Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Eine – all­ge­mein übli­che – Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist zuläs­sig [1], ins­be­son­de­re besteht für sie das nach § 256 Abs. 1 ZPO erfor­der­li­che Feststellungsinteresse.

Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Durch die Ent­schei­dung über den Antrag wird der Streit der Par­tei­en ins­ge­samt berei­nigt. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn über wei­te­re Ver­gü­tungs­fak­to­ren kein Streit (mehr) besteht. Besteht dage­gen auch Streit um die (tarif­li­che) Stu­fen­zu­ord­nung, ist im Fest­stel­lungs­an­trag die kon­kre­te Stu­fe zu benen­nen [2].

Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist auch nicht teil­wei­se des­halb ent­fal­len, weil die Klä­ge­rin ihre Beru­fung hin­sicht­lich der Leis­tungs­an­trä­ge für den Zeit­raum von Febru­ar bis Sep­tem­ber 2018 auf einen Fest­stel­lungs­an­trag umge­stellt hat. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg [3] han­delt es sich nicht um eine teil­wei­se Beru­fungs­rück­nah­me. Eine sol­che hät­te zur Fol­ge gehabt, dass hin­sicht­lich der nicht (mehr) ange­grif­fe­nen Tei­le der Ent­schei­dung des Arbeits­ge­richts Rechts­kraft ein­ge­tre­ten wäre [4]. Der Wech­sel vom Leis­tungs- zum Fest­stel­lungs­an­trag ändert bei unver­än­der­tem Sach­ver­halt und Kla­ge­grund jedoch nicht den Streit­ge­gen­stand. Es liegt ledig­lich eine – qua­li­ta­ti­ve – Beschrän­kung des Kla­ge­an­trags ohne Ände­rung des Kla­ge­grun­des iSd. § 264 Nr. 2 ZPO vor [5]. Daher hat sich durch die Antrags­än­de­rung nicht der Umfang der Beru­fung geändert.

Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se besteht auch für die gegen­über der Haupt­for­de­rung akzes­so­ri­schen Zins­for­de­run­gen [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2020 – 4 AZR 195/​20

  1. st. Rspr., etwa BAG 12.12.2018 – 4 AZR 147/​17, Rn. 15, BAGE 164, 326[]
  2. vgl. BAG 27.08.2014 – 4 AZR 518/​12, Rn. 15; 17.10.2007 – 4 AZR 1005/​06, Rn. 15, BAGE 124, 240[]
  3. LAG Ber­lin-Bran­den­burg 12.02.2020 – 15 Sa 1260/​19[]
  4. vgl. BGH 25.09.2007 – X ZR 60/​06, Rn. 10, BGHZ 173, 374[]
  5. BAG 14.09.2016 – 4 AZR 456/​14, Rn. 15; 13.02.2007 – 9 AZR 207/​06, Rn. 11, BAGE 121, 182[]
  6. BAG 13.05.2015 – 4 AZR 355/​13, Rn. 9 mwN[]

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