Fuß­ball­trai­ner schlägt Fuß­ball­spie­ler

Das drei­ma­li­ge Schla­gen mit dem Hand­bal­len der Hand auf die Stirn eines Fuß­ball­spie­lers recht­fer­tigt die frist­lo­se Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses des Fuß­ball­trai­ners, wenn die­se mit eini­ger Hef­tig­keit aus­ge­führt wer­den. Auf äuße­re Ver­let­zun­gen des Spie­lers kommt es nicht an.

Fuß­ball­trai­ner schlägt Fuß­ball­spie­ler

Das ent­schied jetzt das Arbeits­ge­richt Kiel auf die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge eines Fuß­ball­trai­ners, dem wegen eben die­ser Tät­lich­kei­ten – nach einem ver­lo­re­nen Spiel in der Kabi­ne – frist­los gekün­digt wor­den war. Der Fuß­ball­spie­ler hat durch die Aus­ein­an­der­set­zung in der Kabi­ne kei­ne psy­chi­schen Stö­run­gen und auch kei­ne kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen davon­ge­tra­gen. Er ist am nächs­ten Tag ord­nungs­ge­mäß zum Trai­ning erschie­nen. Er hat sich nicht wegen Kör­per­ver­let­zung krank gemel­det und konn­te am nächs­ten Tag unein­ge­schränkt trai­nie­ren. Er hat sich nach dem Spiel auch nicht in ärzt­li­che Behand­lun­gen bege­ben und hat sich weder beim Phy­sio­the­ra­peu­ten der Mann­schaft vor­ge­stellt noch hat er sich in Behand­lung des Mas­seurs bege­ben, um ggf. Ver­let­zun­gen behan­deln zu las­sen.

Das Arbeits­ge­richt Kiel hielt die Kün­di­gung gleich­wohl für gerecht­fer­tigt: Bei schwe­ren Tät­lich­kei­ten kann schon ein ein­ma­li­ger Vor­fall einen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung geben, ohne dass der Arbeit­ge­ber noch abmah­nen oder begrün­den müss­te, es bestehe Wie­der­ho­lungs­ge­fahr 1. Dies ist nach Über­zeu­gung des Arbeits­ge­richt gege­ben, da in dem Ver­hal­ten des Trai­ners eine Kör­per­ver­let­zung in Form einer kör­per­li­chen Miß­hand­lung lie­ge.

Gemäß § 223 StGB ist eine Kör­per­ver­let­zung ein Ein­griff in die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit in Form einer kör­per­li­chen Miss­hand­lung oder Gesund­heits­schä­di­gung. Dabei ist eine kör­per­li­che Miss­hand­lung jede üble, unan­ge­mes­se­ne Behand­lung, die das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den oder die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit nicht nur uner­heb­lich beein­träch­tigt. Hier­bei ist nicht erfor­der­lich, dass die Behand­lung Schmer­zen ver­ur­sacht. Auch wenn bei einem 3‑maligen Schla­gen mit dem Hand­bal­len der fla­chen Hand kei­ne äußer­li­chen Ver­let­zungs­fol­gen fest­zu­stel­len sind, ist dies als Kör­per­ver­let­zung in Form der kör­per­li­chen Miss­hand­lung zu wer­ten. Die kör­per­li­che Wir­kung von 3 Schlä­gen auf die Stirn, die mit eini­ger Hef­tig­keit aus­ge­führt wer­den, stel­len eine üble unan­ge­mes­se­ne Behand­lung dar, auch wenn die Beein­träch­ti­gun­gen nur kurz anhal­ten. Jeden­falls sind sie mehr als eine bloß uner­heb­li­che Beein­träch­ti­gung des kör­per­li­chen Wohl­be­fin­dens 2.

Ob der Arbeits­rich­ter selbst ein­mal Fuß­ball gespielt hat, lässt sich dem Urteil nicht ent­neh­men.

Arbeits­ge­richt Kiel, Urteil vom 21. Janu­ar 2010 – 5 Ca 1958 d/​09

  1. BAG 31.03.1993, EzA § 626 BGB Aus­schluss­frist Nr. 5[]
  2. vgl. zum deut­li­chen Sach­ver­halt: Ohr­fei­ge – BGH, NJW 1990, § 156, 3157; BGH 22.11.1991, 2 StR 225/​91[]