Heim­ar­beit – Ver­dienst­si­che­rung und Urlaubs­ab­gel­tung

Ein Heim­ar­bei­ter kann nach Maß­ga­be des Heim­ar­beits­ge­set­zes (HAG) eine Siche­rung sei­nes Ent­gelts für die Dau­er der Kün­di­gungs­frist sowie Urlaubs­ab­gel­tung nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz ver­lan­gen.

Heim­ar­beit – Ver­dienst­si­che­rung und Urlaubs­ab­gel­tung

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall erbrach­te der Heim­ar­bei­ter für die Arbeit­ge­be­rin regel­mä­ßig Leis­tun­gen als selbst­stän­di­ger Bau­in­ge­nieur/​Pro­gram­mie­rer in Heim­ar­beit. Nach­dem die Arbeit­ge­be­rin beschlos­sen hat­te, ihr Unter­neh­men auf­zu­lö­sen und zu liqui­die­ren, wies sie dem Heim­ar­bei­ter seit Dezem­ber 2013 kei­ne Pro­jek­te mehr zu. Das Heim­ar­beits­ver­hält­nis ende­te durch Kün­di­gung der Arbeit­ge­be­rin mit Ablauf des 30. April 2016. Für die­sen Zeit­raum hat der Heim­ar­bei­ter von der Arbeit­ge­be­rin ver­langt, ihm Ver­gü­tung in Höhe von 171.970,00 € brut­to zu zah­len sowie 72 Werk­ta­ge Urlaub mit 15.584,94 € brut­to abzu­gel­ten.

In der Vor­in­stanz hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben1. Soweit die Kla­ge abge­wie­sen wur­de, ver­langt der Heim­ar­bei­ter mit der Revi­si­on die Zah­lung wei­te­rer 130.460,00 € brut­to wegen Nicht­aus­ga­be von Heim­ar­beit sowie Urlaubs­ab­gel­tung für das Jahr 2014 in Höhe von 4.091,71 € brut­to sowie in Höhe von 5.194,83 € brut­to für das Jahr 2015. Sei­ne Revi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te nur hin­sicht­lich der begehr­ten Urlaubs­ab­gel­tung Erfolg:

Neben dem Ent­gelt, das die Arbeit­ge­be­rin für die Dau­er der fik­ti­ven Kün­di­gungs­frist, wäh­rend der sie kei­ne Heim­ar­beit aus­gab, schul­de­te, kann der Heim­ar­bei­ter kei­ne wei­te­re Ver­gü­tung ver­lan­gen. Ein Anspruch unter den Gesichts­punk­ten des Annah­me­ver­zugs oder Scha­dens­er­sat­zes besteht nicht. Es fehlt an einer beson­de­ren Abspra­che der Par­tei­en, dem Heim­ar­bei­ter Pro­jek­te in einem bestimm­ten Umfang zuzu­wei­sen. Heim­ar­bei­ter haben grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf Aus­ga­be einer bestimm­ten Arbeits­men­ge. Da sie aber regel­mä­ßig auf Auf­trä­ge ange­wie­sen sind, sehen die Bestim­mun­gen des Heim­ar­beits­ge­set­zes zum Kün­di­gungs­schutz eine Ent­gelt­si­che­rung vor. Kün­digt der Auf­trag­ge­ber das Heim­ar­beits­ver­hält­nis, kann der Heim­ar­bei­ter gemäß § 29 Abs. 7 HAG für die Dau­er der Kün­di­gungs­frist Fort­zah­lung des Ent­gelts bean­spru­chen, das er im Durch­schnitt der letz­ten 24 Mona­te vor der Kün­di­gung durch Heim­ar­beit erzielt hat. § 29 Abs. 8 HAG sichert das Ent­gelt, wenn der Auf­trag­ge­ber nicht kün­digt, jedoch die Arbeits­men­ge, die er min­des­tens ein Jahr regel­mä­ßig an einen Heim­ar­bei­ter aus­ge­ge­ben hat, um min­des­tens ein Vier­tel ver­rin­gert. Die Ent­gelt­si­che­rung nach § 29 Abs. 7 und Abs. 8 HAG steht dem Heim­ar­bei­ter jedoch nur alter­na­tiv zu.

Die Höhe der bei Been­di­gung des Heim­ar­beits­ver­hält­nis­ses geschul­de­ten Urlaubs­ab­gel­tung ist nach § 12 Nr. 1 BUr­lG auf der Grund­la­ge des Ent­gelts des Heim­ar­bei­ters in der Zeit vom 1. Mai des ver­gan­ge­nen bis zum 30. April des lau­fen­den Jah­res zu ermit­teln. Für den Urlaub aus dem Jahr 2014 ist des­halb im Streit­fall auf das Ent­gelt abzu­stel­len, das der Heim­ar­bei­ter in der Zeit vom 1. Mai 2013 bis zum 30. April 2014 erzielt hat. Die hier­für erfor­der­li­chen Tat­sa­chen wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach der inso­weit erfolg­ten Zurück­ver­wei­sung der Sache auf­zu­klä­ren haben.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. August 2019 – 9 AZR 41/​19

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 15.11.2018 – 6 Sa 1225/​17 []