Ent­gan­ge­ner Gewinn – und die Scha­dens­er­satz­pflicht des Arbeit­neh­mers

Ein Arbeit­neh­mer haf­tet sei­nem Arbeit­ge­ber aus uner­laub­ter Hand­lung nicht auf Ersatz ent­gan­ge­ner Pro­vi­si­ons­an­sprü­che, es sei denn, sei­ne Hand­lun­gen sind unmit­tel­bar gegen den Betrieb des Arbeit­ge­bers gerich­tet.

Ent­gan­ge­ner Gewinn – und die Scha­dens­er­satz­pflicht des Arbeit­neh­mers

Der geschä­dig­te Arbeit­ge­ber hat hier­auf kei­nen Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB.

Bei einem – vom Arbeit­ge­ber behaup­te­ter – ent­gan­ge­nen Gewinn in Form ent­gan­ge­ner Pro­vi­sio­nen (hier: aus sei­ner Ver­trags­be­zie­hung mit einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft) han­delt es sich um einen rei­nen Ver­mö­gens­scha­den [1]. Rei­ne Ver­mö­gens­schä­den fal­len weder unter den Begriff des Eigen­tums, noch gehö­ren sie als sol­che zu den durch § 823 Abs. 1 BGB geschütz­ten abso­lu­ten Rech­ten [2].

Der Arbeit­neh­mer ist dem Arbeit­ge­ber auch nicht nach § 823 Abs. 1 BGB wegen eines Ein­griffs in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb des Arbeit­ge­bers zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet.

Zwar ist das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb als sons­ti­ges Recht iSv. § 823 Abs. 1 BGB aner­kannt [3]. Aller­dings gewährt § 823 Abs. 1 BGB gegen eine Beein­träch­ti­gung des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb nur dann Schutz, wenn die Stö­rung einen unmit­tel­ba­ren Ein­griff in den gewerb­li­chen Tätig­keits­kreis dar­stellt, mit­hin betriebs­be­zo­gen ist [4].

Das Fehl­ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers stellt kei­nen unmit­tel­bar betriebs­be­zo­ge­nen Ein­griff in den Gewer­be­be­trieb des Arbeit­ge­bers dar, wenn sich die Scha­dens­ma­ni­pu­la­tio­nen und das sons­ti­ge Fehl­ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers nicht unmit­tel­bar gegen den Betrieb des Arbeit­ge­bers rich­te­ten. Sie stel­len in die­sem Fall kei­nen unmit­tel­ba­ren Ein­griff in den gewerb­li­chen Tätig­keits­kreis des Arbeit­ge­bers dar.

Auch Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Arbeit­ge­bers aus § 823 Abs. 2 BGB iVm. einem Schutz­ge­setz schei­den in die­sem Fall aus.

Der Arbeit­neh­mer hat durch sein Ver­hal­ten kein zuguns­ten des Arbeit­ge­bers bestehen­des Schutz­ge­setz iSv. § 823 Abs. 2 BGB ver­letzt. Soweit der Arbeit­neh­mer Schä­den und Rech­nun­gen mani­pu­liert, unzu­läs­si­ge Pro­vi­sio­nen kas­siert und zur Regu­lie­rung ver­meint­li­cher Schä­den geleis­te­te Zah­lun­gen der P Ver­si­che­rung selbst ver­ein­nahmt hat, kommt zwar eine Straf­bar­keit des Arbeit­neh­mern wegen Betru­ges nach § 263 StGB sowie ggf. wegen Untreue nach § 266 StGB in Betracht. Die nach § 263 StGB erfor­der­li­che Ver­mö­gens­be­schä­di­gung oder scha­dens­glei­che Ver­mö­gens­ge­fähr­dung und der nach § 266 StGB not­wen­di­ge Nach­teil wären aller­dings nicht beim Arbeit­ge­ber, son­dern allen­falls bei der P Ver­si­che­rung ein­ge­tre­ten. Sofern die inso­weit geschä­dig­te P Ver­si­che­rung das Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mern zum Anlass genom­men haben soll­te, den Geschäfts­stel­len­lei­ter­ver­trag frist­los zu been­den, wäre der beim Arbeit­ge­ber hier­durch ein­ge­tre­te­ne Scha­den nicht vom Schutz­be­reich der §§ 263, 266 StGB erfasst. Soweit der Arbeit­neh­mer sich durch Fäl­schung der Unter­schrift des Arbeit­ge­bers wegen Urkun­den­fäl­schung nach § 267 StGB straf­bar gemacht haben könn­te, schei­det ein Scha­dens­er­satz­an­spruch des Arbeit­ge­bers bereits des­halb aus, weil der Straf­tat­be­stand der Urkun­den­fäl­schung nach § 267 StGB kein Schutz­ge­setz iSv. § 823 Abs. 2 BGB ist [5].

Schließ­lich ver­neint das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch Ansprü­che des Arbeit­ge­bers wegen vor­sätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung nach § 826 BGB wegen Feh­lens des erfor­der­li­chen Schä­di­gungs­vor­sat­zes.

