Erle­di­gungs­klau­sel im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­gleich

Wel­che Rechts­qua­li­tät und wel­che Reich­wei­te eine Erle­di­gungs­klau­sel in einem gericht­li­chen Ver­gleich hat, ist durch Aus­le­gung nach den all­ge­mei­nen Regeln der §§ 133, 157 BGB zu ermit­teln 1.

Erle­di­gungs­klau­sel im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­gleich

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ar­beits­ge­richt in einem Fall aus Ham­burg. Die Streit­fra­ge, ob die Aus­le­gung des mate­ri­ell-recht­li­chen Inhalts eines Pro­zess­ver­gleichs durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt der vol­len revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung unter­liegt 2 oder sie nur dar­auf über­prüft wer­den kann, ob das Beru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt, gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­sto­ßen, wesent­li­che Tat­sa­chen unbe­rück­sich­tigt gelas­sen oder eine gebo­te­ne Aus­le­gung unter­las­sen hat 3, brauch­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt dabei aber nicht zu ent­schei­den, da die Aus­le­gung des in der Vor­in­stanz täti­gen Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg 4 auch einer vol­len revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung stand­hielt.

Die Par­tei­en wol­len, wenn in einem gericht­li­chen Ver­gleich eine umfas­sen­de, sich auf alle Ansprü­che aus dem Arbeits­ver­hält­nis erstre­cken­de Aus­gleichs­klau­sel auf­ge­nom­men und nicht nur der Rechts­streit erle­digt wird, in der Regel das Arbeits­ver­hält­nis abschlie­ßend umfas­send berei­ni­gen und alle Ansprü­che erle­di­gen 5. Von einem Wil­len, einen umfas­sen­den Anspruchs­aus­schluss zu ver­ein­ba­ren, kann hin­ge­gen nicht aus­ge­gan­gen wer­den, wenn die Par­tei­en ver­ein­bart haben, dass neben den im Pro­zess­ver­gleich ggf. aus­drück­lich genann­ten noch wei­te­re, nicht näher bezeich­ne­te Ansprü­che zu erfül­len sind.

So auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall: Ziff. 5 des Ver­gleichs vom 15.08.2016 bezieht sich zwar – für sich betrach­tet – auf "alle Ansprü­che der Par­tei­en … aus dem Arbeits­ver­hält­nis und sei­ner Been­di­gung", zu denen auch der Anspruch auf Urlaubs­ab­gel­tung nach § 7 Abs. 4 BUr­lG gehört 6. Die Erle­di­gungs­klau­sel nimmt jedoch mit dem Wort "damit" auf die der Klau­sel vor­an­ge­stell­ten Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en Bezug. Aus die­ser Ver­knüp­fung folgt, dass mit Ver­gleichs­schluss zwar der Kün­di­gungs­rechts­streit erle­digt wer­den soll­te, die Ver­trags­be­zie­hun­gen im Übri­gen aber erst dann, wenn nicht nur die in Ziff. 3 und Ziff. 4 aus­drück­lich fest­ge­leg­ten Ver­pflich­tun­gen der Par­tei­en erfüllt sind, son­dern – ohne Ein­schrän­kung – auch die in Ziff. 2 nicht näher kon­kre­ti­sier­ten, wei­te­ren Zah­lungs­an­sprü­che des Klä­gers "aus dem Arbeits­ver­hält­nis und sei­ner Been­di­gung".

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2018 – 9 AZR 162/​18

  1. vgl. BAG 10.02.2015 – 9 AZR 455/​13, Rn. 28, BAGE 150, 355[]
  2. so zB BAG 27.05.2015 – 5 AZR 137/​14, Rn. 18 mwN, BAGE 151, 382; 22.05.2003 – 2 AZR 250/​02, zu II 3 der Grün­de; 31.07.2002 – 10 AZR 513/​01, zu II 3 a der Grün­de, BAGE 102, 103; 9.10.1996 – 5 AZR 246/​95, zu 4 der Grün­de[]
  3. so zB BAG 23.06.2016 – 8 AZR 757/​14, Rn. 14; 21.01.2014 – 3 AZR 362/​11, Rn. 55; 15.09.2004 – 4 AZR 9/​04, zu I 1 b bb (1) der Grün­de, BAGE 112, 50; offen­ge­las­sen von BAG 17.10.2017 – 9 AZR 80/​17, Rn. 43; 9.12 2015 – 7 AZR 117/​14, Rn. 23, BAGE 153, 365; 10.12 2014 – 10 AZR 63/​14, Rn. 17[]
  4. LAG Ham­burg 31.01.2018 – 33 Sa 17/​17[]
  5. vgl. BAG 27.05.2015 – 5 AZR 137/​14, Rn. 21, BAGE 151, 382; 22.10.2008 – 10 AZR 617/​07, Rn. 30; 5.04.1973 – 5 AZR 574/​72[]
  6. vgl. BAG 16.12 2014 – 9 AZR 295/​13, Rn. 29, BAGE 150, 207; 13.12 2011 – 9 AZR 399/​10, Rn. 17, BAGE 140, 133[]