Gesun­der Arbeits­platz – Rech­te und Pflich­ten von Unternehmen

Das The­ma gesun­der Arbeits­platz gehört in Deutsch­land in den Bereich der Arbeits­si­cher­heit. Der Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz wird vom Gesetz­ge­ber als hohes Gut ange­se­hen, weil er die Grund­be­din­gung für die Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit der Mit­ar­bei­ten­den dar­stellt. Der Arbeit­ge­ber muss sei­nen Mit­ar­bei­ten­den einen siche­ren und auch gesun­den Arbeits­platz zur Ver­fü­gung stel­len, etwa durch hoch­wer­ti­ge Büromöbel.

Gesun­der Arbeits­platz – Rech­te und Pflich­ten von Unternehmen

Recht­grund­la­gen für Arbeit­ge­ber­pflich­ten in Sachen gesun­der Arbeitsplatz

Fra­gen zum The­men­be­reich gesun­der Arbeits­platz wer­den z. B. durch Ver­ord­nun­gen bezüg­lich der Bild­schirm­ar­beit und Beleuch­tun­gen am Arbeits­platz im Arbeits­si­cher­heits­ge­setz (ASiG) abge­deckt. Vor allem § 6 ASiG beinhal­tet ent­spre­chen­de Rege­lun­gen zur Arbeits­platz­ge­stal­tung. Auch § 4 Arbeits­schutz­ge­setz (Arb­SchG) nimmt sich des The­mas an. Eine wich­ti­ge, recht­li­che Grund­la­ge ist zudem die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättV), in der es wei­te­re Vor­ga­ben zur Arbeits­platz­ge­stal­tung gibt, z. B. die Beleuch­tung betreffend.

Gesun­de Hal­tung erhält die Arbeits­kraft – Des­halb sind gute Büro­mö­bel Pflicht

Im Rah­men sei­ner Für­sor­ge­pflicht ist der Arbeit­ge­ber nicht nur ver­ant­wort­lich für Schutz­maß­nah­men im tech­ni­schen Bereich. Er hat zudem Maß­nah­men zu ergrei­fen, durch die berufs­be­ding­ten Erkran­kun­gen vor­ge­beugt wird. Zu die­sen Erkran­kun­gen gehö­ren immer häufiger:

  • Rücken­schmer­zen durch unbe­que­me Bürostühle
  • Kopf­schmer­zen durch stun­den­lan­ges Sit­zen vor einem Bildschirm
  • Nacken­schmer­zen durch schlech­te Hal­tung auf­grund unge­eig­ne­ter Schreibtische
  • Über­ge­wicht auf­grund von zu wenig Bewegung

Durch sol­che und wei­te­re Fak­to­ren am Arbeits­platz ist die Gesund­heit und damit Arbeits­fä­hig­keit der Mit­ar­bei­ten­den bedroht. Schlech­te Hal­tung und dar­aus resul­tie­ren­de Schmer­zen kön­nen dar­über hin­aus auch zu psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen füh­ren. Aus die­sem Grund sor­gen vie­le Unter­neh­men inzwi­schen für hoch­wer­ti­ges, gesund­heits­för­dern­des Büro­mo­bi­li­ar und stel­len ihren Arbeit­neh­mern bei­spiels­wei­se ergo­no­mi­sche Büro­stüh­le und elek­trisch höhen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche zur Verfügung.

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Pflicht zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung von Arbeitsplätzen

Um ange­mes­se­ne Arbeits­schutz­maß­nah­men ergrei­fen zu kön­nen, ist es für Arbeit­ge­ber wich­tig, die Gefah­ren zu ken­nen, die ein vor­han­de­ner Arbeits­platz beinhal­tet. Des­halb ist er gemäß § 5 Arbeits­schutz­ge­setz (Arb­SchG) ver­pflich­tet, eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung vor­zu­neh­men bzw. vor­neh­men zu las­sen. Grund­la­ge einer sol­chen Beur­tei­lung bil­den in der Regel die „Leit­li­nie Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Doku­men­ta­ti­on“ sowie die „Emp­feh­lun­gen zur Umset­zung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung psy­chi­scher Belas­tun­gen“. Die­se Beur­tei­lung dient dann dazu, not­wen­di­ge Maß­nah­men zu ergrei­fen, etwa gesund­heits­för­dern­de Büro­mö­bel, eine aus­rei­chend hel­le Beleuch­tung und ähn­li­ches anzu­schaf­fen. In die­sem Bereich haben laut § 87 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) gewähl­te Betriebs­rä­te ein Mit­be­stim­mungs­recht, aller­dings nur bezüg­lich der Beur­tei­lung der Gefähr­dun­gen sowie gewünsch­ten Arbeits­schutz­maß­nah­men. Die Rea­li­sie­rung sol­cher Maß­nah­men kön­nen von einem Betriebs­rat nicht gesetz­lich ein­ge­for­dert wer­den. In vie­len Unter­neh­men gibt es aller­dings Betriebs­ver­ein­ba­run­gen, in denen soge­nann­te Mit­re­ge­lungs­be­fug­nis­se fest­ge­schrie­ben sind.

