Fest­stel­lungs­kla­ge – und die ein­zel­ne Verpflichtung

Nach § 256 ZPO kön­nen zwar nur Rechts­ver­hält­nis­se Gegen­stand einer Fest­stel­lungs­kla­ge sein, nicht hin­ge­gen blo­ße Ele­men­te oder Vor­fra­gen eines Rechts­ver­hält­nis­ses. Eine Fest­stel­lungs­kla­ge muss sich aller­dings nicht not­wen­dig auf ein Rechts­ver­hält­nis ins­ge­samt erstre­cken, son­dern kann sich auf ein­zel­ne Bezie­hun­gen oder Fol­gen aus einem Rechts­ver­hält­nis, auf bestimm­te Ansprü­che oder Ver­pflich­tun­gen sowie auf den Umfang einer Leis­tungs­pflicht beschrän­ken1.

Fest­stel­lungs­kla­ge – und die ein­zel­ne Verpflichtung

So ver­hält es sich hier. Der Klä­ger begehrt mit sei­nem Haupt­an­trag – bei zutref­fen­dem Antrags­ver­ständ­nis2 – die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung der Beklag­ten, ihm bei Ein­tritt eines Ver­sor­gungs­falls eine Betriebs­ren­te zu gewäh­ren, bei deren Berech­nung für den Zeit­raum vom 01.05.2002 bis zum 31.12.2015 die Ver­gü­tung für die tat­säch­lich von ihm geleis­te­ten Stun­den – begrenzt auf die regel­mä­ßig zu leis­ten­den Monats­stun­den eines ver­gleich­ba­ren Voll­zeit­ar­beit­neh­mers – zzgl. Urlaubs- und Weih­nachts­geld – die­se begrenzt auf den Grund­ver­gü­tungs­an­teil eines ver­gleich­ba­ren Voll­zeit­ar­beit­neh­mers – und zzgl. des antei­li­gen Zuschlags zum Urlaubs­geld gemäß dem VE TV Nr. 3 für Mit­ar­bei­ter der LSG mit Ver­trä­gen zur Anpas­sung der Arbeits­zeit an den Arbeits­an­fall in der jewei­li­gen Fas­sung zugrun­de zu legen ist. Wer Voll­zeit­ar­beit­neh­mer ist, soll sich nach dem MTV Nr. 14 bestim­men. Damit begehrt der Klä­ger die Fest­stel­lung eines Rechts­ver­hält­nis­ses, näm­lich des Umfangs der Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung der Beklag­ten, soweit sie sich aus den Ver­hält­nis­sen im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum her­lei­tet. Bereits mit dem Ent­ste­hen einer Ver­sor­gungs­an­wart­schaft wird ein betriebs­ren­ten­recht­li­ches Rechts­ver­hält­nis begrün­det3.

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Der Klä­ger hat ein recht­li­ches Inter­es­se iSv. § 256 Abs. 1 ZPO an als­bal­di­ger Fest­stel­lung der Leis­tungs­pflicht der Beklag­ten, da die­se eine Ver­pflich­tung im begehr­ten Umfang in Abre­de stellt. Es ist uner­heb­lich, dass der Ver­sor­gungs­fall noch nicht ein­ge­tre­ten ist. Der Klä­ger hat ein recht­li­ches Inter­es­se dar­an, Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über den Bestand und die Aus­ge­stal­tung der Ver­sor­gungs­rech­te mög­lichst vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls klä­ren zu las­sen. So kann er früh­zei­tig etwa bestehen­de Ver­sor­gungs­lü­cken schlie­ßen4.

Der Fest­stel­lungs­an­trag ist auch bestimmt genug iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Mit der begehr­ten Fest­stel­lung wür­de klar, wel­ches ren­ten­fä­hi­ge Ein­kom­men für die Berech­nung der Ren­ten­bau­stei­ne (§ 4 TV LH BRB) zu berück­sich­ti­gen ist.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Febru­ar 2021 – 3 AZR 618/​19

  1. BAG 22.09.2020 – 3 AZR 433/​19, Rn. 16 mwN[]
  2. zu den Aus­le­gungs­grund­sät­zen vgl. BAG 27.06.2017 – 9 AZR 120/​16, Rn. 11[]
  3. st. Rspr., vgl. BAG 22.09.2020 – 3 AZR 433/​19, Rn. 17 mwN[]
  4. BAG 22.09.2020 – 3 AZR 433/​19, Rn.19 mwN[]