Grund­schul­leh­re­rin mit Kopf­tuch – und ihre AGG-Ent­schä­di­gung

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat einer Klä­ge­rin eine Ent­schä­di­gung zuge­spro­chen, die sich mit mus­li­mi­schen Kopf­tuch um eine Stel­le als Grund­schul­leh­re­rin beim Land Ber­lin bewor­ben hat und deren Bewer­bung nach ihrer Erklä­rung, sie wol­le ihr mus­li­mi­sches Kopf­tuch auch im Unter­richt tra­gen, abge­lehnt wur­de.

Grund­schul­leh­re­rin mit Kopf­tuch – und ihre AGG-Ent­schä­di­gung

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in der Ableh­nung der Bewer­bung im Zusam­men­hang mit dem mus­li­mi­schen Kopf­tuch eine Benach­tei­li­gung der Klä­ge­rin im Sin­ne des § 7 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes gese­hen.

Das „Ber­li­ner Neu­tra­li­täts­ge­setz“ (Gesetz zu Arti­kel 29 der Ver­fas­sung von Ber­lin 1) müs­se im Hin­blick auf die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 27.01.2015 2 und vom 18.10.2016 3 aus­ge­legt wer­den. Nach der hier­nach vor­ge­ge­be­nen erheb­li­chen Bedeu­tung der Glau­bens­frei­heit sei ein gene­rel­les Ver­bot eines mus­li­mi­schen Kopf­tuchs ohne kon­kre­te Gefähr­dung nicht zuläs­sig. Eine kon­kre­te Gefähr­dung durch die Klä­ge­rin mache auch das beklag­te Land nicht gel­tend.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls eine Ent­schä­di­gung in Höhe von zwei Monats­ge­häl­tern der Leh­rer­stel­le ent­spre­chend 8.680,00 € fest­ge­setzt.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin ‑Bran­den­burg, Urteil vom 9. Febru­ar 2017 – 14 Sa 1038/​16

  1. vom 27.01.2005, GVBl. 2005, 92[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 27.01.2015 – 1 BvR 471/​10, 1 BvR 1181/​10[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 18.10.2016 – 1 BvR 354/​11[]