Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs

Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen [1]. Das Gebot des recht­li­chen Gehörs soll als Pro­zess­grund­recht sicher­stel­len, dass die vom Fach­ge­richt zu tref­fen­de Ent­schei­dung frei von Ver­fah­rens­feh­lern ergeht, die ihren Grund in unter­las­se­ner Kennt­nis­nah­me und Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Sach­vor­trags der Par­tei­en haben [2].

Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Gerich­te das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen haben. Die Gerich­te brau­chen nicht jedes Vor­brin­gen in den Grün­den der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu behan­deln [3]. Des­halb müs­sen, um eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs fest­stel­len zu kön­nen, im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de deut­lich machen, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Pro­zess­be­tei­lig­ten ent­we­der nicht zur Kennt­nis genom­men oder bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist [4]. Sol­che beson­de­ren Umstän­de kön­nen auch bei einer nicht näher begrün­de­ten Ent­schei­dung erkenn­bar sein [5].

Aus Art. 6 Abs. 1 EMRK folgt nichts Wei­ter­ge­hen­des. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des EGMR folgt aus Art. 6 Abs. 1 EMRK zwar, dass gericht­li­che Ent­schei­dun­gen in ange­mes­se­ner Wei­se die Grün­de ange­ben müs­sen, auf die sie sich stüt­zen. Aller­dings ist auch nach Art. 6 Abs. 1 EMRK eine aus­führ­li­che Stel­lung­nah­me zu jedem Vor­brin­gen der Betei­lig­ten nicht not­wen­dig [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. August 2014 – 3 AZR 492/​12

  1. st. Rspr. seit BVerfG 14.06.1960 – 2 BvR 96/​60BVerfGE 11, 218[]
  2. BVerfG 20.04.1982 – 1 BvR 1242/​81BVerfGE 60, 247[]
  3. vgl. etwa BVerfG 8.10.2003 – 2 BvR 949/​02, zu II 1 a der Grün­de[]
  4. vgl. BVerfG 31.03.1998 – 1 BvR 2008/​97[]
  5. vgl. BVerfG 30.06.2014 – 2 BvR 792/​11, Rn. 16[]
  6. EGMR 21.01.1999 – 30544/​96 – [Gar­cia Ruiz/​Spa­ni­en] Rn. 26; vgl. auch BVerfG 30.06.2014 – 2 BvR 792/​11, Rn. 25 mwN[]