Ein­mal­zah­lun­gen von ERA-Struk­tur­kom­po­nen­ten ohne Tarif­ge­bun­den­heit

Die Inhalts­nor­men über Ent­gel­te der ERA-Tarif­ver­trä­ge ein­schließ­lich der über die Struk­tur­kom­po­nen­te nach den TV ERA-SK 2008/​2009 kön­nen auf­grund einer arbeits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel auf die tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen in einem ein­zel­nen Arbeits­ver­hält­nis zur Anwen­dung kom­men.

Ein­mal­zah­lun­gen von ERA-Struk­tur­kom­po­nen­ten ohne Tarif­ge­bun­den­heit

Die Ent­geltre­ge­lun­gen der ERA-Tarif­ver­trä­ge ein­schließ­lich der TV ERA-SK 2008 und 2009 gel­ten bei feh­len­der Tarif­ge­bun­den­heit zwar nicht nor­ma­tiv (§ 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG) für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en, fin­den dar­in aber auf­grund der ver­trag­li­chen Bezug­nah­me­re­ge­lung des Arbeits­ver­trags Anwen­dung. Das ergibt die Aus­le­gung die­ser Bezug­nah­me­re­ge­lung [1], die vom Revi­si­ons­ge­richt unein­ge­schränkt über­prüft oder selbst vor­ge­nom­men wer­den kann [2].

Mit der Bezug­nah­me­klau­sel im Arbeits­ver­trag sind nach ihrem Inhalt und typi­schen Sinn die dar­in bezeich­ne­ten Tarif­ver­trä­ge der Metall­in­dus­trie dyna­misch ein­be­zo­gen.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist bei Bezug­nah­me in einem Arbeits­ver­trag auf Tarif­ver­trä­ge einer bestimm­ten Bran­che, einen bestimmt benann­ten Tarif­ver­trag oder einen Teil davon und bei Feh­len ande­rer ein­deu­ti­ger Hin­wei­se, die für eine sta­ti­sche Bezug­nah­me spre­chen, regel­mä­ßig anzu­neh­men, die jewei­li­ge Fas­sung sol­le Anwen­dung fin­den [3]. So ist eine feh­len­de Anga­be einer kon­kret nach Datum fest­ge­leg­ten Fas­sung des in Bezug genom­me­nen Tarif­ver­trags als dyna­mi­sche Ver­ein­ba­rung zu ver­ste­hen [4]. Einer aus­drück­li­chen „Jewei­lig­keits-Klau­sel“ bedarf es nicht [5].

Man­gels aus­rei­chen­der Anhalts­punk­te, die für eine ver­ein­bar­te sta­ti­sche Inbe­zug­nah­me spre­chen – wie etwa eine kon­kret nach Datum benann­te Tarif­ver­trags­fas­sung -, ist die in § 1 des Arbeits­ver­trags der Par­tei­en ver­ein­bar­te Bezug­nah­me­re­ge­lung als dyna­mi­sche Ver­wei­sung zu ver­ste­hen. Dafür spricht iÜ auch die prak­ti­sche Durch­füh­rung des bis­he­ri­gen Arbeits­ver­hält­nis­ses. Die Par­tei­en haben ihr Arbeits­ver­hält­nis ent­spre­chend der Dyna­mik der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen voll­zo­gen und Ände­run­gen im nor­ma­ti­ven Bereich ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses jeweils umge­setzt.

Die Dyna­mik der Bezug­nah­me­klau­sel des Arbeits­ver­trags erfasst die Ent­geltre­ge­lun­gen des ERA-TV und die der ihn beglei­ten­den wei­te­ren Tarif­ver­trä­ge der Metall­in­dus­trie Baden-Würt­tem­berg, dar­un­ter die der TV ERA-SK 2008 und 2009.

