Freie Mit­ar­bei­ter bei Funk und Fern­se­hen

Ein Arbeits­ver­hält­niss unter­schei­det sich von dem Rechts­ver­hält­nis eines frei­en Mit­ar­bei­ters durch den Grad der per­sön­li­chen Abhän­gig­keit, in der sich der zur Dienst­leis­tung Ver­pflich­te­te befin­det. Arbeit­neh­mer ist, wer auf­grund eines pri­vat­recht­li­chen Ver­trags im Diens­te eines ande­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Arbeit in per­sön­li­cher Abhän­gig­keit ver­pflich­tet ist [1]. Das Wei­sungs­recht kann Inhalt, Durch­füh­rung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit betref­fen. Arbeit­neh­mer ist der­je­ni­ge Mit­ar­bei­ter, der nicht im Wesent­li­chen frei sei­ne Tätig­keit gestal­ten und sei­ne Arbeits­zeit bestim­men kann [2]. Dabei sind alle Umstän­de des Ein­zel­falls in Betracht zu zie­hen und in ihrer Gesamt­heit zu wür­di­gen. Der jewei­li­ge Ver­trags­typ ergibt sich aus dem wirk­li­chen Geschäfts­in­halt. Die zwin­gen­den gesetz­li­chen Rege­lun­gen für Arbeits­ver­hält­nis­se kön­nen nicht dadurch abbe­dun­gen wer­den, dass die Par­tei­en ihrem Arbeits­ver­hält­nis eine ande­re Bezeich­nung geben [3]. Der objek­ti­ve Geschäfts­in­halt ist den aus­drück­lich getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen und der prak­ti­schen Durch­füh­rung des Ver­trags zu ent­neh­men. Wider­spre­chen sich Ver­ein­ba­rung und tat­säch­li­che Durch­füh­rung, ist Letz­te­re maß­ge­bend [4].

Freie Mit­ar­bei­ter bei Funk und Fern­se­hen

Die­se Grund­sät­ze sind, wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt in einer aktu­el­len Ent­schei­dung noch­mal aus­drück­lich betont, auch im Bereich Funk und Fern­se­hen anzu­wen­den [5], wobei der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der Rund­funk­frei­heit nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG zu beach­ten ist. All­ge­mein müs­sen die Gerich­te Grund­rech­te inter­pre­ta­ti­ons­lei­tend berück­sich­ti­gen, damit deren wert­set­zen­der Gehalt auch auf der Rechts­an­wen­dungs­ebe­ne gewahrt bleibt [6]. Das ver­langt im Hin­blick auf Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG in der Regel eine fall­be­zo­ge­ne Abwä­gung zwi­schen der Bedeu­tung der Rund­funk­frei­heit auf der einen und dem Rang der von den Nor­men des Arbeits­rechts geschütz­ten Rechts­gü­ter auf der ande­ren Sei­te [7]. Die Rund­funk­frei­heit erstreckt sich auf das Recht der Rund­funk­an­stal­ten, dem Gebot der Viel­falt der zu ver­mit­teln­den Pro­gramm­in­hal­te auch bei der Aus­wahl, Ein­stel­lung und Beschäf­ti­gung der­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter Rech­nung zu tra­gen, die bei der Gestal­tung der Pro­gram­me mit­wir­ken sol­len [8]. Es ist von Ver­fas­sungs wegen nicht aus­ge­schlos­sen, auch im Rund­funk­be­reich von den für das Arbeits­recht all­ge­mein ent­wi­ckel­ten Merk­ma­len abhän­gi­ger Arbeit aus­zu­ge­hen [9]. Aller­dings muss das durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG geschütz­te Recht der Rund­funk­an­stal­ten, frei von frem­der Ein­fluss­nah­me über die Aus­wahl, Ein­stel­lung und Beschäf­ti­gung pro­gramm­ge­stal­ten­der Mit­ar­bei­ter zu bestim­men, ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den. Eine Beein­träch­ti­gung kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Betracht, wenn die ver­füg­ba­ren Ver­trags­ge­stal­tun­gen – wie Teil­zeit­be­schäf­ti­gungs- oder Befris­tungs­ab­re­den – zur Siche­rung der Aktua­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät der Bericht­erstat­tung in tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Hin­sicht nicht in glei­cher Wei­se geeig­net sind wie die Beschäf­ti­gung in frei­er Mit­ar­beit [10].

