Gehalts­zah­lun­gen über das Kon­to der Ehe­frau

Die Gehalts­zah­lung über ein Kon­to der Ehe­frau des Arbeit­ge­bers stellt eine inkon­gru­en­te Deckung dar.

Gehalts­zah­lun­gen über das Kon­to der Ehe­frau

Die Befrie­di­gung erfolg­te nicht in der geschul­de­ten Art und war damit inkon­gru­ent. Der Arbeit­neh­mer hat­te kei­nen Anspruch auf die Erfül­lung über das Pri­vat­kon­to der Ehe­frau des Arbeit­ge­bers. Der Arbeit­ge­ber hat mit Hil­fe sei­ner Ehe­frau Mit­tel sei­nes Betriebs dem Zugriff der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit ent­zo­gen und eine bestimm­te Gläu­bi­ger­grup­pe, sei­ne Arbeit­neh­mer, bevor­zugt. Er hat sich sei­ner Ehe­frau bei der Zah­lung des Monats­ent­gelts nicht als Erfül­lungs­ge­hil­fin bedient.

Auf­grund der Inkon­gru­enz der Deckungs­hand­lung kommt dem Arbeit­neh­mer das Bar­ge­schäfts­pri­vi­leg des § 142 InsO nicht zugu­te. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 13.11.20141 aus­ge­führt. Die Vor­aus­set­zung, dass der Arbeit­neh­mer erken­nen konn­te, dass es sich um eine Leis­tung des Arbeit­ge­bers han­del­te2, ist im vor­lie­gen­den Streit­fall erfüllt: Die Zah­lung erfolg­te mit dem Zusatz "W Archi­tek­ten".

Der Arbeit­neh­mer erlang­te die inkon­gru­en­te Deckung Ende März 2008 und damit im zwei­ten Monat vor dem am 13.05.2008 beim Insol­venz­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Eigen­an­trag. Auch die erfor­der­li­che Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung iSd. § 129 InsO liegt vor. Das ergibt sich aus den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts in sei­ner Ent­schei­dung vom 13.11.20143.

Der Rück­for­de­rungs­an­spruch ist auch nicht ver­wirkt4.

Der Rück­ge­währ­an­spruch ist ab Insol­venz­eröff­nung mit fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz zu ver­zin­sen. Nach der gel­ten­den Rechts­la­ge ent­steht das Anfech­tungs­recht mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens und wird zugleich der Rück­ge­währ­an­spruch fäl­lig, weil die Insol­venz­an­fech­tung kei­ner geson­der­ten Erklä­rung bedarf5. Der Zins­lauf des Zins­an­spruchs (§ 143 Abs. 1 Satz 2 InsO, § 819 Abs. 1, § 291 Satz 1 Halbs. 2, § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB) beginnt dar­um am Tag nach der Insol­venz­eröff­nung6. Auch der Ein­wand des miss­bräuch­li­chen Ver­hal­tens steht dem gel­tend gemach­ten Zins­an­spruch nicht ent­ge­gen. Das blo­ße Aus­schöp­fen der Ver­jäh­rungs­frist begrün­det kei­nen Rechts­miss­brauch7.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Novem­ber 2014 – 6 AZR 631/​13

  1. BAG 13.11.2014 – 6 AZR 868/​13, Rn. 17 ff. []
  2. vgl. BAG 21.11.2013 – 6 AZR 159/​12, Rn. 13, BAGE 146, 323 []
  3. BAG 13.11.2014 – 6 AZR 869/​13, Rn. 32 bis 39 []
  4. vgl. BAG 13.11.2014 – 6 AZR 869/​13, Rn. 52 f. []
  5. vgl. BGH 1.02.2007 – IX ZR 96/​04, Rn.20, BGHZ 171, 38 []
  6. st. Rspr. seit BAG 27.02.2014 – 6 AZR 367/​13, Rn. 39 f. []
  7. vgl. BAG 27.11.2008 – 6 AZR 632/​08, Rn. 29, BAGE 128, 317 []