Ein­grup­pie­rung eines Ver­eins­be­treu­ers bei der Cari­tas

Ein Arbeit­neh­mer ist als typi­scher Ver­eins­be­treu­er nicht in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 der Richt­li­ni­en für Arbeits­ver­trä­ge in den Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des (AVR) ein­grup­piert.

Ein­grup­pie­rung eines Ver­eins­be­treu­ers bei der Cari­tas

Die ab dem 1.01.2011 neu geschaf­fe­ne Anla­ge 33 AVR ent­hält beson­de­re Rege­lun­gen für Mit­ar­bei­ter im Sozi­al- und Erzie­hungs­dienst. Die Ein­grup­pie­rung die­ser Beschäf­tig­ten erfolgt seit­dem gemäß Abschn. I Anla­ge 1 AVR nach Anhang B Anla­ge 33 AVR, wobei ua. die Anla­ge 2d AVR kei­ne Anwen­dung mehr fin­det (§ 1 Abs. 2 Satz 2 Anla­ge 33 AVR idF des Kor­rek­tur­be­schlus­ses der Bun­des­kom­mis­si­on der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on vom 31.03.2011). Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall ent­hält der Arbeits­ver­trag eine dyna­mi­sche Bezug­nah­me auf die AVR des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des, die die­sem Regel­werk des kirch­li­chen Arbeits­rechts als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung umfas­send Gel­tung ver­schafft 1. Der Arbeit­neh­mer ist als Ver­eins­be­treu­er im Sozi­al- und Erzie­hungs­dienst beschäf­tigt und unter­fällt damit dem Gel­tungs­be­reich der Anla­ge 33 AVR (§ 1 Abs. 1 Anla­ge 33 AVR, § 1 Abs. 1 Anhang D Anla­ge 33 AVR).

Die für die Ein­grup­pie­rung des Arbeit­neh­mers maß­geb­li­chen Rege­lun­gen der AVR sehen kei­ne Ver­gü­tung nach Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR vor. Hier­für wäre Vor­aus­set­zung, dass er mit Inkraft­tre­ten der Anla­ge 33 AVR im Zustän­dig­keits­be­reich der Regio­nal­kom­mis­si­on Nord­rhein-West­fa­len am 1.01.2011 auf­grund der Über­lei­tungs­be­stim­mun­gen der Anhän­ge D und E Anla­ge 33 AVR oder auf­grund sei­nes auch als Höher­grup­pie­rungs­ver­lan­gen aus­zu­le­gen­den Schrei­bens vom 21.03.2012 in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR ein­grup­piert gewe­sen wäre. Bei­des ist nicht der Fall.

Der Arbeit­neh­mer war am 1.01.2011 nicht in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR über­zu­lei­ten.

Nach § 2 Satz 1 Anhang D Anla­ge 33 AVR wer­den die Mit­ar­bei­ter so in das neue Sys­tem über­ge­lei­tet, als ob sie seit dem Zeit­punkt, seit dem sie unun­ter­bro­chen im Gel­tungs­be­reich der AVR oder im sons­ti­gen Bereich der katho­li­schen Kir­che tätig waren, nach Anla­ge 33 AVR ein­grup­piert und ein­ge­stuft wor­den wären. Anhang E Anla­ge 33 AVR ent­hält eine Zuord­nungs­ta­bel­le, in wel­cher den bis­her ein­schlä­gi­gen Ver­gü­tungs­grup­pen der Anla­ge 2d AVR die neu­en Ent­gelt­grup­pen der Anla­ge 33 AVR zuge­ord­net wer­den. Die­se Zuord­nungs­ta­bel­le regelt die Über­lei­tung kon­sti­tu­tiv und ist nicht ledig­lich eine unver­bind­li­che Arbeits­hil­fe 2. Mit der von der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on beschlos­se­nen Tabel­le soll die Über­lei­tung in die neu­en Ent­gelt­grup­pen rechts­si­cher und prak­ti­ka­bel vor­ge­nom­men wer­den kön­nen. Eine solch sche­ma­ti­sche Über­lei­tung ist mög­lich und gebo­ten, da eine Neu­be­wer­tung der ein­zel­nen Tätig­kei­ten im Rah­men der Über­lei­tung nicht erfol­gen soll. Anhang E Anla­ge 33 AVR setzt die abs­trak­te Vor­ga­be des § 2 Satz 1 Anhang D Anla­ge 33 AVR, wie sich bereits aus der Bezeich­nung "Zuord­nungs­ta­bel­le" ergibt, bezo­gen auf die Ein­grup­pie­rung mit zwin­gen­der Wir­kung um. Die indi­vi­du­el­le Ver­gü­tung der über­ge­lei­te­ten Beschäf­tig­ten in der neu­en Ent­gelt­grup­pe bestimmt sich dann nach der Besitz­stands­re­ge­lung in § 3 Anhang D Anla­ge 33 AVR sowie den Vor­ga­ben des § 2 Satz 2 und Satz 3 Anhang D Anla­ge 33 AVR zur Stu­fen­zu­ord­nung. Die­se Wah­rung des Besitz­stands ent­spricht § 2 Satz 1 Anhang D Anla­ge 33 AVR 3.

