Erwerbs­min­de­rung als auf­lö­sen­de Bedin­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses

Die durch die Tarif­vor­schrift des § 33 Abs. 2 TVöD ange­ord­ne­te Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses nach Bewil­li­gung einer Ren­te wegen vol­ler Erwerbs­min­de­rung auf unbe­stimm­te Dau­er ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts durch einen Sach­grund iSv. §§ 21, 14 Abs. 1 TzB­fG gerecht­fer­tigt.

Erwerbs­min­de­rung als auf­lö­sen­de Bedin­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses

Sie bewirkt kei­ne nach § 7 Abs. 2 AGG unzu­läs­si­ge Benach­tei­li­gung wegen einer Behin­de­rung 1. An die­ser Recht­spre­chung hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt fest.

Es han­delt sich nicht des­halb um eine Ren­te auf Zeit, weil die Ren­te nach dem Ren­ten­be­scheid längs­tens bis zum Monat des Errei­chens der Regel­al­ters­gren­ze bewil­ligt wur­de.

Nach § 43 Abs. 2 SGB VI wird die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te bis zum Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze bewil­ligt. Ab die­sem Zeit­punkt erhält der Arbeit­neh­mer Alters­ren­te, so dass dau­er­haft eine ren­ten­recht­li­che Absi­che­rung gewähr­leis­tet ist. Die in § 43 Abs. 2 SGB VI vor­ge­se­he­ne Ände­rung der Ren­ten­art macht die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te nicht zu einer Ren­te auf Zeit iSv. § 33 Abs. 2 Satz 5 TVöD 2. Eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te auf Zeit wird nach § 102 Abs. 2 Satz 2 SGB VI für längs­tens drei Jah­re bewil­ligt. Sie kann nach § 102 Abs. 2 Satz 3 SGB VI ver­län­gert wer­den, wobei Ver­län­ge­run­gen für längs­tens drei Jah­re nach Ablauf der vor­he­ri­gen Frist erfol­gen (§ 102 Abs. 2 Satz 4 SGB VI).

Auch die in dem Ren­ten­be­scheid erwähn­te Mög­lich­keit einer spä­te­ren Über­prü­fung der Ren­ten­be­rech­ti­gung ändert nichts dar­an, dass die Ren­te unbe­fris­tet bewil­ligt wur­de. Hier­bei han­delt es sich ledig­lich um einen Hin­weis auf die gesetz­li­che Rege­lung des § 100 Abs. 3 SGB VI iVm. § 48 SGB X 3.

Das Arbeits­ver­hält­nis endet nach § 33 Abs. 2 Satz 3 TVöD mit Ablauf des dem Ren­ten­be­ginn vor­an­ge­hen­den Tages, wenn die Ren­te erst nach der Zustel­lung des Ren­ten­be­scheids beginnt. Nach §§ 21, 15 Abs. 2 TzB­fG kann das Arbeits­ver­hält­nis aller­dings frü­hes­tens zwei Wochen nach Zugang der schrift­li­chen Unter­rich­tung des Arbeit­neh­mers durch den Arbeit­ge­ber über den Zeit­punkt des Bedin­gungs­ein­tritts enden 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. Juni 2018 – 7 AZR 737/​16

  1. vgl. hier­zu aus­führ­lich BAG 14.01.2015 – 7 AZR 880/​13, Rn. 25 ff. und Rn. 39 ff.; 10.12 2014 – 7 AZR 1002/​12, Rn. 24 ff. und Rn. 36 ff., BAGE 150, 165[]
  2. vgl. BAG 23.03.2016 – 7 AZR 827/​13, Rn. 24, BAGE 155, 1 zu § 33 Abs. 2 TV‑L; 14.01.2015 – 7 AZR 880/​13, Rn. 31; 10.10.2012 – 7 AZR 602/​11, Rn.19 zu § 36 Abs. 2 TV-BA[]
  3. BAG 23.03.2016 – 7 AZR 827/​13, Rn. 25, BAGE 155, 1; aus­führ­lich 14.01.2015 – 7 AZR 880/​13, Rn. 32[]
  4. vgl. BAG 10.12 2014 – 7 AZR 1002/​12, Rn. 63, BAGE 150, 165; 27.07.2011 – 7 AZR 402/​10, Rn. 67; 6.04.2011 – 7 AZR 704/​09, Rn. 22, BAGE 137, 292[]