Dritt­mit­tel­be­fris­tung an der Hoch­schu­le – und die feh­len­de Zustim­mung des Per­so­nal­rats

Die Hoch­schu­le kann eine Befris­tung aus per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Grün­den wegen der feh­len­den Zustim­mung des Per­so­nal­rats nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 66 Abs. 1 LPVG NW nicht auf den Sach­grund der Drit­tel­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG stüt­zen, wenn sie dem Per­so­nal­rat die­se Recht­fer­ti­gung für die Befris­tung nicht mit­ge­teilt, son­dern nur die Zustim­mung zu einer Befris­tung nach § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG begehrt hat.

Dritt­mit­tel­be­fris­tung an der Hoch­schu­le – und die feh­len­de Zustim­mung des Per­so­nal­rats

Nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LPVG NW hat der Per­so­nal­rat bei der Befris­tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen mit­zu­be­stim­men. Eine der Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats unter­lie­gen­de Maß­nah­me kann nach § 66 Abs. 1 Satz 1 LPVG NW nur mit des­sen Zustim­mung getrof­fen wer­den.

Mit § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LPVG NW hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber das Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats zuläs­si­ger­wei­se 1 über die Ein­stel­lung eines Arbeit­neh­mers hin­aus auch auf die inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erstreckt und die Ver­trags­frei­heit des Arbeit­ge­bers ein­ge­schränkt 2. Eine ohne Zustim­mung des Per­so­nal­rats ver­ein­bar­te Befris­tung ist unwirk­sam 3.

Die Zustim­mung des Per­so­nal­rats betrifft die ihm mit­ge­teil­ten Anga­ben zur Befris­tungs­dau­er und zum Befris­tungs­grund. Will der Arbeit­ge­ber bei der Ver­trags­ge­stal­tung mit dem ein­zu­stel­len­den Arbeit­neh­mer davon abwei­chen, bedarf es der erneu­ten Zustim­mung des Per­so­nal­rats nach vor­he­ri­ger Ein­lei­tung des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens. Auf einen dem Per­so­nal­rat nicht mit­ge­teil­ten Befris­tungs­grund kann der Arbeit­ge­ber eine Befris­tung nicht stüt­zen. Die ein­mal erteil­te Zustim­mung des Per­so­nal­rats zu einer Befris­tung ist kei­ne unab­hän­gig von den Befris­tungs­grün­den erteil­te Blan­ko­zu­stim­mung 4.

Die Hoch­schu­le hat dem Per­so­nal­rat den Befris­tungs­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG nicht mit­ge­teilt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Hoch­schu­le reich­te der Hin­weis auf § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG nicht aus.

Der Arbeit­ge­ber genügt zunächst sei­ner Unter­rich­tungs­pflicht, wenn für den Per­so­nal­rat der Befris­tungs­grund sei­ner Art nach hin­rei­chend deut­lich wird. Der Schutz­zweck des Mit­be­stim­mungs­rechts erfor­dert kei­ne wei­ter­ge­hen­de unauf­ge­for­der­te Begrün­dung des Sach­grun­des durch den Arbeit­ge­ber. Er ist durch die typo­lo­gi­sie­ren­de Bezeich­nung des Befris­tungs­grun­des auf die­sen fest­ge­legt. Damit ist gewähr­leis­tet, dass der Arbeit­ge­ber den Befris­tungs­grund in einer etwai­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Arbeit­neh­mer nicht gegen einen Befris­tungs­grund aus­tau­schen kann, zu dem der Per­so­nal­rat sei­ne Zustim­mung nicht erteilt hat 5. Zu die­sen Anga­ben ist der Arbeit­ge­ber auch ohne beson­de­re Auf­for­de­rung des Per­so­nal­rats ver­pflich­tet, da der Per­so­nal­rat die­se Infor­ma­tio­nen zur ord­nungs­ge­mä­ßen Wahr­neh­mung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LPVG NW benö­tigt. Die­ses Mit­be­stim­mungs­recht dient dem Schutz des Arbeit­neh­mers und soll des­sen Inter­es­se an dau­er­haf­ten arbeits­ver­trag­li­chen Bin­dun­gen Rech­nung tra­gen 6. Der Per­so­nal­rat soll prü­fen kön­nen, ob die beab­sich­tig­te Befris­tung nach den Grund­sät­zen der arbeits­ge­richt­li­chen Befris­tungs­kon­trol­le wirk­sam ist. Außer­dem soll er auch bei Vor­lie­gen einer Recht­fer­ti­gung für die Befris­tung dar­auf Ein­fluss neh­men kön­nen, ob im Inter­es­se des Arbeit­neh­mers von einer Befris­tung abge­se­hen oder wegen der dem Arbeit­neh­mer zuge­wie­se­nen Arbeits­auf­ga­ben oder der in Aus­sicht genom­me­nen Befris­tungs­grün­de eine län­ge­re Ver­trags­lauf­zeit ver­ein­bart wer­den kann 7. Die­se Grund­sät­ze fin­den auch im Gel­tungs­be­reich des WissZeitVG Anwen­dung. Aus dem Zitier­ge­bot nach § 2 Abs. 4 WissZeitVG ergibt sich nichts Gegen­tei­li­ges. Die­se Vor­schrift regelt nicht die Anfor­de­run­gen an eine ggf. erfor­der­li­che Betei­li­gung des Per­so­nal­rats.