Die Zuord­nungs­ta­bel­le in Anhang E Anla­ge 33 AVR sieht eine Über­lei­tung in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR nicht vor. Die­se fin­det im alten Ver­gü­tungs­sys­tem viel­mehr kei­ne Ent­spre­chung. Aus die­sem Grund ist es irrele­vant, ob der Arbeit­neh­mer vor sei­ner Über­lei­tung in die Anla­ge 33 AVR am 1.01.2011 zutref­fend ein­grup­piert war 4.

Der Arbeit­neh­mer war eben­so wenig auf­grund eines Höher­grup­pie­rungs­ver­lan­gens in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR ein­zu­grup­pie­ren. Dabei braucht das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht zu ent­schei­den, ob ein sol­cher Höher­grup­pie­rungs­an­trag – wie ihn bei­spiels­wei­se § 2 Abs. 2 Anhang F Anla­ge 33 AVR, § 3 Abs. 1 Anhang F Anla­ge 31 AVR oder § 3 Abs. 1 Anhang G Anla­ge 32 AVR vor­se­hen – für über­ge­lei­te­te Mit­ar­bei­ter für die Zeit ihrer unver­än­der­ten Tätig­keit im Anwen­dungs­be­reich der Anhän­ge D und E Anla­ge 33 AVR aus­ge­schlos­sen ist oder ob ein sol­cher Antrag wegen der Auto­ma­tik der Ein­grup­pie­rungs­ord­nung dann noch gestellt wer­den könn­te, wenn die Tabel­le in Anhang E Anla­ge 33 AVR wie im Fall der Ent­gelt­grup­pe S 14 kei­ne Zuord­nung aus einer bestehen­den Ent­gelt­grup­pe in eine neue vor­sieht. Dann könn­te die Tabel­le inso­weit unter Umstän­den kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung ent­fal­ten. Die Tätig­keit eines typi­schen Ver­eins­be­treu­ers (§ 1897 Abs. 2 BGB), der – wie der Arbeit­neh­mer aus­weis­lich sei­ner Stel­len­be­schrei­bung – mit allen Auf­ga­ben­krei­sen im Rah­men einer recht­li­chen Betreu­ung (Gesund­heits­sor­ge, Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht, sozi­al­recht­li­che Ange­le­gen­hei­ten, Ver­mö­gens­sor­ge, Woh­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten, sons­ti­ge Wir­kungs­krei­se ent­spre­chend gericht­li­cher Bestel­lung) betraut ist und in des­sen Arbeits­all­tag nur gele­gent­lich eine Unter­brin­gung gemäß § 1906 BGB anfällt 5, unter­fällt nach dem Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on nicht der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR. Das ergibt die Aus­le­gung der maß­ge­ben­den Bestim­mun­gen der AVR.

