Güns­tig­keits­ver­gleich von Zuschlä­gen zum Stun­den­lohn

Sind für die Erbrin­gung der Arbeits­leis­tung zu bestimm­ten Zei­ten sowohl nach den arbeits­ver­trag­li­chen als auch nach tarif­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen Zuschlä­ge in einem bestimm­ten vH-Satz des jewei­li­gen Stun­den­lohns zu zah­len, kann ein sog. Güns­tig­keits­ver­gleich nach § 4 Abs. 3 TVG nicht ledig­lich zwi­schen den unter­schied­li­chen Zuschlags­sät­zen erfol­gen. In den Ver­gleich ein­zu­be­zie­hen sind auch die den jewei­li­gen Zuschlags­sät­zen nach dem Arbeits­ver­trag und dem Tarif­ver­trag zuge­ord­ne­ten Stun­den­löh­ne.

Güns­tig­keits­ver­gleich von Zuschlä­gen zum Stun­den­lohn

Für das Ver­hält­nis von tarif­ver­trag­li­chen und arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen gilt die Kol­li­si­ons­re­gel des § 4 Abs. 3 TVG [1]. Hier­nach tre­ten unmit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de Tarif­be­stim­mun­gen hin­ter ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit für Arbeit­neh­mer güns­ti­ge­ren Bedin­gun­gen zurück. Ob ein Arbeits­ver­trag abwei­chen­de güns­ti­ge­re Rege­lun­gen gegen­über dem Tarif­ver­trag ent­hält, ergibt ein Ver­gleich zwi­schen der tarif­ver­trag­li­chen und der arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lung. Zu ver­glei­chen sind dabei die in einem inne­ren, sach­li­chen Zusam­men­hang ste­hen­den Teil­kom­ple­xe der unter­schied­li­chen Rege­lun­gen (sog. Sach­grup­pen­ver­gleich) [2]. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob die Par­tei­en des Arbeits­ver­trags die ver­trag­li­chen Rege­lun­gen vor oder nach Inkraft­tre­ten des Tarif­ver­trags ver­ein­bart haben [3].

Der Güns­tig­keits­ver­gleich ist zwi­schen dem Stun­den­lohn ein­schließ­lich der Zuschlä­ge des Arbeits­ver­trags einer­seits und den tarif­li­chen Bestim­mun­gen über den Stun­den­lohn ein­schließ­lich der Zuschlä­ge ande­rer­seits vor­zu­neh­men, da die Zuschlä­ge in bei­den Fäl­len in einem unmit­tel­ba­ren inne­ren, sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem Anspruch auf den (jewei­li­gen) Stun­den­lohn ste­hen.

Die im Arbeits­ver­trag ver­ein­bar­ten Zuschlä­ge stel­len sich als akzes­so­ri­sche Leis­tung zu dem arbeits­ver­trag­li­chen Stun­den­lohn dar. Sie sind von der Erbrin­gung der Arbeits­leis­tung abhän­gig [4]. Glei­ches gilt für den tarif­li­chen Stun­den­lohn und die aus­drück­lich dar­auf bezo­ge­nen tarif­li­chen Zuschlä­ge [5]. Die­ser inne­re Zusam­men­hang der jewei­li­gen Rege­lun­gen blie­be unbe­ach­tet, wenn ein Güns­tig­keits­ver­gleich ledig­lich zwi­schen den arbeits­ver­trag­li­chen und tarif­li­chen Zuschlags­sät­zen erfol­gen und der den Zuschlags­re­ge­lun­gen jeweils zugrun­de lie­gen­de – eben­falls unter­schied­li­che – Stun­den­lohn außer Betracht gelas­sen wür­de.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. April 2013 – 4 AZR 592/​11

  1. s. nur BAG 24.02.2010 – 4 AZR 691/​08, Rn. 43[]
  2. s. nur BAG 21.04.2010 – 4 AZR 768/​08, Rn. 39, BAGE 134, 130; 30.03.2004 – 1 AZR 85/​03, zu II 4 b bb der Grün­de sowie 23.05.1984 – 4 AZR 129/​82, BAGE 46, 50; jew. mwN[]
  3. BAG 25.07.2001 – 10 AZR 391/​00, zu II 2 a bb (2) der Grün­de[]
  4. zum Kri­te­ri­um der Akzess­orie­tät BAG 12.10.2010 – 9 AZR 522/​09, Rn. 23 f. mwN; vgl. auch 5.08.2008 – 10 AZR 634/​08, Rn. 27 mwN[]
  5. vgl. BAG 23.05.1984 – 4 AZR 129/​82, BAGE 46, 50: „tarif­li­cher Grund­lohn und tarif­li­che Lohn­zu­schlä­ge“[]