GbR oder ihr Gesell­schaf­ter als Arbeit­ge­ber? – und der rich­ti­ge Beklag­te für die Kündigungsschutzklage

Die Par­tei­en eines Pro­zes­ses sind vom Klä­ger in der Kla­ge­schrift zu bezeich­nen. Ist eine Bezeich­nung nicht ein­deu­tig, ist die Par­tei durch Aus­le­gung zu ermit­teln. Selbst bei äußer­lich ein­deu­ti­ger, aber offen­kun­dig unrich­ti­ger Bezeich­nung ist grund­sätz­lich die­je­ni­ge Per­son als Par­tei ange­spro­chen, die erkenn­bar durch die Par­tei­be­zeich­nung betrof­fen wer­den soll [1]. Es kommt dar­auf an, wel­cher Sinn der von der kla­gen­den Par­tei in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Par­tei­be­zeich­nung bei objek­ti­ver Wür­di­gung des Erklä­rungs­in­halts bei­zu­le­gen ist [2]. Ent­schei­dend ist die Wah­rung der recht­li­chen Iden­ti­tät. Bleibt die Par­tei nicht die­sel­be, liegt kei­ne „Berich­ti­gung“ vor, son­dern es wird im Wege der Par­tei­än­de­rung eine ande­re Par­tei in den Pro­zess ein­ge­führt. Eine unge­naue oder erkenn­bar fal­sche Par­tei­be­zeich­nung ist hin­ge­gen unschäd­lich und kann jeder­zeit von Amts wegen rich­tig gestellt wer­den [3].

GbR oder ihr Gesell­schaf­ter als Arbeit­ge­ber? – und der rich­ti­ge Beklag­te für die Kündigungsschutzklage

Für die Par­tei­stel­lung in einem Pro­zess ist nicht allein die for­mel­le Bezeich­nung der Par­tei in der Kla­ge­schrift maß­ge­bend [4]. Ergibt sich in einem Kün­di­gungs­schutz­pro­zess aus den gesam­ten erkenn­ba­ren Umstän­den, etwa aus dem der Kla­ge­schrift bei­gefüg­ten Kün­di­gungs­schrei­ben, wer als beklag­te Par­tei gemeint ist, ist die Berich­ti­gung des Rubrums regel­mä­ßig mög­lich [5]. Dies gilt etwa dann, wenn sich aus der Kla­ge­schrift oder den bei­gefüg­ten Unter­la­gen ent­neh­men lässt, wer gekün­digt hat, und der Arbeit­neh­mer mit sei­ner Kla­ge gegen die Kün­di­gung sei­nes Arbeit­ge­bers vor­ge­hen will. Für die Annah­me, der Arbeit­neh­mer habe nicht sei­nen Arbeit­ge­ber, son­dern eine ande­re Ein­rich­tung ver­kla­gen wol­len, bedarf es beson­de­rer Anhalts­punk­te [2]. Das gilt umso mehr, als es die Ver­fas­sung gebie­tet, den Zugang zu den Gerich­ten nicht in einer aus Sach­grün­den nicht gerecht­fer­tig­ten Wei­se zu erschwe­ren. Dem­entspre­chend darf eine Kla­ge­er­he­bung nicht an unvoll­stän­di­gen oder feh­ler­haf­ten Bezeich­nun­gen der Par­tei­en schei­tern, solan­ge die­se Män­gel kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an dem wirk­lich Gewoll­ten auf­kom­men las­sen [6]. Dies gilt auch dann, wenn irr­tüm­lich eine tat­säch­lich exis­tie­ren­de (juris­ti­sche oder natür­li­che) Per­son genannt wird, falls denn aus der Kla­ge­schrift und/​oder etwai­gen Anla­gen unzwei­fel­haft deut­lich wird, wel­che Par­tei tat­säch­lich gemeint ist [7].

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze hat die Klä­ge­rin ihre Kla­ge von vorn­her­ein – auch – gegen die Beklag­te als ihre Arbeit­ge­be­rin gerichtet.

Zwar wirkt eine gegen einen Gesell­schaf­ter einer GbR gerich­te­te Kla­ge nicht auto­ma­tisch gegen die Gesell­schaft. Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) – wie die Beklag­te – ist rechts­fä­hig, sofern sie durch Teil­nah­me am Rechts­ver­kehr eige­ne Rech­te und Pflich­ten begrün­det. Inso­weit ist sie im Zivil­pro­zess par­tei­fä­hig [8] und kann als sol­che ver­klagt werden.

Die Kla­ge­schrift ist jedoch in die­sem Sin­ne aus­zu­le­gen. Die Klä­ge­rin hat die ursprüng­li­che Beklag­te zu 2)) aus­drück­lich als Gesell­schaf­te­rin der – jet­zi­gen – Beklag­ten bezeich­net. Dadurch ging bei­der recht­li­che Ver­bin­dung bereits aus der Kla­ge­schrift her­vor. Der Kla­ge war über­dies das von der Beklag­ten ver­fass­te Kün­di­gungs­schrei­ben bei­gefügt. Aus­weis­lich des­sen nahm die Beklag­te die Arbeit­ge­ber­stel­lung gegen­über der Klä­ge­rin in Anspruch. Damit konn­te nicht zwei­fel­haft sein, dass die Klä­ge­rin in Wirk­lich­keit die GbR als ihre Arbeit­ge­be­rin und nicht eine ihrer Gesell­schaf­te­rin­nen per­sön­lich – die ersicht­lich kei­ne Arbeit­ge­ber­stel­lung inne­hat­te – in Anspruch neh­men wollte.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 2 AZR 1057/​12

  1. BAG 28.08.2008 – 2 AZR 279/​07, Rn. 14; 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, Rn. 12[]
  2. BAG 28.08.2008 – 2 AZR 279/​07, aaO[][]
  3. BAG 28.08.2008 – 2 AZR 279/​07, aaO; 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, aaO[]
  4. BAG 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, Rn. 13; 21.09.2006 – 2 AZR 573/​05, Rn. 25[]
  5. BAG 28.08.2008 – 2 AZR 279/​07, Rn. 15; 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, aaO[]
  6. vgl. BVerfG 9.08.1991 – 1 BvR 630/​91; BAG 28.08.2008 – 2 AZR 279/​07, aaO[]
  7. BAG 12.02.2004 – 2 AZR 136/​03, zu B I 1 b der Grün­de[]
  8. BAG 1.12 2004 – 5 AZR 597/​03, zu II 1 der Grün­de, BAGE 113, 50; BGH 29.01.2001 – II ZR 331/​00BGHZ 146, 341[]