Eini­gungs­stel­le – und der Ver­gü­tungs­an­spruch des Bei­sit­zers

§ 76a Abs. 3 Satz 1 BetrVG begrün­det einen unmit­tel­ba­ren gesetz­li­chen ‚Anspruch des Vor­sit­zen­den und der betriebs­frem­den Bei­sit­zer auf Ver­gü­tung ihrer Tätig­keit in der Eini­gungs­stel­le, ohne dass dies beson­ders ver­ein­bart wer­den müss­te.

Eini­gungs­stel­le – und der Ver­gü­tungs­an­spruch des Bei­sit­zers

Der Anspruch ent­steht mit der Bestel­lung des Vor­sit­zen­den oder des betriebs­frem­den Bei­sit­zers durch den Betriebs­rat, ohne dass es einer ent­spre­chen­den Mit­tei­lung an den Arbeit­ge­ber oder gar des­sen Geneh­mi­gung bedürf­te [1].

oraus­set­zung für die Ent­ste­hung des Ver­gü­tungs­an­spruchs ist die rechts­wirk­sa­me Bestel­lung, was bei einem vom Betriebs­rat bestell­ten Bei­sit­zer einen wirk­sa­men Betriebs­rats­be­schluss vor­aus­setzt [2].

Dem Ver­gü­tungs­an­spruch steht auch nicht ent­ge­gen, dass auf Sei­ten des Betriebs­rats bereits ein Rechts­an­walt zum außer­be­trieb­li­chen Bei­sit­zer der Eini­gungs­stel­le bestellt wur­de. Der Betriebs­rat kann meh­re­re hono­rar­be­rech­tig­te Bei­sit­zer benen­nen. Auch einem vom Betriebs­rat als Bei­sit­zer bestell­ten haupt­amt­li­chen Gewerk­schafts­funk­tio­när steht der gesetz­li­che Ver­gü­tungs­an­spruch zu [2].

Der Hono­rar­an­spruch des vom Betriebs­rat bestell­ten außer­be­trieb­li­chen Bei­sit­zers einer Eini­gungs­stel­le folgt aus § 76 a Abs. 3, Abs. 4 Satz 3 bis 5 BetrVG. Danach sind ins­be­son­de­re der erfor­der­li­che Zeit­auf­wand, die Schwie­rig­keit der Strei­tig­keit sowie ein Ver­dienst­aus­fall zu berück­sich­ti­gen, § 76 a Abs. 4 Satz 3 BetrVG. Gemäß § 76 a Abs. 4 Satz 4 BetrVG ist die Ver­gü­tung des Bei­sit­zers nied­ri­ger zu bemes­sen als die des Vor­sit­zen­den. Bei der Fest­set­zung der Höchst­sät­ze ist den berech­tig­ten Inter­es­sen der Mit­glie­der der Eini­gungs­stel­le und des Arbeit­ge­bers Rech­nung zu tra­gen (§ 76 a Abs. 4 Satz 5 BetrVG).