Bereits der Wort­laut und die Sys­te­ma­tik der Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lung spre­chen dafür, dass die Tätig­keit eines typi­schen Ver­eins­be­treu­ers nach dem Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on nicht der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR unter­fällt. Ersicht­lich trifft die­ser weder Ent­schei­dun­gen noch lei­tet er Maß­nah­men ein, wie sie von der ers­ten Alter­na­ti­ve die­ser Norm ver­langt wer­den. Er übt aber auch kei­ne "gleich­wer­ti­gen" Tätig­kei­ten im Sin­ne der zwei­ten Alter­na­ti­ve der Bestim­mung aus. Im Unter­schied zur ers­ten Alter­na­ti­ve ist dafür zwar kei­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis erfor­der­lich, so dass beglei­ten­de Maß­nah­men zu einer zwangs­wei­sen Unter­brin­gung im Sin­ne einer Gefah­ren­ab­wehr genü­gen. Erfor­der­lich ist jedoch eine Initi­ie­rung der zwangs­wei­sen Unter­brin­gung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen oder die Beglei­tung einer sol­chen Unter­brin­gung in nicht uner­heb­li­chem Maß 6. Mit dem Begriff der "psy­chi­schen Krank­hei­ten" hat die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on offen­sicht­lich an die für zwangs­wei­se Unter­brin­gun­gen nach öffent­li­chen-recht­li­chen Vor­schrif­ten maß­geb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen anknüp­fen wol­len. Für den Unter­neh­mens­sitz des Arbeit­ge­bers erge­ben sich die­se Vor­aus­set­zun­gen aus dem Gesetz über Hil­fen und Schutz­maß­nah­men bei psy­chi­schen Krank­hei­ten vom 17.12 1999 des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (PsychKG NRW). Die­ses Gesetz regelt gemäß § 1 Hil­fen, Schutz­maß­nah­men und Unter­brin­gun­gen von Per­so­nen, die psy­chisch erkrankt sind, dh. nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 1 Abs. 2 an behand­lungs­be­dürf­ti­gen Psy­cho­sen oder ande­ren behand­lungs­be­dürf­ti­gen psy­chi­schen Stö­run­gen und Abhän­gig­keits­er­kran­kun­gen von ver­gleich­ba­rer Schwe­re lei­den. Mit dem Klam­mer­zu­satz des Tätig­keits­merk­mals der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR "z. B. Sozi­al­psy­chy­ia­tri­scher Dienst der ört­li­chen Stel­len der Städ­te, Gemein­den und Land­krei­se" hat die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on die­sen Wil­len ver­deut­licht. Dabei han­delt es sich nicht um ein Regel­bei­spiel, das im Anwen­dungs­be­reich der AVR nicht erfüllt wer­den könn­te und des­halb sinn­los wäre, son­dern um die Bezeich­nung eines Fach­diens­tes, der ver­deut­licht, wel­che Anfor­de­run­gen an eine gleich­wer­ti­ge Tätig­keit zu stel­len sind 7.

Nur die Beglei­tung von zwangs­wei­sen Unter­brin­gun­gen, die auf psy­chi­schen Erkran­kun­gen beru­hen, die von einer ver­gleich­ba­ren Schwe­re wie die in § 1 Abs. 2 PsychKG NRW genann­ten sind, soll also nach dem Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on gleich­wer­tig mit der Garan­ten­stel­lung der Sozi­al­ar­bei­ter und dem Schutz­auf­trag des Jugend­am­tes sein, die die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Alt. 1 Anhang B Anla­ge 33 AVR recht­fer­ti­gen. Die zivil­recht­li­che Unter­brin­gung nach § 1906 BGB, die typi­schen Ver­eins­be­treu­ern wie dem Arbeit­neh­mer obliegt, bezieht sich jedoch nicht nur auf die in Ent­gelt­grup­pe S 14 Alt. 2 Anhang B Anla­ge 33 AVR genann­ten psy­chi­schen Erkran­kun­gen, son­dern auch auf Situa­tio­nen, denen eine geis­ti­ge oder see­li­sche Behin­de­rung zugrun­de liegt. Bereits des­halb ist das Initi­ie­ren oder Beglei­ten der­ar­ti­ger Unter­brin­gun­gen nicht gleich­wer­tig mit den von der Ent­gelt­grup­pe S 14 Alt. 1 Anhang B Anla­ge 33 AVR erfass­ten Tätig­kei­ten. Ohne­hin bezweckt die Tätig­keit eines typi­schen Ver­eins­be­treu­ers, der das gesam­te Spek­trum der mög­li­chen Betreu­ungs­auf­ga­ben nach §§ 1896 ff. BGB abdeckt, die Hil­fe­leis­tung zur Füh­rung eines selbst­be­stimm­ten Lebens. Sie ist dar­auf gerich­tet, zwangs­wei­se Unter­brin­gun­gen gera­de zu ver­hin­dern und nicht, die­se regel­mä­ßig oder stän­dig ein­zu­lei­ten. Auch des­halb neh­men die typi­schen Ver­eins­be­treu­er nach dem erkenn­ba­ren Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on kei­ne sol­che Garan­ten­stel­lung ein, wie sie die zwei­te Alter­na­ti­ve der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR vor­aus­setzt. Ob dies bei einem Ver­eins­be­treu­er, dem durch den Arbeit­ge­ber aus­schließ­lich Auf­ga­ben nach § 1906 BGB über­tra­gen sind, ggf. anders zu beur­tei­len ist, braucht das Bun­des­ar­beits­ge­richt vor­lie­gend nicht zu ent­schei­den.

