"Freie Han­se­stadt Bre­men" oder "Stadt Bre­men" – der rich­ti­ge Kla­ge­geg­ner

Gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 1 ZPO sind die Par­tei­en in der Kla­ge­schrift anzu­ge­ben. Ist die Bezeich­nung der beklag­ten Par­tei nicht ein­deu­tig, ist die­se durch Aus­le­gung zu ermit­teln 1. Für die Par­tei­stel­lung ist nicht allein die for­ma­le Bezeich­nung einer Par­tei maß­geb­lich. Viel­mehr kommt es dar­auf an, wel­cher Sinn der von der kla­gen­den Par­tei in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Par­tei­be­zeich­nung bei objek­ti­ver Wür­di­gung des Erklä­rungs­in­halts bei­zu­le­gen ist. Eine unge­naue oder unrich­ti­ge Par­tei­be­zeich­nung ist unschäd­lich und kann jeder­zeit von Amts wegen berich­tigt wer­den 2.

<span class="dquo">"</span>Freie Han­se­stadt Bre­men" oder "Stadt Bre­men" – der rich­ti­ge Kla­ge­geg­ner

Nach Art. 64 der Lan­des­ver­fas­sung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men führt der bre­mi­sche Staat den Namen "Freie Han­se­stadt Bre­men". Die "Stadt Bre­men" und die "Stadt Bre­mer­ha­ven" bil­den jede für sich eine Gemein­de des bre­mi­schen Staa­tes (Art. 143 Lan­des­ver­fas­sung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men).

Wenn aller­dings die Stadt Bre­men im Rechts­ver­kehr mehr­fach unter dem Namen "Freie Han­se­stadt Bre­men" auf­tritt, kann die Klä­ge­rin sie in der Kla­ge­schrift auch mit eben die­sem Namen bezeich­nen.

Die Bezeich­nung ist zwar unrich­tig. Die Klä­ge­rin hat in dem hier ent­schie­de­nen Fall jedoch eine auf Art. 33 Abs. 2 GG gestütz­te Kon­kur­ren­ten­kla­ge erho­ben, mit der sie die Teil­nah­me an dem Aus­wahl­ver­fah­ren für die Beset­zung der von der Beklag­ten aus­ge­schrie­be­nen Stel­le begehrt. Hier­für spricht ent­schei­dend die der Kla­ge als Anla­ge bei­gefüg­te Kopie der von der Stadt Bre­men gefer­tig­ten Stel­len­aus­schrei­bung 3. In der Kla­ge­schrift setzt sich die Klä­ge­rin im Ein­zel­nen mit der Per­so­nal­kom­pe­tenz aus­ein­an­der, die den Trä­ge­rin­nen des Job­cen­ters zukommt. Da nicht die Freie Han­se­stadt Bre­men, son­dern allein die Stadt Bre­men kom­mu­na­le Trä­ge­rin des Job­cen­ters ist, konn­ten bei objek­ti­ver Wür­di­gung kei­ne berech­tig­ten Zwei­fel bestehen, dass sich die Kla­ge gegen die Stadt Bre­men als aus­schrei­ben­de Kör­per­schaft rich­ten soll­te und nicht gegen die Freie Han­se­stadt Bre­men, die in das Ver­fah­ren der Stel­len­ver­ga­be nicht ein­ge­bun­den ist.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Mai 2015 – 9 AZR 837/​13

  1. BAG 11.06.2013 – 9 AZR 668/​11, Rn. 9 mwN[]
  2. BAG 21.02.2002 – 2 AZR 55/​01, zu II 1 a der Grün­de[]
  3. vgl. zur Aus­le­gung des Rubrums im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess BAG 21.02.2002 – 2 AZR 55/​01, zu II 1 a der Grün­de[]