den Bestim­mun­gen Ihres Chefs nicht Fol­ge leis­ten wol­len, müs­sen Sie mit einer Abmah­nung oder sogar der Kün­di­gung rechnen. 

Wenn Sie mit einer Wei­sung nicht ein­ver­stan­den sind, bie­tet es sich an, das per­sön­li­che Gespräch mit dem Arbeit­ge­ber zu suchen. Erklä­ren Sie Ihre Situa­ti­on und Gefüh­le und machen Sie deut­lich, war­um Sie den For­de­run­gen nicht nach­kom­men kön­nen oder wol­len. Ein ruhi­ger und respekt­vol­ler Ton kann Wun­der bewir­ken und mög­li­cher­wei­se den Chef umstim­men. Soll­te die offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on kei­nen Erfolg brin­gen, kön­nen Sie Ihre Optio­nen vom Arbeits­ge­richt abklä­ren lassen.

-

Bild­nach­weis: