Frist­lo­se Kün­di­gung trotz „Rotz­lap­pen­be­frei­ung“

Das Arbeits­ge­richt Köln hat die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Ser­vice­tech­ni­kers für wirk­sam befun­den, die der Arbeit­ge­ber auf­grund des Nicht­tra­gens eines Mund-Nasen-Schut­zes nach erfolg­lo­ser Abmah­nung aus­ge­spro­chen hat.

Frist­lo­se Kün­di­gung trotz „Rotz­lap­pen­be­frei­ung“

Der Ser­vice­tech­ni­ker war bei der beklag­ten Arbeit­ge­be­rin als Ser­vice­tech­ni­ker im Außen­dienst beschäf­tigt. Auf­grund der Pan­de­mie­si­tua­ti­on erteil­te die Beklag­te allen Ser­vice­tech­ni­kern die Anwei­sung, bei der Arbeit bei Kun­den eine Mund-Nasen-Bede­ckung zu tra­gen. Anfang Dezem­ber 2020 wei­ger­te sich der Ser­vice­tech­ni­ker, einen Ser­vice­auf­trag bei einem Kun­den durch­zu­füh­ren, der aus­drück­lich auf das Tra­gen einer Mas­ke bestand. Unter dem Betreff „Rotz­lap­pen­be­frei­ung“ reich­te der Ser­vice­tech­ni­ker bei der Beklag­ten ein im Juni 2020 auf Blan­ko­pa­pier aus­ge­stell­tes ärzt­li­ches Attest ein, in dem es heißt, dass es für den Ser­vice­tech­ni­ker „aus medi­zi­ni­schen Grün­den unzu­mut­bar ist, eine nicht-medi­zi­ni­sche All­tags­mas­ke oder eine ver­gleich­ba­re Mund-Nasen-Bede­ckung im Sin­ne der SARS-COV‑2 Ein­däm­mungs­maß­nah­men­ver­ord­nung zu tra­gen“. Dar­auf­hin erteil­te die Beklag­te dem Ser­vice­tech­ni­ker die Wei­sung, eine Mund-Nasen-Bede­ckung zu tra­gen und teil­te mit, dass sie das Attest man­gels kon­kre­ter nach­voll­zieh­ba­rer Anga­ben nicht aner­ken­ne, aber die Kos­ten für den medi­zi­ni­schen Mund-Nasen-Schutz über­neh­men wer­de. Nach­dem der Ser­vice­tech­ni­ker den Ser­vice­auf­trag wei­ter­hin ablehn­te, mahn­te die Beklag­te ihn zunächst ab. Des­sen unge­ach­tet teil­te der Ser­vice­tech­ni­ker mit, dass er den Ein­satz auch zukünf­tig nur durch­füh­ren wer­de, wenn er kei­ne Mas­ke tra­gen müs­se. Dar­auf­hin kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis außer­or­dent­lich, hilfs­wei­se ordentlich.

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Die 12. Kam­mer des Arbeits­ge­richts Köln hat die hier­ge­gen vom Ser­vice­tech­ni­ker erho­be­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge abge­wie­sen. Mit sei­ner beharr­li­chen Wei­ge­rung, bei der Aus­übung sei­ner Tätig­keit beim Kun­den den von der Beklag­ten ange­ord­ne­ten und von dem Kun­den ver­lang­ten Mund-Nasen-Schutz zu tra­gen, habe der Ser­vice­tech­ni­ker wie­der­holt gegen sei­ne arbeits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen ver­sto­ßen. Eine Recht­fer­ti­gung hier­für erge­be sich auch nicht auf­grund des vor­ge­leg­ten Attests. Zum einen sei das Attest nicht aktu­ell gewe­sen. Zum ande­ren sei ein Attest ohne kon­kre­te Dia­gno­se eines Krank­heits­bil­des nicht hin­rei­chend aus­sa­ge­kräf­tig, um eine Befrei­ung von der Mas­ken­pflicht aus gesund­heit­li­chen Grün­den zu recht­fer­ti­gen. Schließ­lich bestün­den Zwei­fel an der Ernst­haf­tig­keit der vom Ser­vice­tech­ni­ker behaup­te­ten medi­zi­ni­schen Ein­schrän­kun­gen, da der Ser­vice­tech­ni­ker selbst den Mund-Nasen-Schutz als Rotz­lap­pen bezeich­net habe und dem Ange­bot einer betriebs­ärzt­li­chen Unter­su­chung nicht nach­ge­kom­men sei.

Arbeits­ge­richt Köln, Urteil vom 17. Juni 2021 – 12 Ca 450/​21

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