Gehalt und Ver­gü­tung in der Aus­bil­dung

Die Ent­schei­dung, wie es nach dem Schul­ab­schluss in beruf­li­cher Hin­sicht wei­ter­ge­hen soll, ist eine der schwie­rigs­ten, die ein jun­ger Mensch in sei­nem Leben tref­fen muss. Aus­bil­dung oder Stu­di­um? In wel­che Rich­tung will man sich ent­wi­ckeln, wel­che beruf­li­che Per­spek­ti­ve ein­schla­gen? Ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um bei der Berufs­wahl ist für vie­le nach wie vor das Gehalt, denn wäh­rend Stu­den­ten meist noch lan­ge auf die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ihrer Eltern ange­wie­sen sind, ver­die­nen Azu­bis bereits ab dem ers­ten Lehr­jahr ihr eige­nes Geld. Doch mit wie viel Lohn kön­nen Aus­zu­bil­den­de rech­nen und wie viel bleibt am Ende vom Brut­to­ge­halt noch übrig? Haben eigent­lich auch Aus­zu­bil­den­de ein Recht auf finan­zi­el­le Unter­stüt­zung? Alles rund um Gehalt und Ver­gü­tung in der Aus­bil­dung lesen Sie in die­sem Bei­trag.

Gehalt und Ver­gü­tung in der Aus­bil­dung

Lohn, Gehalt oder Ver­gü­tung?

Die Begrif­fe Lohn und Gehalt wer­den oft syn­onym benutzt, mei­nen aber streng­ge­nom­men zwei unter­schied­li­che Din­ge. So bezieht sich der Lohn auf die tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­stun­den, die von Monat zu Monat vari­ie­ren kön­nen – zum Bei­spiel bei Krank­heit oder wenn man Urlaub nimmt. Das Gehalt beschreibt dage­gen einen monat­lich fes­ten Betrag, den man unab­hän­gig von sei­ner tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­zeit erhält. Wie ande­re Arbeit­neh­mer auch bekommt man wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung ein fes­tes Gehalt, die soge­nann­te Aus­bil­dungs­ver­gü­tung. Die­se erhält man als Gegen­leis­tung für sei­ne erbrach­te Arbeit.

Wie viel Gehalt bekommt man wäh­rend der Aus­bil­dung?

Die Höhe der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung wird im Aus­bil­dungs­ver­trag schrift­lich fest­ge­legt und hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. So kann das Aus­bil­dungs­ge­halt je nach Bran­che und Bun­des­land sehr stark vari­ie­ren. Wäh­rend einem Bank­kauf­mann in West­deutsch­land bereits im ers­ten Lehr­jahr 990 € brut­to zuste­hen, bekommt ein Fri­seur in Ost­deutsch­land nur einen Bruch­teil davon, näm­lich gera­de ein­mal 325 €. Nach § 17 BBiG (Berufs­bil­dungs­ge­setz) muss die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung aber nach Lehr­jah­ren gestaf­felt sein. Das heißt, dass Azu­bis im zwei­ten und drit­ten Lehr­jahr ein höhe­res Gehalt zusteht als zu Beginn ihrer Aus­bil­dung. Das liegt dar­an, dass die Nach­wuchs­kräf­te sich mit der Zeit immer mehr Wis­sen und Fähig­kei­ten aneig­nen und das Unter­neh­men zuneh­mend mit ihrer Arbeits­leis­tung unter­stüt­zen kön­nen.

Die Tat­sa­che, dass die Aus­bil­dung in ers­ter Linie dazu dient, sich Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten anzu­eig­nen, ist auch der Grund dafür, dass Aus­zu­bil­den­de kei­nen Anspruch auf die Zah­lung des gesetz­li­chen Min­dest­lohns haben. Azu­bis befin­den sich näm­lich nicht in einem Arbeits‑, son­dern einem Bil­dungs­ver­hält­nis, in dem der Fokus auf dem Ler­nen lie­gen soll­te. Natür­lich haben Aus­zu­bil­den­de genau wie ihre in Voll­zeit beschäf­tig­ten Kol­le­gen einen Anspruch auf Lohn­fort­zah­lung wäh­rend des Urlaubs und bei Krank­heit. Dar­über hin­aus gilt auch die Zeit, die man in der Berufs­schu­le ver­bringt, als bezahl­te Arbeits­zeit.

