Ener­gie­ver­brauchs­kos­ten als Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung

Sieht eine Betriebs­ver­ein­ba­rung die Erstat­tung von Ener­gie­ver­brauchs­kos­ten an Betriebs­rent­ner vor, kann es sich um eine Leis­tung der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung han­deln. Ist dies der Fall und sol­len die Leis­tun­gen durch spä­te­re Betriebs­ver­ein­ba­run­gen gegen­über Ver­sor­gungs­emp­fän­gern geschmä­lert oder aus­ge­schlos­sen wer­den, ist dies – unge­ach­tet der Fra­ge, ob den Betriebs­par­tei­en für Betriebs­rent­ner über­haupt eine Rege­lungs­kom­pe­tenz zusteht – nur unter Beach­tung der Grund­sät­ze des Ver­trau­ens­schut­zes und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zuläs­sig.

Ener­gie­ver­brauchs­kos­ten als Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung

In einem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit galt bei der Beklag­ten, einem kom­mu­na­len Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, eine Betriebs­ver­ein­ba­rung aus dem Jah­re 1969, die für die akti­ven Beleg­schafts­mit­glie­der und die Betriebs­rent­ner einen Preis­nach­lass für den Bezug von Gas und Strom sowie die Über­nah­me der Kos­ten für Fern­wär­me von Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, die der all­ge­mei­nen Ver­sor­gung die­nen, in Höhe von 50% der Ver­brauchs­kos­ten vor­sah. Im Jah­re 2001 schlos­sen die Beklag­te und der Betriebs­rat eine Betriebs­ver­ein­ba­rung, wonach die Ener­gie­kos­ten­er­stat­tung für die akti­ven Beschäf­tig­ten auf maxi­mal 511,00 € und für die Ver­sor­gungs­emp­fän­ger auf maxi­mal 358,00 € jähr­lich beschränkt wur­de. Im März 2006 ver­ein­bar­ten die Beklag­te und der Betriebs­rat, dass die 2001 geschlos­se­ne Betriebs­ver­ein­ba­rung nur noch bis Ende Dezem­ber 2006 gül­tig und die Ener­gie­kos­ten­er­stat­tung auf Ver­brauchs­zeit­räu­me bis Ende Dezem­ber 2006 begrenzt sein soll­te.

Der Klä­ger, der unter Gel­tung der im Jahr 1969 geschlos­se­nen Betriebs­ver­ein­ba­rung bei der Beklag­ten aus­ge­schie­den ist und seit­dem eine Betriebs­ren­te bezieht, hat mit sei­ner Kla­ge die Erstat­tung sei­ner Ener­gie­kos­ten auf der Grund­la­ge der Betriebs­ver­ein­ba­rung von 1969 auch für die Zeit ab Janu­ar 2008 gel­tend gemacht. Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat sie auf die Beru­fung der Arbeit­ge­be­rin abge­wie­sen1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers war nun vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt erfolg­reich.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat es offen gelas­sen, ob den Betriebs­par­tei­en eine Rege­lungs­kom­pe­tenz auch gegen­über den Betriebs­rent­nern zukommt. Bei der antei­li­gen Über­nah­me der Ener­gie­ver­brauchs­kos­ten auf Grund der Betriebs­ver­ein­ba­rung von 1969 han­delt es sich um Leis­tun­gen der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung, in die nur unter Beach­tung der Grund­sät­ze des Ver­trau­ens­schut­zes und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ein­ge­grif­fen wer­den durf­te. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lagen nicht vor.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Dezem­ber 2010 – 3 AZR 799/​08

  1. LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 26.06.2008 – 11 Sa 450/​08 []