Ergo­no­mie als Fak­tor für einen gesun­den Arbeitsplatz

Das Stich­wort Ergo­no­mie gewinnt im Zusam­men­hang mit einem gesun­den Arbeits­platz immer mehr an Bedeu­tung. So wird in § 3 Absatz 1 ArbStättV (Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Arbeit­ge­ber im Rah­men der Arbeits­platz­ein­rich­tung sowie dem Betrei­ben von Arbeits­stät­ten die dafür not­wen­di­gen Maß­nah­men durch­zu­füh­ren hat.

Dabei muss er den aktu­el­len Stand in den Berei­chen Tech­nik, Arbeits­me­di­zin sowie Hygie­ne eben­so berück­sich­ti­gen, wie die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les in § 7 Absatz 4 ArbStättV erwähn­ten Regeln zu den ergo­no­mi­schen Anfor­de­run­gen. Der Arbeit­ge­ber ist also ver­pflich­tet, sei­nen Mit­ar­bei­ten­den einen ergo­no­mi­schen Arbeits­platz zu bie­ten, wenn er die Ver­ord­nung über die Arbeits­stät­ten umset­zen und die zu errich­ten­de Arbeit an die Bedürf­nis­se sei­ner Mit­ar­bei­ten­den anpas­sen möch­te. Das betrifft unter ande­rem Bild­schirm­ar­beits­plät­ze. Bei­spie­le für eine sol­che, am Arbeits­platz berück­sich­tig­te Ergo­no­mie wären:

  • Posi­tio­nie­rung des Bild­schirms nach ergo­no­mi­schen Erkenntnissen
  • Anschaf­fung refle­xi­ons­ar­mer Schreibtische
  • Wech­seln­de Arbeits­hal­tung durch ent­spre­chen­de Bürostühle
  • Ermög­li­chung regel­mä­ßi­ger Bildschirmpausen
  • Anpas­sung der Beleuch­tung an Tätig­keit und Seh­ver­mö­gen des Mitarbeitenden
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Die Umset­zung sol­cher Maß­nah­men ist zwar zu kon­trol­lie­ren, aber die dafür zustän­di­gen Behör­den bzw. Stel­len bewäl­ti­gen die­se Arbeit auf­grund hoher Belas­tung kaum, sodass der gesun­de Arbeits­platz in man­chen Unter­neh­men noch nicht den Stel­len­wert hat, den er zum Woh­le der Mit­ar­bei­ten­den haben sollte.

Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit – vom Arbeit­ge­ber zu bestellen

Um die Durch­füh­rung von Sicher­heits­maß­nah­men zu gewähr­leis­ten und zu kon­trol­lie­ren, ist es die Pflicht des Arbeit­ge­bers, soge­nann­te Fach­kräf­te für Arbeits­si­cher­heit zu beru­fen (§ 5 Arbeits­si­cher­heits­ge­setz). Dies kön­nen ent­we­der unter­neh­mens­ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter oder auch exter­ne Fach­kräf­te sein, die dann vom Unter­neh­men beauf­tragt wer­den und ent­spre­chen­den Zugang erhal­ten. Die­se Fach­kräf­te kon­trol­lie­ren gemäß § 6 Arbeits­si­cher­heits­ge­setz unter ande­rem auch die ein­zel­nen Arbeits­plät­ze auf ihre Sicher­heit und geben Tipps, wie man einen gesun­den Arbeits­platz gestaltet.

Hier spielt auch die Unfall­ver­hü­tung am Arbeits­platz eine wesent­li­che Rol­le. So kön­nen lose Kabel, vor­ste­hen­de Roll­con­tai­ner oder unacht­sam abge­stell­te Taschen schnell zur Stol­per­fal­le wer­den. Auf sol­che Gefah­ren wei­sen die Fach­kräf­te für Arbeits­si­cher­heit eben­falls hin.

