Gehalts­er­hö­hung – als betrieb­li­che Übung

Unter einer betrieb­li­chen Übung ist die regel­mä­ßi­ge Wie­der­ho­lung bestimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Arbeit­ge­bers zu ver­ste­hen, aus denen die Arbeit­neh­mer schlie­ßen kön­nen, ihnen sol­le eine Leis­tung oder eine Ver­güns­ti­gung auf Dau­er ein­ge­räumt wer­den.

Gehalts­er­hö­hung – als betrieb­li­che Übung

Aus die­sem als Ver­trags­an­ge­bot zu wer­ten­den Ver­hal­ten des Arbeit­ge­bers, das von den Arbeit­neh­mern in der Regel still­schwei­gend ange­nom­men wird (§ 151 BGB), erwach­sen ver­trag­li­che Ansprü­che auf die üblich gewor­de­nen Leis­tun­gen.

Erbringt der Arbeit­ge­ber die Leis­tun­gen für den Arbeit­neh­mer erkenn­bar auf­grund einer ande­ren Rechts­pflicht, kann der Arbeit­neh­mer nicht davon aus­ge­hen, ihm sol­le eine Leis­tung auf Dau­er unab­hän­gig von die­ser Rechts­pflicht gewährt wer­den 1.

Gewährt ein Arbeit­ge­ber sei­nen Arbeit­neh­mern wie­der­holt eine Erhö­hung der Löh­ne und Gehäl­ter, kann eine betrieb­li­che Übung selbst bei über Jah­re gleich­blei­ben­der Gehalts­er­hö­hungs­pra­xis nur ent­ste­hen, wenn deut­li­che Anhalts­punk­te in sei­nem Ver­hal­ten dafür spre­chen, er wol­le die Erhö­hun­gen auch ohne Bestehen einer Ver­pflich­tung künf­tig, dh. auf Dau­er vor­neh­men 2. Der nicht tarif­ge­bun­de­ne Arbeit­ge­ber will sei­ne Ent­schei­dungs­frei­heit über die künf­ti­ge Lohn- und Gehalts­ent­wick­lung behal­ten. Mit den frei­wil­li­gen Ent­gelt­stei­ge­run­gen ent­steht regel­mä­ßig ledig­lich ein Anspruch der Arbeit­neh­mer auf Fort­zah­lung des erhöh­ten Ent­gelts, nicht aber zugleich eine Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers, Erhö­hun­gen künf­tig über­haupt oder nach einem bestimm­ten Sche­ma vor­zu­neh­men 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. April 2016 – 5 AZR 311/​15

  1. BAG 19.03.2014 – 5 AZR 954/​12, Rn. 43[]
  2. vgl. zur Wei­ter­ga­be von Tari­fent­gelt­er­hö­hun­gen: BAG 19.10.2011 – 5 AZR 359/​10, Rn. 14; 24.02.2016 – 4 AZR 990/​13, Rn. 21[]
  3. vgl. BAG 19.10.2011 – 5 AZR 359/​10, Rn. 15; 24.02.2016 – 4 AZR 990/​13, Rn. 22[]