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gehö­ren zu den pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern die­je­ni­gen, die „typi­scher­wei­se ihre eige­ne Auf­fas­sung zu poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, künst­le­ri­schen oder ande­ren Sach­fra­gen, ihre Fach­kennt­nis­se und Infor­ma­tio­nen, ihre indi­vi­du­el­le künst­le­ri­sche Befä­hi­gung und Aus­sa­ge­kraft in die Sen­dung ein­brin­gen, wie dies bei Regis­seu­ren, Mode­ra­to­ren, Kom­men­ta­to­ren, Wis­sen­schaft­lern und Künst­lern der Fall ist“. Nicht zu den pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern gehö­ren das betriebs­tech­ni­sche und das Ver­wal­tungs­per­so­nal sowie die­je­ni­gen, die zwar bei der Ver­wirk­li­chung des Pro­gramms mit­wir­ken, aber kei­nen inhalt­li­chen Ein­fluss dar­auf haben [11]. Zu den nicht pro­gramm­ge­stal­ten­den Tätig­kei­ten kön­nen auch, je nach den kon­kre­ten Umstän­den des Ein­zel­falls, rei­ne Spre­cher­leis­tun­gen zäh­len [12].

Bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern kann ent­ge­gen der aus­drück­lich getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung ein Arbeits­ver­hält­nis vor­lie­gen, wenn sie weit­ge­hen­den inhalt­li­chen Wei­sun­gen unter­lie­gen, ihnen also nur ein gerin­ges Maß an Gestal­tungs­frei­heit, Eigen­in­itia­ti­ve und Selb­stän­dig­keit ver­bleibt, und der Sen­der inner­halb eines zeit­li­chen Rah­mens über ihre Arbeits­leis­tung ver­fü­gen kann [13]. Letz­te­res ist dann der Fall, wenn stän­di­ge Dienst­be­reit­schaft erwar­tet wird oder wenn der Mit­ar­bei­ter in nicht uner­heb­li­chem Umfang auch ohne ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung her­an­ge­zo­gen wird, ihm also die Arbei­ten letzt­lich zuge­wie­sen wer­den [14].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wirkt die Ein­bin­dung in ein fes­tes Pro­gramm­sche­ma und die Vor­ga­be eines Pro­gramm­ver­laufs bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern nicht sta­tus­be­grün­dend [15]. Zeit­li­che Ver­pflich­tun­gen und ein ggf. klein­tei­li­ger zeit­li­cher Takt erga­ben sich nur aus der Not­wen­dig­keit der Zusam­men­ar­beit und aus der fest­ste­hen­den Sen­de­zeit. Auch die Anwe­sen­heit zu fest­ste­hen­den Zei­ten vor und nach der Sen­dung schließt jeden­falls bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern ein frei­es Mit­ar­bei­ter­ver­hält­nis nicht aus. Das gilt eben­so für die not­wen­di­ge Teil­nah­me an zeit­lich fest­ge­leg­ten Abstim­mungs­kon­fe­ren­zen. Ent­schei­dend ist ins­ge­samt, dass der freie Mit­ar­bei­ter, wenn er ein­mal in einen Dienst­plan auf­ge­nom­men ist, weiß, was von ihm, auch in zeit­li­cher Hin­sicht, erwar­tet wird. In einem sol­chen Fall erteilt der Dienst­ge­ber kei­ne Wei­sun­gen. Die zeit­li­chen Vor­ga­ben sind viel­mehr not­wen­di­ger Bestand­teil der über­nom­me­nen Auf­ga­be.

Soweit es im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung der Umstän­de dar­auf ankommt, ob der Mit­ar­bei­ter wie ein Arbeit­neh­mer das Rechts­ver­hält­nis prä­gen­den Wei­sun­gen hin­sicht­lich des Inhalts sei­ner Tätig­keit unter­wor­fen war, ist, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt, zu berück­sich­ti­gen, dass gele­gent­li­che inhalt­li­che Ände­run­gen von Vor­schlä­gen nicht geeig­net sind, einem Rechts­ver­hält­nis das Geprä­ge zu geben [16]. Auch fällt bei der Beur­tei­lung der inhalt­li­chen Gestal­tungs­spiel­räu­me die Kon­trol­le der Qua­li­tät der Arbeit des Klä­gers nicht ins Gewicht. Abhän­gi­ge Arbeit wird nicht dadurch gekenn­zeich­net, dass der Ver­trags­part­ner Kor­rek­tu­ren ver­langt. So ist beim Werk­ver­trag der Werk­be­stel­ler berech­tigt, eine bestimm­te Qua­li­tät fest­zu­set­zen und Nach­bes­se­run­gen zu for­dern [17]. Die ver­bind­li­che Bestim­mung der The­men durch einen Redak­teur vom Dienst ist eben­falls nicht sta­tus­be­grün­dend [18].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. Mai 2009 – 5 AZR 31/​08

