Frist­lo­se Kün­di­gung wegen Neben­tä­tig­kei­ten

Umfang­rei­che Neben­tä­tig­kei­ten unter Ver­stoß gegen die beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten kön­nen, wie eine aktu­el­le Ent­schei­dung des Arbeits­ge­richts Mainz zeigt, die frist­lo­se Kün­di­gung des Dienst­ver­hält­nis­ses recht­fer­ti­gen. Das Gericht wies die Kla­ge des Lei­ters einer Ein­rich­tung des Gemein­de- und Städ­te­bun­des gegen die frist­lo­se Kün­di­gung sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses, für das die Gel­tung des Beam­ten­rechts ver­ein­bart war, ab. Der Klä­ger hat­te unter ande­rem für Semi­na­re, die gebüh­ren­pflich­tig für Beschäf­tig­te kom­mu­na­ler Gebiets­kör­per­schaf­ten gege­ben wur­den, sowie für Gut­ach­ter­tä­tig­keit für den Städ­te- und Gemein­de­bund neben sei­nem regu­lä­rem Gehalt in den letz­ten zehn Jah­ren ins­ge­samt knapp 200.000,- € erhal­ten, obwohl Beam­te nach der Neben­tä­tig­keits­ver­ord­nung jähr­lich nicht mehr als 5.000,- € an Neben­ein­künf­ten im Öffent­li­chen Dienst erzie­len dür­fen.

Frist­lo­se Kün­di­gung wegen Neben­tä­tig­kei­ten

Vor Gericht argu­men­tier­te der Klä­ger, dass dies gän­gi­ge Pra­xis gewe­sen, und gegen die Neben­tä­tig­keits­ver­ord­nung schon des­halb nicht ver­sto­ßen wor­den sei, weil die Semi­nar­lei­tung zu den dienst­li­chen Pflich­ten sei­nes Haupt­am­tes gehört hät­te. Nach Auf­fas­sung des Gerichts hät­te er dann erst recht neben sei­nem regu­lä­ren Gehalt (nach A 16 plus Ver­bands­zu­la­ge und Dienst­wa­gen) kei­ne wei­te­re Ver­gü­tung bezie­hen dür­fen. Die behaup­te­te Dul­dung sei­nes Ver­hal­tens durch Vor­ge­setz­te wäre ihrer­seits rechts­wid­rig gewe­sen, so dass hier­aus nichts zuguns­ten des Klä­gers fol­gen kön­ne.

Ein wei­te­rer Kün­di­gungs­grund lag dar­in, dass der Klä­ger einen Teil der ille­ga­len Zusatz­ver­gü­tung über Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge abrech­ne­te, deren fin­gier­te Rech­nun­gen er als "sach­lich rich­tig" abzeich­ne­te und zur Aus­zah­lung brin­gen ließ. Dass dabei kei­ne Steu­ern hin­ter­zo­gen wor­den sei­en, glaub­te die Kam­mer dem Klä­ger nicht.
Der Vor­sit­zen­de Rich­ter hat die Vor­gän­ge inzwi­schen bei der Lan­des­re­gie­rung, dem Lan­des­rech­nungs­hof, dem Finanz­amt sowie der Staats­an­walt­schaft Mainz zur Anzei­ge gebracht."

Arbeits­ge­richt Mainz, Urteil vom 19. Janu­ar 2009 – 4 Ca 1795/​08