Das Wort­laut­ver­ständ­nis wird durch den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang mit der in Anhang E Anla­ge 33 AVR ent­hal­te­nen Zuord­nungs­ta­bel­le bestä­tigt. Die­se sieht für die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR kei­ne Ent­spre­chung im bis­he­ri­gen Ver­gü­tungs­grup­pen­sys­tem der Anla­ge 2d AVR vor. Damit hat die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on ihre Über­zeu­gung zum Aus­druck gebracht, dass es in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich grund­sätz­lich bis­her kei­ne Mit­ar­bei­ter gibt, die nach der Über­lei­tung in die Anla­ge 33 AVR nach der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR ver­gü­tet wer­den soll­ten. Ins­be­son­de­re war die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on offen­kun­dig der Ansicht, dass der typi­sche Ver­eins­be­treu­er, der – wie der Arbeit­neh­mer – mit allen Auf­ga­ben­krei­sen im Rah­men recht­li­cher Betreu­un­gen betraut ist, die das gan­ze Spek­trum der mög­li­chen Betreu­ungs­auf­ga­ben nach §§ 1896 ff. BGB abde­cken, und nur gele­gent­lich Unter­brin­gun­gen nach § 1906 BGB wahr­nimmt, nicht die Anfor­de­run­gen einer Ver­gü­tung nach der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR erfüllt.

Gegen die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis kann ent­ge­gen der Annah­me des Arbeit­neh­mers nicht ange­führt wer­den, dass in der Zuord­nungs­ta­bel­le in Anhang E Anla­ge 33 AVR für die Ver­gü­tungs­grup­pen 2 mit Auf­stieg nach 1b, 1b, 1b mit Auf­stieg nach 1a und 1a der Anla­ge 2d AVR, die ins­be­son­de­re Mit­ar­bei­ter in Lei­tungs­funk­tio­nen betref­fen, aus­drück­lich gere­gelt ist, dass kei­ne Über­lei­tung in die Anla­ge 33 AVR erfolgt. Die­se Mit­ar­bei­ter fal­len nicht in den Gel­tungs­be­reich der Anla­ge 33 AVR, son­dern ver­blei­ben wei­ter­hin in der Anla­ge 2d AVR (Gel­tungs­be­reich Anla­ge 2d AVR). Dem­ge­gen­über wer­den die typi­schen Ver­eins­be­treu­er vom Gel­tungs­be­reich der Anla­ge 33 AVR erfasst und nach dem Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on gemäß der Zuord­nungs­ta­bel­le in Anhang E Anla­ge 33 AVR in die­se Anla­ge über­ge­lei­tet. Das geschieht aller­dings nicht in die vom Arbeit­neh­mer ange­nom­me­ne Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR, son­dern in die Ent­gelt­grup­pe S 12.

Unter­stützt wird das dar­ge­stell­te Ver­ständ­nis der AVR durch den Umstand, dass die­se durch­aus Antrags­rech­te ken­nen. Sol­che fin­den sich bei­spiels­wei­se in § 2 Abs. 2 Anhang F Anla­ge 33 AVR, § 3 Abs. 1 Anhang F Anla­ge 31 AVR oder § 3 Abs. 1 Anhang G Anla­ge 32 AVR. Das Feh­len eines sol­chen Antrags­rechts in den Anhän­gen D und E Anla­ge 33 AVR lässt auf den Wil­len der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on schlie­ßen, die zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich vor­han­de­ne Tätig­keit des typi­schen Ver­eins­be­treu­ers nicht nach Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR bewer­ten zu wol­len. Mit dem Arbeit­neh­mer kann auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Mög­lich­keit einer Höher­grup­pie­rung nur auf Antrag, die es dem Mit­ar­bei­ter über­lässt, jeweils im Ein­zel­fall vor Antrag­stel­lung zu prü­fen, ob dies finan­zi­ell güns­tig oder nach­tei­lig ist, im Anwen­dungs­be­reich des Anhangs D Anla­ge 33 AVR auf­grund der Besitz­stands­re­ge­lung in § 3 Anhang D Anla­ge 33 AVR nicht erfor­der­lich war. Bei­den liegt eine unter­schied­li­che Ziel­rich­tung zugrun­de. Wäh­rend die Besitz­stands­re­ge­lung dem Mit­ar­bei­ter ein vor­he­ri­ges Mehr an Ent­gelt auch nach der Über­lei­tung bewah­ren soll, führt eine Höher­grup­pie­rung auf Antrag in die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR typi­scher­wei­se zu einer nach­fol­gen­den Ent­gelt­meh­rung.

