Grund­satz­re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt

Nach § 77 Satz 2 iVm. § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1, § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG kann eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de dar­auf gestützt wer­den, dass eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat.

Grund­satz­re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt

Dies ist der Fall, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits von einer klä­rungs­fä­hi­gen und klä­rungs­be­dürf­ti­gen Rechts­fra­ge abhängt und die Klä­rung ent­we­der von all­ge­mei­ner Bedeu­tung für die Rechts­ord­nung ist oder wegen ihrer tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen die Inter­es­sen zumin­dest eines grö­ße­ren Teils der All­ge­mein­heit berührt [1].

Eine Rechts­fra­ge ist eine Fra­ge, die die Wirk­sam­keit, den Gel­tungs­be­reich, die Anwend­bar­keit oder den Inhalt einer Norm zum Gegen­stand hat [2].

Klä­rungs­be­dürf­tig ist eine Rechts­fra­ge, wenn sie höchst­rich­ter­lich noch nicht ent­schie­den und ihre Beant­wor­tung nicht offen­kun­dig ist, es sei denn, es wer­den gewich­ti­ge Argu­men­te gegen die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung vor­ge­bracht [3]. Die auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge muss sich in einer unbe­stimm­ten Viel­zahl wei­te­rer Fäl­le stel­len kön­nen und des­halb das abs­trak­te Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der ein­heit­li­chen Ent­wick­lung und Hand­ha­bung des Rechts berüh­ren [4].

Der Beschwer­de­füh­rer hat die nach § 77 Satz 2 iVm. § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ArbGG von ihm dar­zu­le­gen­de ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung kon­kret zu benen­nen und ihre Klä­rungs­fä­hig­keit, Klä­rungs­be­dürf­tig­keit, Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit und all­ge­mei­ne Bedeu­tung für die Rechts­ord­nung und ihre Aus­wir­kun­gen auf die Inter­es­sen jeden­falls eines grö­ße­ren Teils der All­ge­mein­heit auf­zu­zei­gen [5].

Unzu­läs­sig ist eine Fra­ge­stel­lung, deren Beant­wor­tung von den Umstän­den des Ein­zel­falls abhängt [6].

Dabei ist aus­zu­füh­ren, wel­che abs­trak­te Inter­pre­ta­ti­on das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei Behand­lung der Rechts­fra­ge vor­ge­nom­men hat [7].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2019 – 3 AZM 19/​19

  1. BAG 14.04.2005 – 1 AZN 840/​04, zu 2 c aa der Grün­de, BAGE 114, 200[]
  2. BAG 24.01.2017 – 3 AZN 822/​16, Rn. 10, 13[]
  3. BAG 17.10.2017 – 10 AZN 533/​17, Rn. 8 mwN[]
  4. vgl. BAG 11.04.2019 – 3 AZN 720/​18, Rn. 3 mwN[]
  5. vgl. BAG 5.10.2010 – 5 AZN 666/​10, Rn. 3 mwN[]
  6. vgl. BAG 5.11.2008 – 5 AZN 842/​08, Rn. 10; 23.01.2007 – 9 AZN 792/​06, Rn. 6, BAGE 121, 52[]
  7. vgl. BAG 11.04.2019 – 3 AZN 720/​18, Rn. 4 mwN[]