  1. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – Rn. 13, AP BGB § 611 Arbeit­neh­mer­ähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 10; 25. Mai 2005 – 5 AZR 347/​04BAGE 115, 1, 7; 16. Febru­ar 2000 – 5 AZB 71/​99BAGE 93, 310 , 314 f.[]
  2. vgl. § 84 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 HGB ; BAG 25. Mai 2005 – 5 AZR 347/​04 – aaO; 22. April 1998 – 5 AZR 342/​97BAGE 88, 263 , 269 f. mwN[]
  3. vgl. BAG 22. August 2001 – 5 AZR 502/​99 – zu II 2 a der Grün­de mwN, AP BGB § 611 Abhän­gig­keit Nr. 109 = EzA BGB § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 86; 12. Sep­tem­ber 1996 – 5 AZR 1066/​94BAGE 84, 108 , 112 f. mwN[]
  4. BAG 25. Mai 2005 – 5 AZR 347/​04BAGE 115, 1, 7 f.; 30. Sep­tem­ber 1998 – 5 AZR 563/​97BAGE 90, 36 , 47[]
  5. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – AP BGB § 611 Arbeit­neh­mer­ähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 10; 19. Janu­ar 2000 – 5 AZR 644/​98BAGE 93, 218 , 223; 30. Novem­ber 1994 – 5 AZR 704/​93BAGE 78, 343[]
  6. vgl. BVerfG 15. Janu­ar 1958 – 1 BvR 400/​51BVerfGE 7, 198 , 205 ff.[]
  7. grund­le­gend BVerfG 13. Janu­ar 1982 – 1 BvR 848/​77 ua. – BVerfGE 59, 231 ; 18. Febru­ar 2000 – 1 BvR 491/​93 ua. – zu II 2 b bb der Grün­de, AP GG Art. 5 Abs. 1 Rund­funk­frei­heit Nr. 9 = EzA GG Art. 5 Nr. 25[]
  8. BVerfG 18. Febru­ar 2000 – 1 BvR 491/​93 ua. – zu II 2 b aa der Grün­de, aaO[]
  9. grund­le­gend BVerfG 18. Febru­ar 2000 – 1 BvR 491/​93 ua. – aaO; 22. August 2000 – 1 BvR 2121/​94NZA 2000, 1097[]
  10. vgl. 18. Febru­ar 2000 – 1 BvR 491/​93 ua. – zu II 2 c bb der Grün­de, aaO[]
  11. BVerfG 13. Janu­ar 1982 – 1 BvR 848/​77 ua. – BVerfGE 59, 231 , 260; BAG 19. Janu­ar 2000 – 5 AZR 644/​98BAGE 93, 218 , 224[]
  12. vgl. BVerfG 3. Dezem­ber 1992 – 1 BvR 1462/​88 – zu II 2 b der Grün­de, EzA BGB § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 50[]
  13. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – Rn. 20 mwN, AP BGB § 611 Arbeit­neh­mer­ähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 10[]
  14. vgl. BAG 19. Janu­ar 2000 – 5 AZR 644/​98BAGE 93, 218, 224[]
  15. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – Rn. 22, 33 mwN, AP BGB § 611 Arbeit­neh­mer­ähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 10[]
  16. BAG 19. Janu­ar 2000 – 5 AZR 644/​98BAGE 93, 218[]
  17. vgl. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – Rn. 24, AP BGB § 611 Arbeit­neh­mer­ähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 10; 27. Febru­ar 1991 – 5 AZR 107/​90 – zu III 2 der Grün­de, EzA BGB § 611 Arbeit­neh­mer­be­griff Nr. 43[]
  18. vgl. BAG 14. März 2007 – 5 AZR 499/​06 – Rn. 22, aaO[]