Die Bezug­nah­me­klau­sel in § 1 des Arbeits­ver­trags ver­weist auf die Tarif­ver­trä­ge der Metall­in­dus­trie in Nordwürttemberg/​Nordbaden. Damit sind bereits nach ihrem Wort­laut alle Tarif­ver­trä­ge erfasst, die von den Tarif­ver­trags­par­tei­en für das gesam­te Tarif­ge­biet der Metall­in­dus­trie Baden-Würt­tem­berg ein­schließ­lich der Regi­on Nordwürttemberg/​Nordbaden abge­schlos­sen wer­den. Das stellt die Beklag­te nicht in Abre­de.

Dazu gehö­ren auch die baden-würt­tem­ber­gi­schen ERA-Tarif­ver­trä­ge. Dies gilt umso mehr, als der Arbeits­ver­trag am 6.10.2003, also zu einem Zeit­punkt abge­schlos­sen wur­de, zu dem der ERA-TV vom 16.09.2003 und die ihn ergän­zen­den Tarif­ver­trä­ge bereits ver­ein­bart wor­den waren. Gleich­wohl haben die Arbeits­ver­trags­par­tei­en eine ein­schrän­kungs­los for­mu­lier­te Ver­wei­sungs­klau­sel ver­ein­bart.

Die Bezug­nah­me­klau­sel in § 1 des Arbeits­ver­trags erfasst auch die Ent­geltre­ge­lun­gen der ERA-Tarif­ver­trä­ge in Baden-Würt­tem­berg. Aus § 1 des Arbeits­ver­trags und der dar­in ent­hal­te­nen For­mu­lie­rung – „soweit unten nichts ande­res ver­ein­bart“ – ergibt sich kei­ne Ein­schrän­kung der Bezug­nah­me hin­sicht­lich des Ent­gelts. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten han­delt es sich bei der Rege­lung des § 4 des Arbeits­ver­trags nicht um eine spe­zi­el­le Ver­gü­tungs­re­ge­lung, der Vor­rang vor der Bezug­nah­me in § 1 des Arbeits­ver­trags zukä­me. Die­se ver­trag­li­che Rege­lung schränkt die Bezug­nah­me­klau­sel in § 1 des Arbeits­ver­trags in kei­ner Wei­se ein; ihre For­mu­lie­run­gen – „als Ver­gü­tung für sei­ne Tätig­keit erhält Herr K ein Monats­ge­halt mit fol­gen­der Auf­glie­de­rung“ und „Tarif­ge­halt nach Tarif­grup­pe T 6/​1“ – stel­len vor­lie­gend eine in einem For­mu­lar­ar­beits­ver­trag durch­aus übli­che Infor­ma­ti­on für den Arbeit­neh­mer zu den bei Ver­trags­ab­schluss maß­ge­ben­den Ent­gelt­be­trä­gen dar, der auf­grund des übri­gen Ver­trags­in­halts kein eigen­stän­di­ger Rege­lungs­ge­halt zukommt [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Juni 2013 – 4 AZR 970/​11

  1. zu den Maß­stä­ben der Aus­le­gung einer sol­chen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung BAG 12.12.2012 – 4 AZR 65/​11, Rn. 18; 19.05.2010 – 4 AZR 796/​08, Rn. 15, BAGE 134, 283[]
  2. vgl. nur BAG 12.12.2012 – 4 AZR 65/​11, Rn. 18; 30.08.2000 – 4 AZR 581/​99, zu I 1 b der Grün­de mwN, BAGE 95, 296[]
  3. BAG 23.03.2011 – 10 AZR 831/​09, Rn. 16; 10.11.2010 – 5 AZR 633/​09, Rn. 13; 16.12.2009 – 5 AZR 888/​08, Rn. 14; 13.11.2002 – 4 AZR 351/​01, zu III 1 b bb der Grün­de, BAGE 103, 338[]
  4. zB BAG 12.12.2012 – 4 AZR 65/​11, Rn. 25; 17.01.2006 – 9 AZR 41/​05, Rn. 30 mwN, BAGE 116, 366[]
  5. BAG 20.04.2012 – 9 AZR 504/​10, Rn. 26 mwN[]
  6. vgl. ua. BAG 9.11.2005 – 5 AZR 128/​05, Rn.19 mwN, BAGE 116, 185; 13.11.2002 – 4 AZR 351/​01, BAGE 103, 338[]