Ent­gelt­fort­zah­lung – und der Min­dest­lohn

Die Höhe der Ent­gelt­fort­zah­lung an Fei­er­ta­gen und im Krank­heits­fall des päd­ago­gi­schen Per­so­nals in Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men berech­net sich nach den für die­sen Per­so­nen­kreis erlas­se­nen Min­dest­lohn­vor­schrif­ten.

Ent­gelt­fort­zah­lung – und der Min­dest­lohn

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin ei der Beklag­ten als päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin beschäf­tigt. Sie betreu­te Teil­neh­mer in Aus- und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men nach dem SGB II und SGB III. Das Arbeits­ver­hält­nis unter­fiel kraft "Ver­ord­nung über zwin­gen­de Arbeits­be­din­gun­gen für Aus- und Wei­ter­bil­dungs­dienst­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten oder Drit­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch" (Min­dest­lohn­VO) des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les dem Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­trags zur Rege­lung des Min­dest­lohns für päd­ago­gi­sches Per­so­nal vom 15. Novem­ber 2011 (TV-Min­dest­lohn). Die­ser sah eine Min­dest­stun­den­ver­gü­tung von 12,60 Euro brut­to vor. Die Beklag­te zahl­te zwar für tat­säch­lich geleis­te­te Arbeits­stun­den und für Zei­ten des Urlaubs die­se Min­dest­stun­den­ver­gü­tung, nicht aber für durch Fei­er­ta­ge oder Arbeits­un­fä­hig­keit aus­ge­fal­le­ne Stun­den. Auch die Urlaubs­ab­gel­tung berech­ne­te sie nur nach der gerin­ge­ren ver­trag­li­chen Ver­gü­tung. Mit ihrer Kla­ge hat die Klä­ge­rin für Fei­er­ta­ge, Krank­heits­zei­ten und als Urlaubs­ab­gel­tung nach Maß­ga­be des TV-Min­dest­lohn eine Nach­zah­lung in Höhe von 1.028,90 Euro brut­to ver­langt.

Arbeits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen 1 haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Revi­si­on der Beklag­ten hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt kei­nen Erfolg:

Nach den Bestim­mun­gen des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes (§ 2 Abs. 1, § 3 iVm. § 4 Abs. 1 EFZG) hat der Arbeit­ge­ber für Arbeits­zeit, die auf­grund eines gesetz­li­chen Fei­er­tags oder wegen Arbeits­un­fä­hig­keit aus­fällt, dem Arbeit­neh­mer das Arbeits­ent­gelt zu zah­len, das er ohne den Arbeits­aus­fall erhal­ten hät­te (Ent­gelt­aus­fall­prin­zip). Die Höhe des Urlaubs­ent­gelts und einer Urlaubs­ab­gel­tung bestimmt sich gemäß § 11 BUr­lG nach der durch­schnitt­li­chen Ver­gü­tung der letz­ten drei­zehn Wochen (Refe­renz­prin­zip). Die­se Rege­lun­gen fin­den auch dann Anwen­dung, wenn sich die Höhe des Arbeits­ent­gelts nach einer Min­dest­lohn­re­ge­lung rich­tet, die – wie hier die Min­dest­lohn­VO – kei­ne Bestim­mun­gen zur Ent­gelt­fort­zah­lung und zum Urlaubs­ent­gelt ent­hält. Ein Rück­griff des Arbeits­ge­bers auf eine ver­trag­lich ver­ein­bar­te nied­ri­ge­re Ver­gü­tung ist in die­sen Fäl­len des­halb unzu­läs­sig.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Mai 2015 – 10 AZR 191/​14

  1. LAG Nds., Urteil vom 20.11.2013 – 2 Sa 667/​13[]