Equal pay – und die "tarif­ver­trag­li­chen" Aus­schluss­fris­ten

Der Arbeit­neh­mer ist nicht gehal­ten, Aus­schluss­fris­ten aus unwirk­sa­men Tarif­ver­trä­gen der CGZP oder aus dem nicht wirk­sam in das Arbeits­ver­hält­nis ein­be­zo­ge­nen AMP-TV 2010 ein­zu­hal­ten. Der­ar­ti­ge "tarif­li­che" Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lun­gen sind auch nicht kraft Bezug­nah­me als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung Bestand­teil des Arbeits­ver­trags gewor­den1.

Equal pay – und die

Dies gilt auch für eine gleich­lau­ten­de, zusätz­li­che arbeits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung: Zwar kann – trotz der Bezug­nah­me auf einen Tarif­ver­trag, der eine Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ent­hält – eine eigen­stän­di­ge arbeits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ver­ein­bart wer­den. Das folgt aus dem grund­sätz­li­chen Vor­rang einer aus­drück­lich in den Arbeits­ver­trag auf­ge­nom­me­nen Klau­sel vor einer nur durch die pau­scha­le Bezug­nah­me auf einen Tarif­ver­trag anwend­ba­ren Rege­lung2. Belas­sen es nicht tarif­ge­bun­de­ne Arbeits­ver­trags­par­tei­en nicht dabei, ihr Arbeits­ver­hält­nis pau­schal einem bestimm­ten Tarif­re­gime zu unter­wer­fen, son­dern ver­ein­ba­ren zu ein­zel­nen Gegen­stän­den dar­über hin­aus im Arbeits­ver­trag aus­for­mu­lier­te Rege­lun­gen, brin­gen sie damit typi­scher­wei­se zum Aus­druck, dass unab­hän­gig von dem in Bezug genom­me­nen Tarif­werk, jeden­falls die in den Arbeits­ver­trag auf­ge­nom­me­nen Bestim­mun­gen für das Arbeits­ver­hält­nis gel­ten sol­len3.

Davon kön­nen die Arbeits­ver­trags­par­tei­en abwei­chen, indem sie etwa einer aus­drück­lich in den Arbeits­ver­trag auf­ge­nom­me­nen Klau­sel eine nur "dekla­ra­to­ri­sche", den Wort­laut des in Bezug genom­me­nen Tarif­werks wie­der­ge­ben­de Bedeu­tung bei­mes­sen und damit gleich­sam die Bezug­nah­me "aus­for­mu­lie­ren"4.

Aus­ge­hend von der vor­zu­neh­men­den objek­ti­ven Aus­le­gung haben die Par­tei­en damit im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall im Streit­fall kei­ne eigen­stän­di­ge Aus­schluss­frist gere­gelt:

Aus­ge­hend vom Wort­laut der Nr.19.2 Arbeits­ver­tag 2010, der iden­tisch mit dem Text der Nr.19.2 bis Nr.19.4 AMP-TV 2010 ist, darf der durch­schnitt­li­che Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders die Klau­sel als blo­ße Aus­for­mu­lie­rung der nach der Bezug­nah­me­klau­sel anwend­bar sein sol­len­den tarif­li­chen Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ver­ste­hen. Die feh­len­de Eigen­stän­dig­keit der Rege­lung wird unter­stri­chen durch die Über­schrift der Klau­sel – "Tarif­li­che Aus­schluss­frist" – und die dem Klau­sel­text in der Art eines Fund­stel­len­nach­wei­ses bei­gefüg­ten Klam­mer­zu­sät­ze mit den ent­spre­chen­den Num­mern des AMP-TV 2010. Auch der Ver­gleich mit der Klau­sel der Nr.19.1 Arbeits­ver­trag 2010 bestä­tigt dem durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders die­ses Ver­ständ­nis. Dort ist ohne Hin­weis auf den Tarif­ver­trag eine gegen­über die­sem eigen­stän­di­ge Rege­lung getrof­fen, die sich in Nr.19.1 AMP-TV 2010 nicht fin­det.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2015 – 5 AZR 122/​13

  1. vgl. BAG 13.03.2013 – 5 AZR 954/​11, Rn. 34 f., BAGE 144, 306; 19.02.2014 – 5 AZR 1046/​12, Rn.19 []
  2. BAG 13.03.2013 – 5 AZR 954/​11, Rn. 40, BAGE 144, 306; 25.09.2013 – 5 AZR 778/​12, Rn. 14 []
  3. BAG 23.10.2013 – 5 AZR 556/​12, Rn. 14 []
  4. BAG 25.09.2013 – 5 AZR 778/​12, Rn. 15 []