Die rich­ti­ge Beleuch­tung am Arbeitsplatz

Zu den Pflich­ten des Arbeit­ge­bers gehört es auch, für eine Büro­be­leuch­tung zu sor­gen, durch die der Mit­ar­bei­ten­de bei der Aus­übung sei­ner Tätig­keit nicht beein­träch­tigt wird und die so gestal­tet ist, dass Unfäl­le auf­grund schlech­ter Licht­ver­hält­nis­se ver­mie­den und die Augen des Mit­ar­bei­ten­den nicht in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den. Hier gibt es in der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung ent­spre­chen­de Abschnit­te, nach denen der Arbeit­ge­ber nur Räu­me mit einer aus­rei­chend gro­ßen Ver­sor­gung durch Tages­licht bzw. eine sicht­ba­re Ver­bin­dung ins Freie als Arbeits­platz nut­zen darf.

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Die ArbStättV weist im Anhang (sie­he Tech­ni­sche Regel 3.4, Beleuch­tung und Sicht­ver­bin­dung) aller­dings dar­auf hin, dass auch Arbeits­plät­ze zuläs­sig sind, die zumin­dest über eine ange­mes­se­ne künst­li­che Beleuch­tung ver­fü­gen, durch die die Arbeits­si­cher­heit und Gesund­heit der Mit­ar­bei­ten­den gewähr­leis­tet sind.

Für ver­schie­de­ne Tätig­kei­ten wer­den unter­schied­li­che Beleuch­tungs­stär­ken am Arbeits­platz (in Lux ange­ge­ben) vorgeschrieben:

  • 200 Lux = Archivierung
  • 300 Lux = Kopie­ren und Dokumentenablage
  • 500 Lux = Daten­ver­ar­bei­tung, Les- und Schreibtätigkeiten
  • 750 Lux = Tätig­kei­ten im Bereich tech­ni­sches Zeichnen

Bei Fach­händ­lern für Büro­be­darf wer­den ent­spre­chen­de Beleuch­tun­gen in Form von LED-Schreib­tisch­leuch­ten, LED-Steh­leuch­ten und LED-Decken­leuch­ten in ent­spre­chen­den Lux-Stär­ken angeboten.

Rech­te des Arbeit­ge­bers bezüg­lich gesun­der Arbeitsplätze

Ein grund­le­gen­des Recht des Arbeit­ge­bers gegen­über sei­nen Mit­ar­bei­ten­den besteht dar­in, die Ein­hal­tung der Vor­ga­ben des Arbeits­schut­zes ein­zu­hal­ten. Hier haben die Mit­ar­bei­ten­den eine Mit­wir­kungs­pflicht, durch die Unfäl­le ver­hin­dert und die Gesund­heit erhal­ten wer­den soll. Der Arbeit­ge­ber hat zwar die Pflicht der Unter­wei­sung bezüg­lich der Arbeits­si­cher­heit (§ 12 Arb­SchG), aber auch das Recht, den Arbeit­neh­mern ent­spre­chen­de Wei­sun­gen zu ertei­len, an die sie sich hal­ten müssen.

Dar­über hin­aus kann er ver­lan­gen, dass ihm kon­kre­te Gefähr­dun­gen der Gesund­heit am Arbeits­platz unver­züg­lich gemel­det wer­den. Außer­dem sind Mit­ar­bei­ten­de in Koope­ra­ti­on mit dem Betriebs­arzt und der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit ver­pflich­tet, den Arbeit­ge­ber in sei­nem Bestre­ben zu unter­stüt­zen, sei­nem Per­so­nal höchst­mög­li­chen Gesund­heits­schutz und größt­mög­li­che Arbeits­si­cher­heit zu bieten.

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Aus der Ver­pflich­tung der Mit­ar­bei­ten­den zur Unter­stüt­zung erwächst dem Arbeit­ge­ber auch das Recht, Zuwi­der­hand­lun­gen durch dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men zu ahn­den. Letzt­lich ist ein gesun­der Arbeits­platz im Inter­es­se aller Betei­lig­ten, denn er erhält die Gesund­heit und Arbeits­fä­hig­keit der Arbeit­neh­mer und begrün­det so den Erfolg des Unternehmers.

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