Danach ist der Per­so­nal­rat durch die Mit­tei­lung der Hoch­schu­le, das Arbeits­ver­hält­nis sol­le nach § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG befris­tet wer­den, nicht zugleich über eine beab­sich­tig­te Befris­tung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG unter­rich­tet wor­den. § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG und § 2 Abs. 2 WissZeitVG regeln unter­schied­li­che Recht­fer­ti­gungs­tat­be­stän­de für die Befris­tung mit unter­schied­li­chen Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zun­gen. Der Per­so­nal­rat muss, um sein Mit­be­stim­mungs­recht sach­ge­recht wahr­neh­men zu kön­nen, wis­sen, ob die Befris­tung auf § 2 Abs. 1 Satz 2 WissZeitVG oder auf § 2 Abs. 2 WissZeitVG gestützt wer­den soll. Nur dann ist gewähr­leis­tet, dass er die Recht­mä­ßig­keit der Befris­tung über­prü­fen kann und dass der Arbeit­ge­ber den Recht­fer­ti­gungs­grund in einer Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Arbeit­neh­mer nicht gegen einen Recht­fer­ti­gungs­grund aus­tau­schen kann, zu dem der Per­so­nal­rat sei­ne Zustim­mung nicht erteilt hat.

Die wiss. Mit­ar­bei­te­rin war nicht nach § 1 Abs. 1 Satz 5 WissZeitVG, § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 KSchG dar­an gehin­dert, sich erst­mals in der Beru­fungs­in­stanz auf die feh­len­de Zustim­mung des Per­so­nal­rats zur Befris­tung aus Grün­den der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG zu beru­fen.

Nach § 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 6 Satz 1 KSchG kann sich der Arbeit­neh­mer, der inner­halb der drei­wö­chi­gen Kla­ge­frist des § 17 Satz 1 TzB­fG die Unwirk­sam­keit der Befris­tung gel­tend gemacht hat, zur Begrün­dung der Unwirk­sam­keit der Befris­tung bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz auch auf inner­halb der Kla­ge­frist nicht gel­tend gemach­te Grün­de beru­fen. Spä­ter ist er mit der Gel­tend­ma­chung wei­te­rer Unwirk­sam­keits­grün­de aus­ge­schlos­sen 8. Die Prä­k­lu­si­ons­wir­kung nach § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 Satz 1 KSchG tritt aller­dings nur ein, wenn das Arbeits­ge­richt sei­ner Hin­weis­pflicht nach § 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 6 Satz 2 KSchG nach­ge­kom­men ist. Wird ein der­ar­ti­ger Hin­weis nicht ein­mal in all­ge­mei­ner Form erteilt, steht § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 Satz 1 KSchG der Ein­füh­rung wei­te­rer mög­li­cher Unwirk­sam­keits­grün­de für die Befris­tung in der Beru­fungs­in­stanz nicht ent­ge­gen 9.

Danach konn­te die wiss. Mit­ar­bei­te­rin erst­mals im Beru­fungs­ver­fah­ren die feh­len­de Zustim­mung des Per­so­nal­rats zum Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 WissZeitVG gel­tend machen. Das Arbeits­ge­richt hat­te kei­nen ord­nungs­ge­mä­ßen Hin­weis nach § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 KSchG erteilt. Die Fra­ge, ob die feh­len­de Zustim­mung des Per­so­nal­rats zu einem Befris­tungs­grund ein Unwirk­sam­keits­grund iSv. § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 KSchG ist, bedarf daher kei­ner Ent­schei­dung.