Die Hono­rar­hö­he eines vom Betriebs­rat bestell­ten Bei­sit­zers muss dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sowie bil­li­gem Ermes­sen (§ 315 BGB) ent­spre­chen. Sie muss sich in einer ver­nünf­ti­gen und ange­mes­se­nen Rela­ti­on zu dem Hono­rar des Vor­sit­zen­den hal­ten. Grund­sätz­lich ent­spricht dabei ein Hono­rar von 7/​10 des dem Vor­sit­zen­den der Eini­gungs­stel­le durch den Arbeit­ge­ber zuge­sag­ten oder gezahl­ten Hono­rars bil­li­gem Ermes­sen. Ein gegen­über dem Vor­sit­zen­den­ho­no­rar um 3/​10 gerin­ge­res Bei­sit­zer­ho­no­rar trägt dem Umstand Rech­nung, dass der Vor­sit­zen­de einer Eini­gungs­stel­le im Ver­hält­nis zu den Bei­sit­zern wei­ter­ge­hen­de Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men hat. Ihm oblie­gen ins­be­son­de­re die Ver­hand­lungs­füh­rung, die Abfas­sung der Sit­zungs­pro­to­kol­le sowie die Begrün­dung eines von der Eini­gungs­stel­le gefäll­ten Spruchs. Das Ver­hält­nis von 7/​10 ent­spricht grund­sätz­lich bil­li­gem Ermes­sen, denn es kommt dar­in eine sach­ge­rech­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Bemes­sung der Ver­gü­tung zum Aus­druck. Die Anknüp­fung des Bei­sit­zer­ho­no­rars an das Hono­rar des Vor­sit­zen­den kann aller­dings bil­li­gem Ermes­sen wider­spre­chen, wenn der Vor­sit­zen­de sei­ner­seits ein unan­ge­mes­sen nied­ri­ges Hono­rar ent­hält [3] oder beson­ders zu berück­sich­ti­gen­de indi­vi­du­el­le Umstän­de vor­lie­gen [4]. Durch die Ein­füh­rung des § 76a BetrVG woll­te der Gesetz­ge­ber vor allem über­höh­te Ver­gü­tun­gen aus­schlie­ßen, die in Anleh­nung an die BRAGO berech­net wur­den und die in kei­nem Ver­hält­nis zum Arbeits- und Zeit­auf­wand stan­den. Die Pau­scha­lie­rung von Kos­ten bei der Hono­rar­be­rech­nung ent­spricht einem prak­ti­schen Bedürf­nis und trägt dazu bei, die Kos­ten von Eini­gungs­stel­len über­schau­bar zu hal­ten [5]. Auch wenn ein Gewerk­schafts­funk­tio­när als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer im Zusam­men­hang mit der Eini­gungs­stel­le Bera­tungs- und Vor­be­rei­tungs­tä­tig­kei­ten ent­fal­tet, gehö­ren die­se Tätig­kei­ten zu sei­ner Tätig­keit als Eini­gungs­stel­len­bei­sit­zer und wer­den von der dafür zuste­hen­den Ver­gü­tung mit umfasst. Eine vom Regel­fall abwei­chen­de Bemes­sung des Bei­sit­zer­ho­no­rars recht­fer­tigt sich nicht schon dar­aus, dass der Bei­sit­zer in sei­nem Haupt­be­ruf Gewerk­schafts­funk­tio­när ist und aus die­ser Tätig­keit lau­fen­de Ver­gü­tungs­an­sprü­che hat [6]. Als Bei­sit­zer in der Eini­gungs­stel­le wird der Gewerk­schafts­funk­tio­när, anders als etwa bei sei­nem Auf­tre­ten als Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ter vor der Eini­gungs­stel­le, nicht in sei­ner Eigen­schaft als Gewerk­schafts­funk­tio­när tätig, son­dern neben­be­ruf­lich als beson­de­re sach­kun­di­ge Ver­trau­ens­per­son des Betriebs­rats [7].

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – 5 TaBV 45/​15

  1. BAG, Beschluss vom 24.04.1996 – 7 ABR 40/​95; BAG, Beschluss vom 14.02.1996 – 7 ABR 24/​95; Fit­ting, BetrVG, 27. Aufl., Rn. 14 zu § 76a; ErfK/​Kania, 16. Aufl., Rn. 4 zu § 76a BetrVG[]
  2. BAG, Beschluss vom 24.04.1996 – 7 ABR 40/​95[][]
  3. BAG, Beschluss vom 20.02.1991 – 7 ABR 6/​90, Rn. 21[]
  4. BAG, Beschluss vom 12.02.1992 – 7 ABR 20/​91, Rn. 22, juris; Fit­ting, 26. Auf­la­ge, Rn. 25 a zu § 76 a BetrVG Rn. 25 a f. m. w. N.[]
  5. BAG, Beschluss vom 14.02.1996 – 7 ABR 24/​95, Rn. 21[]
  6. vgl. BAG, Beschluss vom 20.02.1991 – 7 ABR 78/​89, Rn. 23[]
  7. BAG, Beschluss vom 20.02.1991 – 7 ABR 6/​90, Rn. 23, juris; LAG Köln, Beschluss vom 29.10.2014 – 11 TaBV 30/​14, Rn. 17[]