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Streng genom­men gilt die Aus­bil­dung nicht als Arbeits‑, son­dern als Bil­dungs­ver­hält­nis. Dar­um steht den Aus­zu­bil­den­den nicht wie ande­ren Arbeit­neh­mern der gesetz­li­che Min­dest­lohn zu.

Was hat es mit den Tarif­ver­trä­gen auf sich?

Oft rich­tet sich die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung auch nach dem Tarif­ver­trag. Die­ser wird zwi­schen Arbeit­ge­ber­ver­band und Gewerk­schaf­ten geschlos­sen und macht unter ande­rem Anga­ben zur Ver­gü­tung inner­halb einer Bran­che. Im Tarif­ver­trag fin­det sich auch eine Tabel­le, in der die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung fest­ge­hal­ten ist. Wenn der jewei­li­ge Aus­bil­dungs­be­trieb nicht tarif­lich gebun­den ist, besteht trotz­dem ein Anspruch auf min­des­tens 80 Pro­zent der bran­chen­üb­li­chen tarif­li­chen Ver­gü­tung. Andern­falls wür­de die Ver­gü­tung nicht mehr als ange­mes­sen gel­ten. Gibt es für die Bran­che kei­nen Tarif­ver­trag, kann man die Richt­wer­te für eine ange­mes­se­ne Aus­bil­dungs­ver­gü­tung meist bei den zustän­di­gen Stel­len wie IHK und Hand­werks­kam­mer ein­se­hen.

Wie viel Net­to­ein­kom­men bleibt vom Brut­to­ge­halt übrig?

Ab einem gewis­sen Lohn­ni­veau müs­sen Arbeit­neh­mer Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben von ihrem Brut­to­ge­halt abtre­ten. Das gilt auch für Aus­zu­bil­den­de. Die Steu­er­zah­lun­gen set­zen sich aus Lohn- und Kir­chen­steu­er sowie dem Soli­da­ri­täts­zu­schlag zusam­men, müs­sen in der Aus­bil­dung aber nur gezahlt wer­den, wenn man monat­lich mehr als 950€ ver­dient. Das ist aber in den meis­ten Aus­bil­dungs­be­ru­fen nicht der Fall. Die ein­zi­gen Abzü­ge, die am Anfang der Aus­bil­dung anste­hen, sind also in der Regel die Sozi­al­ab­ga­ben. Dazu zäh­len Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sowie die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Auch hier gibt es aller­dings eine Aus­nah­me. Ver­dient man weni­ger als 325€ im Monat, ist man auch von der Zah­lung der Sozi­al­ab­ga­ben befreit. Dann ent­spricht das Brut­to- dem Net­to­ge­halt.

Wann besteht wäh­rend der Aus­bil­dung Anspruch auf finan­zi­el­le Unter­stüt­zung?

Dass Lehr­jah­re kei­ne Her­ren­jah­re sind, bekom­men vie­le Aus­zu­bil­den­de am eige­nen Leib zu spü­ren. Die Freu­de, end­lich unab­hän­gig von den Eltern zu sein ist oft­mals so groß, dass man die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung sei­tens der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten nicht in Anspruch neh­men will. Dann reicht die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung aller­dings kaum, um sei­nen Lebens­un­ter­halt zu finan­zie­ren. Erfreu­li­cher­wei­se gibt es jedoch ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, zusätz­li­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung zu bezie­hen. Dazu gehört die Berufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe (BAB). Die­se steht Aus­zu­bil­den­den mit deut­scher Staats­bür­ger­schaft wäh­rend ihrer ers­ten Berufs­aus­bil­dung zu, wenn sie in einer eige­nen Woh­nung leben. Die BAB hängt aller­dings vom Ein­kom­men des Azu­bis und dem der Eltern ab. Ver­die­nen die Eltern zu viel, kann es also sein, dass dem Aus­zu­bil­den­den die Berufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe ver­wehrt wird.

