Dis­kri­mi­nie­rung eines Stel­len­be­wer­bers – und der Scha­dens­er­satz wegen Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung

Auch das durch Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht ist als "sons­ti­ges Recht" iSv. § 823 Abs. 1 BGB aner­kannt 1. Auch sei­ne wider­recht­li­che Ver­let­zung kann dem­nach Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus­lö­sen.

Dis­kri­mi­nie­rung eines Stel­len­be­wer­bers – und der Scha­dens­er­satz wegen Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung

Aller­dings ist zu beach­ten, dass die Reich­wei­te des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts wegen sei­ner Eigen­art als Rah­men­recht nicht abso­lut fest­liegt, son­dern grund­sätz­lich erst durch eine Abwä­gung der wider­strei­ten­den grund­recht­lich geschütz­ten Belan­ge bestimmt wer­den muss.

Der Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht ist des­halb nur dann rechts­wid­rig, wenn das Schutz­in­ter­es­se des Betrof­fe­nen die schutz­wür­di­gen Belan­ge der ande­ren Sei­te über­wiegt 2.

Die Stel­len­be­wer­be­rin hat aller­dings im Hin­blick auf einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch aus § 823 Abs. 1 BGB iVm. Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG 3 kei­ne hin­rei­chen­den anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen dar­ge­legt, wenn die Arbeit­ge­be­rin sie im Aus­wahl­ver­fah­ren nicht ent­ge­gen den Vor­ga­ben des AGG benach­tei­ligt hat.

Dies gilt inso­weit, als sich die Bewer­be­rin uf ihr in Art. 15 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te ver­an­ker­tes "Recht zu arbei­ten" beruft.

Es kann dabei für das Bun­des­ar­beits­ge­richt offen­blei­ben, ob die­ses Recht ein "Recht auf Arbeit" beinhal­tet und ob ein sol­ches "Recht auf Arbeit" Teil des durch Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts ist, das als "sons­ti­ges Recht" iSv. § 823 Abs. 1 BGB aner­kannt ist; selbst wenn dies der Fall sein soll­te, stün­de der Stel­len­be­wer­be­rin kein Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 823 Abs. 1 BGB iVm. Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG zu, da es an der Wider­recht­lich­keit einer etwai­gen Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung fehlt, wenn die Arbeit­ge­be­rin unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ver­pflich­tet war, die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le mit der Stel­len­be­wer­be­rin zu beset­zen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – 8 AZR 418/​15

  1. vgl. etwa BAG 16.05.2007 – 8 AZR 709/​06, Rn. 98 mwN, BAGE 122, 304; BGH 19.05.1981 – VI ZR 273/​79, zu B II 1 b der Grün­de, BGHZ 80, 311[]
  2. vgl. etwa BGH 1.03.2016 – VI ZR 34/​15, Rn. 30, BGHZ 209, 139; 8.05.2012 – VI ZR 217/​08, Rn. 35; 24.01.2006 – XI ZR 384/​03, Rn. 107 mwN, BGHZ 166, 84[]
  3. zu die­ser Anspruchs­grund­la­ge anstel­le von § 253 Abs. 2 BGB vgl. BAG 15.09.2016 – 8 AZR 351/​15, Rn. 35[]