Nach § 6 Satz 2 KSchG soll das Arbeits­ge­richt den Arbeit­neh­mer im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess dar­auf hin­wei­sen, dass er sich nach § 6 Satz 1 KSchG (nur) bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz zur Begrün­dung der Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung auch auf inner­halb der Kla­ge­frist nicht gel­tend gemach­te Grün­de beru­fen kann. Das Gericht genügt sei­ner Hin­weis­pflicht, wenn es auf den Rege­lungs­ge­halt des § 6 Satz 1 KSchG hin­weist 10.

Nach § 17 Satz 2 TzB­fG gilt § 6 KSchG ent­spre­chend. Dies bedeu­tet, dass das Arbeits­ge­richt den Arbeit­neh­mer dar­auf hin­wei­sen soll, dass er sich nach § 17 Satz 2 TzB­fG, § 6 Satz 1 KSchG (nur) bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz zur Begrün­dung der Unwirk­sam­keit der Befris­tung auch auf inner­halb der Kla­ge­frist nicht gel­tend gemach­te Grün­de beru­fen kann.

Danach ist das Arbeits­ge­richt sei­ner Hin­weis­pflicht nach § 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 6 Satz 2 KSchG nicht nach­ge­kom­men. Es hat ledig­lich auf § 6 KSchG hin­ge­wie­sen und den Wort­laut die­ser Vor­schrift wie­der­ge­ge­ben. Hier­aus erschließt sich nicht ohne wei­te­res, wel­che Rele­vanz dies für die Gel­tend­ma­chung der Unwirk­sam­keit einer Befris­tung haben soll.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. August 2019 – 7 AZR 563/​17

  1. vgl. etwa BAG 15.02.2006 – 7 AZR 206/​05, Rn. 16; 20.02.2002 – 7 AZR 707/​00, zu I 1 der Grün­de, BAGE 100, 311[]
  2. BAG 15.02.2006 – 7 AZR 206/​05, Rn. 16; 9.06.1999 – 7 AZR 170/​98, zu 2 a der Grün­de, BAGE 92, 36 zu § 63 Abs. 1 Nr. 4 LPVG Bran­den­burg[]
  3. BAG 21.03.2018 – 7 AZR 408/​16, Rn.20; 14.06.2017 – 7 AZR 608/​15, Rn. 38 mwN[]
  4. BAG 27.09.2000 – 7 AZR 412/​99, zu B I 3 der Grün­de; 8.07.1998 – 7 AZR 308/​97, zu 2 a der Grün­de; 13.04.1994 – 7 AZR 651/​93, zu B I der Grün­de, BAGE 76, 234[]
  5. BAG 14.06.2017 – 7 AZR 608/​15, Rn. 40; 18.07.2012 – 7 AZR 443/​09, Rn. 51, BAGE 142, 308; 10.03.2004 – 7 AZR 397/​03, zu IV 2 der Grün­de mwN[]
  6. BAG 18.04.2007 – 7 AZR 293/​06, Rn. 21[]
  7. BAG 14.06.2017 – 7 AZR 608/​15, Rn. 40; 18.04.2007 – 7 AZR 293/​06, Rn. 21; 9.06.1999 – 7 AZR 170/​98, zu 2 b der Grün­de, BAGE 92, 36[]
  8. BAG 21.03.2018 – 7 AZR 408/​16, Rn. 30; 4.05.2011 – 7 AZR 252/​10, Rn.19, BAGE 138, 9; für die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge: BAG 25.10.2012 – 2 AZR 845/​11, Rn. 35; 18.01.2012 – 6 AZR 407/​10, Rn. 12, BAGE 140, 261[]
  9. vgl. BAG 9.09.2015 – 7 AZR 190/​14, Rn. 27; 20.08.2014 – 7 AZR 924/​12, Rn. 21; 4.05.2011 – 7 AZR 252/​10, Rn.20, aaO[]
  10. BAG 18.01.2012 – 6 AZR 407/​10, Rn. 17, BAGE 140, 261[]