Fal­sche Anre­de im Ableh­nungs­schrei­ben

Eine fal­sche Anre­de in der Ableh­nung einer Bewer­bung stellt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung wegen eth­ni­scher Her­kunft dar.

Fal­sche Anre­de im Ableh­nungs­schrei­ben

In einem jetzt vom Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Rechts­streit bewarb sich die Klä­ge­rin bei der Beklag­ten um die Stel­le als lebens­mit­tel­tech­ni­sche Assis­ten­tin. Ihre Bewer­bung wur­de abge­lehnt. In dem Ableh­nungs­schrei­ben wur­de die Klä­ge­rin unzu­tref­fend mit „Sehr geehr­ter Herr“ ange­re­det. Sie ist der Ansicht, aus die­ser Anre­de erge­be sich, dass sie wegen ihres Migra­ti­ons­hin­ter­grunds nicht ein­ge­stellt wor­den sei. Aus ihrer mit Foto ein­ge­reich­ten Bewer­bung gehe ein­deu­tig her­vor, dass sie weib­lich sei. Dies bele­ge, dass man ihre Bewer­bung offen­sicht­lich kei­nes Bli­ckes gewür­digt und die­se wegen ihres bereits aus dem Namen sich erge­ben­den Migra­ti­ons­hin­ter­grun­des aus­sor­tiert habe. Mit der Kla­ge hat sie eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 5.000 € ver­langt.

Das Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Kla­ge abge­wie­sen. Ein Ent­schä­di­gungs­an­spruch gemäß § 15 Abs. 2 AGG setzt vor­aus, dass die Klä­ge­rin wegen eines der in § 1 AGG genann­ten Merk­ma­le wie der Ras­se oder eth­ni­schen Her­kunft benach­tei­ligt wor­den ist. Nach der Beweis­last­re­gel des § 22 AGG genügt es dabei, dass der Arbeit­neh­mer Tat­sa­chen vor­trägt, aus denen sich nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit für eine sol­che Benach­tei­li­gung ergibt. Dann muss der Arbeit­ge­ber nach­wei­sen, dass kei­ne Benach­tei­li­gung vor­liegt. Der Vor­trag der Klä­ge­rin reicht für eine sol­che Beweis­last­ver­la­ge­rung aber nicht aus, urteil­te das Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf. Die Ver­wechs­lung in der Anre­de las­se kei­ne Benach­tei­li­gung wegen der Ras­se oder der eth­ni­schen Her­kunft ver­mu­ten. Es sei genau­so wahr­schein­lich, wenn nicht sogar näher lie­gend, dass der fal­schen Anre­de in dem Ableh­nungs­schrei­ben ein schlich­ter Feh­ler bei der Bear­bei­tung die­ses Schrei­bens zu Grun­de lie­ge.

Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 09.03.2011 – 14 Ca 908/​11