Dop­pel­be­fris­tung – als Kom­bi­na­ti­on als Zeit- und Zweck­be­fris­tung

Eine Dop­pel­be­fris­tung in Form einer Kom­bi­na­ti­on von Zweck- und Zeit­be­fris­tung ist grund­sätz­lich zuläs­sig 1.

Dop­pel­be­fris­tung – als Kom­bi­na­ti­on als Zeit- und Zweck­be­fris­tung

Eine kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung (Zeit­be­fris­tung) ist ver­ein­bart, wenn die Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses kalen­der­mä­ßig bestimmt ist.

Eine Zweck­be­fris­tung liegt vor, wenn das Arbeits­ver­hält­nis nicht zu einem kalen­der­mä­ßig bestimm­ten Zeit­punkt, son­dern bei Ein­tritt eines künf­ti­gen Ereig­nis­ses enden soll, wobei die Par­tei­en den Ein­tritt des künf­ti­gen Ereig­nis­ses als fest­ste­hend und nur den Zeit­punkt des Ein­tritts als unge­wiss anse­hen 2.

Bei einer auf­lö­sen­den Bedin­gung ist dem­ge­gen­über schon unge­wiss, ob das künf­ti­ge Ereig­nis, das zur Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses füh­ren soll, über­haupt ein­tre­ten wird 3.

Die Aus­le­gung der Befris­tungs­ab­re­de rich­tet sich nach den für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Aus­le­gungs­re­geln. Das äuße­re Erschei­nungs­bild der Befris­tungs­ab­re­de begrün­det eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung dafür, dass es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung iSv. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB han­delt 4. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind 5. Die Aus­le­gung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt unter­liegt einer unein­ge­schränk­ten revi­si­ons­recht­li­chen Nach­prü­fung 6.

Dem Ver­ständ­nis einer Befris­tungs­ab­re­de als Dop­pel­be­fris­tung steht nicht ent­ge­gen, dass eine Kom­bi­na­ti­on aus Zweck­be­fris­tung und kalen­der­mä­ßi­ger Höchst­be­fris­tung nach dem Vor­brin­gen der Arbeit­ge­be­rin von ihr nicht beab­sich­tigt war. Da bei­de Par­tei­en in ihrem objek­ti­ven Erklä­rungs­in­halt über­ein­stim­men­de – eine Dop­pel­be­fris­tung beinhal­ten­de – Wil­lens­er­klä­run­gen abge­ge­ben haben, muss die Arbeit­ge­be­rin ihre Erklä­rung grund­sätz­lich mit die­sem Inhalt gegen sich gel­ten las­sen.

Eine Dop­pel­be­fris­tung in Form einer Kom­bi­na­ti­on von Zweck- und Zeit­be­fris­tung ist grund­sätz­lich zuläs­sig 1. Die Befris­tungs­ver­ein­ba­rung ver­stößt nicht per se gegen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Die Kom­bi­na­ti­on einer auf­lö­sen­den Bedin­gung oder einer Zweck­be­fris­tung mit einer zeit­li­chen Höchst­be­fris­tung ent­spricht einer gebräuch­li­chen Rege­lungs­tech­nik beim Abschluss befris­te­ter oder beding­ter Arbeits­ver­trä­ge. Der Arbeit­neh­mer kann erken­nen, dass die Wirk­sam­keit der bei­den Been­di­gungs­tat­be­stän­de recht­lich getrennt zu beur­tei­len und anzu­grei­fen ist 7. Der Zeit­punkt des Ver­trags­en­des ist in Bezug auf die kalen­der­mä­ßi­ge Höchst­be­fris­tung mit dem 30.09.2014 im Arbeits­ver­trag klar und ver­ständ­lich bezeich­net.

Die Intrans­pa­renz der Befris­tungs­ab­re­de folgt im vor­lie­gen­den Fall auch nicht dar­aus, dass die Zweck­be­fris­tung mit sach­li­chem Grund, die Zeit­be­fris­tung sach­grund­los und in § 3 des Arbeits­ver­trags eine sechs­mo­na­ti­ge Pro­be­zeit unter Bezug­nah­me auf § 30 Abs. 4 Satz 1 Halbs. 2 TV‑L ver­ein­bart ist, wonach nur bei befris­te­ten Arbeits­ver­trä­gen mit sach­li­chem Grund die ers­ten sechs Mona­te als Pro­be­zeit gel­ten. Da die Rechts­grund­la­ge der Befris­tung nicht Ver­trags­in­halt gewor­den sein muss, hin­dert deren miss­ver­ständ­li­che Beschrei­bung im Arbeits­ver­trag nicht die Wirk­sam­keit der Befris­tung 8.

Es kann dahin­ste­hen, ob die ver­ein­bar­te Zweck­be­fris­tung intrans­pa­rent ist, weil der Zweck, mit des­sen Errei­chung das Arbeits­ver­hält­nis enden soll, nicht hin­rei­chend genau bezeich­net ist. Dies führ­te nicht zur Intrans­pa­renz der allein strei­ti­gen kalen­der­mä­ßi­gen Befris­tung zum 30.09.2014. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zutref­fend erkannt. Eine etwai­ge Unwirk­sam­keit der Zweck­be­fris­tung hat auf die zugleich ver­ein­bar­te Zeit­be­fris­tung kei­nen Ein­fluss. Sie führt nur dazu, dass das Arbeits­ver­hält­nis nicht bereits auf­grund der etwai­gen frü­he­ren Zweck­er­rei­chung endet, son­dern bis zu der ver­ein­bar­ten kalen­der­mä­ßig bestimm­ten Höchst­frist fort­be­steht. Ist das Arbeits­ver­hält­nis ohne­hin bis zu die­sem Zeit­punkt fort­ge­setzt wor­den, gewinnt die Zweck­be­fris­tung kei­ne Bedeu­tung 9.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 608/​15

  1. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 13; 11.09.2013 – 7 AZR 107/​12, Rn. 17[][]
  2. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 13; 29.06.2011 – 7 AZR 6/​10, Rn. 15, BAGE 138, 242[]
  3. BAG 29.06.2011 – 7 AZR 6/​10, Rn. 15, aaO[]
  4. vgl. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 15; 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 12; 25.06.2015 – 6 AZR 383/​14, Rn. 23, BAGE 152, 82[]
  5. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 16; 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 13[]
  6. BAG 14.12 2016 – 7 AZR 797/​14, Rn. 17[]
  7. BAG 19.03.2014 – 7 AZR 718/​12, Rn. 21; 19.02.2014 – 7 AZR 260/​12, Rn. 18[]
  8. vgl. BAG 29.06.2011 – 7 AZR 774/​09, Rn. 18[]
  9. BAG 13.06.2007 – 7 AZR 700/​06, Rn. 28, BAGE 123, 109; 15.08.2001 – 7 AZR 263/​00, zu B II 3 b der Grün­de, BAGE 98, 337; 10.06.1992 – 7 AZR 346/​91, zu II der Grün­de[]