Dann haben Aus­zu­bil­den­de unter 25 Jah­re aber immer noch die Mög­lich­keit, sich das Kin­der­geld aus­zah­len zu las­sen. Ver­weh­ren die Eltern dies, kann man bei der Kin­der­geld­stel­le einen spe­zi­el­len Antrag stel­len, damit das Geld direkt auf das Kon­to des Aus­zu­bil­den­den über­wie­sen wird. Wur­de die BAB abge­lehnt, besteht zudem die Mög­lich­keit, Wohn­geld bzw. Miet­bei­hil­fe zu bean­tra­gen. Die bes­ten Chan­cen haben dabei Azu­bis, die sich in ihrer zwei­ten Aus­bil­dung befin­den, voll­jäh­rig sind und allei­ne woh­nen.

Darf man in der Aus­bil­dung einen Neben­job aus­üben?

Wer sich neben der Aus­bil­dung noch etwas dazu ver­die­nen möch­te, kann natür­lich auch einen Neben­job anneh­men. Das ist näm­lich auch in einer Voll­zeit­aus­bil­dung erlaubt, wenn man nicht mehr als 450 € im Monat ver­dient. Den Aus­bil­dungs­be­trieb soll­te man unbe­dingt über sei­nen Neben­ver­dienst infor­mie­ren, der kann die Aus­übung des Jobs näm­lich ver­wei­gern, wenn die Arbeits­leis­tung in der Aus­bil­dung unter dem Neben­job lei­det oder die­ser in einem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men des Aus­bil­ders statt­fin­det. Zu beach­ten ist auch, dass die Zah­lung von Kin­der- und Wohn­geld ent­fällt, sobald man ein gewis­ses monat­li­ches Ein­kom­men über­schrit­ten hat.

Jugendliche
Die JAV ist die Inter­es­sen­ver­tre­tung der Aus­zu­bil­den­den und jun­gen Beschäf­tig­ten in einem Betrieb. Sie fun­giert als kom­pe­ten­ter Ansprech­part­ner, wenn mit der Zah­lung der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung etwas nicht stimmt.

Aus­bil­dungs­ver­gü­tung stimmt nicht? JAV ein­schal­ten!

Der Arbeit­ge­ber muss die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung vor Ablauf des Monats zah­len. Wenn das Gehalt aus­bleibt oder nur unre­gel­mä­ßig kommt, Über­stun­den weder ver­gü­tet noch durch Frei­zeit aus­ge­gli­chen wer­den und krank­heits­be­ding­te Fehl­ta­ge vom Lohn abge­zo­gen wer­den, kön­nen Azu­bis die Leis­tun­gen, die ihnen zuste­hen, gel­tend machen. Wer sich unsi­cher ist, kann sich dazu zunächst auch an die Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung (JAV) wen­den. Die JAV hilft jun­gen Beschäf­tig­ten und Aus­zu­bil­den­den, ihre Rech­te und Inter­es­sen im Betrieb zu ver­tre­ten. Dazu gehört auch, dar­auf zu ach­ten, dass der Arbeit­ge­ber Geset­ze und Tarif­ver­trä­ge ein­hält und die Ver­gü­tung der Aus­zu­bil­den­den pünkt­lich zahlt. Damit die Mit­glie­der der JAV über das Wis­sen und die Fer­tig­kei­ten ver­fü­gen, die für die­se wich­ti­ge Auf­ga­be von­nö­ten sind, müs­sen sie regel­mä­ßig an Schu­lun­gen und Semi­na­ren teil­neh­men.

Theo­re­tisch kann übri­gens jeder Aus­zu­bil­den­de JAV-Mit­glied wer­den und sich damit selbst für die Rech­te und Inter­es­sen der Azu­bis stark machen. Dafür muss man sich ledig­lich selbst zur Wahl stel­len. Die­se fin­det alle zwei Jah­re zwi­schen Okto­ber und Novem­ber statt.