Gegen­stands­wert für einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag

Der Gegen­stands­wert für einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag, auch wenn er als unech­ter Hilfs­an­trag für den Fall des Obsie­gens mit Kün­di­gungs­schutz­an­trä­gen gestellt wor­den ist, ist nach Ansicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg geson­dert mit nur einer Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung zu bewer­ten. Der Gegen­stands­wert für zwei Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trä­ge, die einer­seits auf den all­ge­mei­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch und ande­rer­seits auf den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch (§ 102 Abs. 5 BetrVG) gestützt wer­den, ist jeden­falls dann für bei­de Anträ­ge ein­heit­lich mit nur einer Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung zu bewer­ten, wenn im maß­ge­ben­den Zeit­punkt der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung die Kün­di­gungs­frist bereits abge­lau­fen war.

Gegen­stands­wert für einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg ist der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag mit einer Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung zu bewer­ten 1. Auch wenn neben dem Antrag auf Fest­stel­lung, dass eine Kün­di­gung das Arbeits­ver­hält­nis nicht been­det hat, hilfs­wei­se der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag nur für den Fall des Obsie­gens gestellt wird, so sind bei­de Kla­ge­an­trä­ge getrennt zu bewer­ten und zur Berech­nung des Gegen­stands­wer­tes zu addie­ren 2. Von die­ser Recht­spre­chung abzu­ge­hen besteht nach erneu­ter Über­prü­fung für das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg kein Anlass.

Der betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag hat einen eige­nen Wir­kungs­zeit­raum, denn liegt der Zeit­punkt des erst­in­stanz­li­chen Urteils hin­ter der Kün­di­gungs­frist der ordent­li­chen Kün­di­gung, hat die Klä­ge­rin bereits einen Anspruch auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung bis zu einem erst­in­stanz­li­chen Urteil. Die­ser begrenz­te Zeit­raum wird vom all­ge­mei­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag nicht erfasst.

In die­sem Zusam­men­hang ist aber dar­auf Bedacht zu neh­men, wel­che recht­li­chen Fol­gen mit den Kla­ge­an­trä­gen ver­langt wor­den sind. Sind die­se recht­li­chen Fol­gen iden­tisch, ist von einem ein­heit­li­chen Wert für bei­de Kla­ge­an­trä­ge aus­zu­ge­hen 3. Über den Zeit­raum nach Ablauf der Kün­di­gungs­frist bis zur erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung hät­te nicht ent­schie­den wer­den kön­nen, denn eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung für die Ver­gan­gen­heit ist recht­lich und tat­säch­lich aus­ge­schlos­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist vom Arbeits­ge­richt mit Recht für bei­de Kla­ge­an­trä­ge ein Gegen­stands­wert ins­ge­samt in Höhe einer Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung ange­setzt wor­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 6. Juni 2012 – 4 Ta 12/​12

  1. vgl. nur LAG Ham­burg, Beschlüs­se vom 02.09.2002 – 7 Ta 21/​02; und vom 30. Juni 2005 – 8 Ta 5/​05[]
  2. LAG Ham­burg, Beschluss vom 12.08.2011 – 4 Ta 17/​11[]
  3. so bereits LAG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 08.05.2007 – 6 Ta 99/​07, EzA-SD 2007, Nr. 14, 16[]