Gegen­stands­wert meh­re­rer Kün­di­gungs­schutz­kla­gen

Rechts­grund­la­ge für die Bemes­sung des nach § 63 GKG fest­zu­set­zen­den Gegen­stands­werts für die Gerichts­ge­büh­ren bil­det § 42 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz GKG. Danach ist für die Wert­be­rech­nung bei Rechts­strei­tig­kei­ten über die Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses höchs­tens der Betrag des für die Dau­er eines Vier­tel­jah­res zu leis­ten­den Arbeits­ent­gelts maß­ge­bend. Dabei ist im Regel­fall der Drei­mo­nats­ver­dienst fest­zu­set­zen, es sei denn, der Bestand des Arbeits­ver­hält­nis­ses wird für einen gerin­ge­ren Zeit­raum gel­tend gemacht 1.

Gegen­stands­wert meh­re­rer Kün­di­gungs­schutz­kla­gen

Eine sol­che Antrags­be­schrän­kung lag in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nicht vor. Der Klä­ger hat ohne zeit­li­che Ein­gren­zung Kün­di­gungs­schutz­kla­ge erho­ben. Der Gerichts­ge­büh­ren­wert war auch nicht des­halb unter­halb der Höchst­gren­ze des § 42 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz GKG fest­zu­set­zen, weil die Beklag­te neben der vor­lie­gen­den Kün­di­gung wei­te­re Kün­di­gun­gen erklärt hat, die Gegen­stand wei­te­rer zwi­schen den Par­tei­en geführ­ter Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­se sind bzw. waren. Dies gilt unge­ach­tet des Umstands, dass die betref­fen­den Kün­di­gun­gen in einem zeit­li­chen Abstand von weni­ger als drei Mona­ten zur vor­lie­gen­den Kün­di­gung erklärt wur­den.

Die Wert­be­rech­nung bei Aus­spruch meh­re­rer Kün­di­gun­gen, die der Arbeit­neh­mer in unter­schied­li­chen Ver­fah­ren ange­grif­fen hat, ist in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te umstrit­ten. Nach einer Ansicht soll grund­sätz­lich für jedes Ver­fah­ren der Höchst­wert von drei Monats­ver­diens­ten berech­net wer­den, selbst wenn sich bei einer Bün­de­lung in einem Ver­fah­ren ein gerin­ge­rer Wert erge­ben hät­te 2. Nach ande­rer Auf­fas­sung soll es kei­nen Unter­schied machen, ob meh­re­re Kün­di­gun­gen in einem oder getrenn­ten Ver­fah­ren ange­grif­fen wer­den. Auch bei getrenn­ter Pro­zess­füh­rung sei dar­auf abzu­stel­len, ob sich die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen, die in den getrennt geführ­ten Pro­zes­sen ver­folgt wer­den, teil­wei­se decken. Es kön­ne nicht von der zufäl­li­gen Hand­ha­bung abhän­gen, wie sich der Gegen­stands­wert berech­ne. Wie bei der Kumu­la­ti­on aller Kla­ge­an­trä­ge in einem ein­heit­li­chen Ver­fah­ren sei ein Fol­ge­pro­zess, der eine von meh­re­ren Kün­di­gun­gen zum Gegen­stand habe, ggf. gerin­ger zu bewer­ten 3.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt schließt sich der erst­ge­nann­ten Auf­fas­sung an. Die Wert­be­rech­nung rich­tet sich nach dem pro­zes­sua­len Anspruch, der in dem jewei­li­gen Rechts­streit ver­folgt wird. Bestim­mend ist der erho­be­ne Antrag. Wer­den in einer Kla­ge meh­re­re Kün­di­gun­gen ange­grif­fen, han­delt es sich um unter­schied­li­che Streit­ge­gen­stän­de mit der Fol­ge, dass grund­sätz­lich nach § 45 Abs. 1 Satz 1 GKG eine Addi­ti­on der Gegen­stands­wer­te vor­zu­neh­men ist. Betref­fen die in einer Kla­ge erho­be­nen Ansprü­che aller­dings den­sel­ben Gegen­stand, ist (nur) der Wert des höhe­ren Anspruchs maß­ge­bend, § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG. Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen mag in Fäl­len einer objek­ti­ven Häu­fung meh­re­rer Kün­di­gungs­schutz­an­trä­ge Berück­sich­ti­gung fin­den, dass sich das Kla­ge­ziel in zeit­li­cher Hin­sicht – ggf. auch nur teil­wei­se – deckt. Wer­den die ver­schie­de­nen Kün­di­gun­gen dem­ge­gen­über in unter­schied­li­chen Pro­zes­sen ange­grif­fen, fehlt für eine Anrech­nung der jewei­li­gen Gegen­stands­wer­te eine Rechts­grund­la­ge 4. Die Fra­ge, ob ein Anwalt durch eine sol­che Ver­fah­rens­ge­stal­tung ver­meid­ba­re Kos­ten ver­ur­sacht, ist für die Bemes­sung des Gegen­stands­werts ohne Bedeu­tung.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 19. Okto­ber 2010 – 2 AZN 194/​10 (A)

  1. GMPM/​Germelmann ArbGG 7. Aufl. § 12 Rn. 103[]
  2. bspw. LAG Nürn­berg 23.06.1987 – 4 Ta 6/​85, LAGE ArbGG 1979 § 12 Streit­wert Nr. 78[]
  3. bspw. LAG Düs­sel­dorf 08.11.2007 – 6 Ta 590/​07; aus­führ­lich zum Mei­nungs­stand: GMPM/​Germelmann 7. Aufl. § 12 ArbGG Rn. 106 ff.[]
  4. vgl. ErfK/​Koch 10. Aufl. § 12 Rn. 16[]