Der nach § 826 BGB erfor­der­li­che Schä­di­gungs­vor­satz setzt kei­ne Schä­di­gungs­ab­sicht im Sin­ne eines Beweg­grun­des oder Zie­les vor­aus, viel­mehr genügt beding­ter Vor­satz hin­sicht­lich der für mög­lich gehal­te­nen Scha­dens­fol­gen, wobei die­ser nicht den kon­kre­ten Kau­sal­ver­lauf und den genau­en Umfang des Scha­dens, jeden­falls aber Art und Rich­tung des Scha­dens umfas­sen muss; es reicht dabei jede nach­tei­li­ge Ein­wir­kung auf die Ver­mö­gens­la­ge ein­schließ­lich der sit­ten­wid­ri­gen Belas­tung frem­den Ver­mö­gens mit einem Ver­lust­ri­si­ko aus [6]. Für den nach § 826 BGB erfor­der­li­chen Schä­di­gungs­vor­satz trifft den Geschä­dig­ten, hier also den Arbeit­ge­ber die Dar­le­gungs- und Beweis­last.

Der Arbeit­ge­ber hat den Vor­wurf bedingt vor­sätz­li­chen Han­delns des Arbeit­neh­mern vor­lie­gend aus­schließ­lich dar­auf gestützt, die­ser sei sich auf­grund sei­ner Aus­bil­dung und sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit bewusst gewe­sen, dass sei­ne kri­mi­nel­len Hand­lun­gen auch für ihn, den Arbeit­ge­ber, zu erheb­li­chen Pro­ble­men bis zur Kün­di­gung des Geschäfts­stel­len­lei­ter­ver­tra­ges füh­ren konn­ten. Dies reicht – wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat, zur Dar­le­gung eines beding­ten Vor­sat­zes nicht aus. Der Vor­satz ent­hält ein "Wis­sens-" und ein "Wol­lens­ele­ment". Der Han­deln­de muss die Umstän­de, auf die sich der Vor­satz bezie­hen muss, gekannt bzw. vor­aus­ge­se­hen und in sei­nen Wil­len auf­ge­nom­men haben. Die Annah­me beding­ten Vor­sat­zes iSv. § 826 BGB setzt des­halb vor­aus, dass der Han­deln­de die rele­van­ten Umstän­de jeden­falls für mög­lich gehal­ten und bil­li­gend in Kauf genom­men hat. Dage­gen genügt es nicht, wenn die rele­van­ten Tat­um­stän­de ledig­lich objek­tiv erkenn­bar waren und sich dem Han­deln­den hät­ten auf­drän­gen müs­sen. In einer sol­chen Situa­ti­on ist ledig­lich ein Fahr­läs­sig­keits­vor­wurf gerecht­fer­tigt [7]. Fahr­läs­sig­keit, auch gro­be Fahr­läs­sig­keit, reicht indes nicht aus. Dass der Arbeit­neh­mer nicht bedingt vor­sätz­lich gehan­delt hat, legt im Übri­gen auch der Umstand nahe, dass im Fal­le einer Been­di­gung des Geschäfts­stel­len­lei­ter­ver­tra­ges durch die P Ver­si­che­rung auch das Arbeits­ver­hält­nis des Arbeit­neh­mern, und dies nicht nur als Grund­la­ge sei­nes Ver­gü­tungs­an­spruchs, son­dern auch als Grund­la­ge wei­te­rer unbe­rech­tig­ter Ein­nah­men gefähr­det gewe­sen wäre. Vor die­sem Hin­ter­grund spricht in Erman­ge­lung wei­te­ren Vor­brin­gens des Arbeit­ge­bers zum "Wol­lens­ele­ment" alles dafür, dass der Arbeit­neh­mer die frist­lo­se Kün­di­gung des Geschäfts­stel­len­lei­ter­ver­tra­ges nicht bil­li­gend in Kauf genom­men, son­dern dar­auf ver­traut hat, dass sein Fehl­ver­hal­ten nicht ent­deckt wird.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. April 2016 – 8 AZR 753/​14

  1. ua. BGH 9.12 2014 – VI ZR 155/​14, Rn. 15[]
  2. vgl. ua. BGH 9.12 2014 – VI ZR 155/​14, Rn. 15 ff.; 14.06.1976 – III ZR 35/​74, zu II 1 der Grün­de, BGHZ 66, 398; 12.03.1968 – VI ZR 178/​66, zu I der Grün­de; 4.02.1964 – VI ZR 25/​63BGHZ 41, 123[]
  3. zur Ein­ord­nung ua. BGH 6.02.2014 – I ZR 75/​13, Rn. 12; aus­führ­lich BGH 9.12 1958 – VI ZR 199/​57, zu 1 a der Grün­de, BGHZ 29, 65[]
  4. zu den Vor­aus­set­zun­gen ua. BGH 6.02.2014 – I ZR 75/​13, Rn. 12; 4.02.1964 – VI ZR 25/​63BGHZ 41, 123[]
  5. BGH 3.02.1987 – VI ZR 32/​86, zu II 2 a der Grün­de, BGHZ 100, 13[]
  6. BGH 19.11.2013 – VI ZR 411/​12, Rn. 33 mwN; 13.09.2004 – II ZR 276/​02, zu B I 3 der Grün­de[]
  7. vgl. BGH 15.10.2013 – VI ZR 124/​12, Rn. 12 mwN[]