Grie­chi­sche Schu­len in Deutsch­land – und die Zustän­dig­keit deut­scher Arbeits­ge­rich­te

Für Strei­tig­kei­ten zwi­schen der Grie­chi­schen Repu­blik und einem an einer von ihr in Deutsch­land unter­hal­te­nen Schu­le täti­gen Leh­rer ist die deut­sche Gerichts­bar­keit ist gege­ben.

Grie­chi­sche Schu­len in Deutsch­land – und die Zustän­dig­keit deut­scher Arbeits­ge­rich­te

Die beklag­te Grie­chi­sche Repu­blik ist nicht nach § 20 Abs. 2 GVG von ihr befreit 1. Die arbeits­ge­richt­li­che Kla­ge des von ihr beschäf­tig­ten Leh­rers betrifft ihre nicht-hoheit­li­che Staats­tä­tig­keit 2. Der Leh­rer hat jeden­falls im Rah­men sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht in nen­nens­wer­tem Umfang hoheit­li­che Tätig­kei­ten aus­ge­übt.

Ande­re Zuläs­sig­keits­hin­der­nis­se bestehen eben­falls nicht.

Ins­be­son­de­re sind die deut­schen Gerich­te inter­na­tio­nal zustän­dig nach Art. 18 Abs. 1, Art.19 Nr. 2 Buchst. a Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22.12 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (EuGV­VO).

Gewöhn­li­cher Arbeits­ort des Leh­rers ist W. Der für die Anwen­dung der Ver­ord­nung erfor­der­li­che Aus­lands­be­zug 3 ergibt sich dar­aus, dass die beklag­te Repu­blik ein aus­län­di­scher Staat ohne "Sitz" im Inland ist.

Auch das Arbeits­ver­hält­nis unter­liegt deut­schem Recht.

Das anwend­ba­re mate­ri­el­le Recht bestimmt sich nach Art. 27 ff. EGBGB. Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 17.06.2008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom I‑VO) fin­det kei­ne Anwen­dung, weil der Arbeits­ver­trag der Par­tei­en vor dem 17.12 2009 "geschlos­sen" 4 wur­de (Art. 28 Rom I‑VO).

Im Übri­gen stell­te sich die Rechts­la­ge im hier ent­schie­de­nen Streit­fall nach Art. 3, 8 und 9 Rom I‑VO nicht anders dar als nach Art. 27 ff. EGBGB.

Das Arbeits­ver­hält­nis unter­liegt zudem objek­tiv nach Art. 30 Abs. 2 EGBGB deut­schem Ver­trags­sta­tut. Der Leh­rer hat iSv. Art. 30 Abs. 2 Halbs. 1 Nr. 1 EGBGB in Erfül­lung sei­nes Arbeits­ver­trags sei­ne beruf­li­che Tätig­keit gewöhn­lich in W aus­ge­übt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 2. März 2017 – 2 AZR 698/​15

  1. zu den Vor­aus­set­zun­gen BVerfG 17.03.2014 – 2 BvR 736/​13, Rn.19; BAG 18.12 2014 – 2 AZR 1004/​13, Rn. 16[]
  2. zur Abgren­zung gegen­über hoheit­li­cher Staats­tä­tig­keit und den Unter­schei­dungs­merk­ma­len vgl. BVerfG 17.03.2014 – 2 BvR 736/​13, Rn.19 ff.; BAG 25.04.2013 – 2 AZR 960/​11, Rn. 14; BGH 24.03.2016 – VII ZR 150/​15, Rn.19, BGHZ 209, 290[]
  3. vgl. EuGH 17.11.2011 – C‑327/​10 – [Lind­ner] Rn. 29, Slg. 2011, I‑11543; BAG 10.04.2013 – 5 AZR 78/​12, Rn. 21[]
  4. zur Bedeu­tung die­ses Begriffs vgl. EuGH 18.10.2016 – C‑135/​15 – [Niki­fo­ri­d­is] Rn. 31 bis Rn. 39[]