Die Annah­me, dass die Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR nicht die typi­schen Ver­eins­be­treu­er erfasst, führt ent­ge­gen der Ansicht des Arbeit­neh­mers nicht dazu, dass die­se Ent­gelt­grup­pe sinn­ent­leert wäre, weil es im Bereich der Cari­tas kei­ne Tätig­kei­ten nach dem PsychKG NRW gibt. Die Rege­lung ist viel­mehr als "Vor­rats­re­ge­lung" für den Fall anzu­se­hen, dass sich zukünf­tig Tätig­kei­ten oder Tätig­keits­zu­schnit­te erge­ben, die die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR erfül­len. In Ver­bin­dung mit der Zuord­nungs­ta­bel­le in Anhang E Anla­ge 33 AVR wird deut­lich, dass nach der Vor­stel­lung der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on am Über­lei­tungs­stich­tag kei­ne Mit­ar­bei­ter vor­han­den waren, deren Tätig­kei­ten mit der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR ver­gü­tet wer­den sol­len. Das gilt auch für die typi­schen Ver­eins­be­treu­er wie den Arbeit­neh­mer.

An die­sem Aus­le­gungs­er­geb­nis bestehen kei­ne Zwei­fel im Sin­ne des § 305c Abs. 2 BGB. Es kann daher unent­schie­den blei­ben, ob die­se Unklar­hei­ten­re­gel bei der nach tarif­li­chen Maß­stä­ben vor­zu­neh­men­den Aus­le­gung kirch­li­cher Arbeits­rechts­re­ge­lun­gen über­haupt zur Anwen­dung kom­men kann 8.

Durch die­se Bestim­mung des Anwen­dungs­be­reichs der Ent­gelt­grup­pe S 14 Anhang B Anla­ge 33 AVR hat die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on die Gren­zen ihrer Rege­lungs­macht nicht über­schrit­ten. Ihr kommt – wie jedem Norm­ge­ber – eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve zu. Es ist nicht Sache der Gerich­te zu prü­fen, ob jeweils die gerech­tes­te oder zweck­mä­ßigs­te Rege­lung gefun­den wur­de 9.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. März 2019 – 6 AZR 90/​18

  1. BAG 18.10.2018 – 6 AZR 550/​17, Rn. 22[]
  2. BAG 18.10.2018 – 6 AZR 550/​17, Rn. 24 mwN[]
  3. BAG 18.10.2018 – 6 AZR 550/​17 – aaO[]
  4. zur Mög­lich­keit der Kor­rek­tur einer vor der Über­lei­tung feh­ler­haf­ten Ein­grup­pie­rung BAG 18.10.2018 – 6 AZR 550/​17, Rn. 27[]
  5. zum Tätig­keits­zu­schnitt eines Ver­eins­be­treu­ers vgl. auch BAG 20.03.1996 – 4 AZR 967/​94, zu II 3 c bb der Grün­de, BAGE 82, 252[]
  6. vgl. zur inhalts­glei­chen Ent­gelt­grup­pe S 14 TVöD (VKA) BAG 13.11.2013 – 4 AZR 53/​12, Rn. 35 ff.[]
  7. vgl. BAG 13.11.2013 – 4 AZR 53/​12, Rn. 32[]
  8. vgl. BAG 18.10.2018 – 6 AZR 550/​17, Rn. 39[]
  9. BAG 19.04.2012 – 6 AZR 677/​10, Rn. 31 mwN[]