Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te – und die Anhö­rung des Betriebs­rats zur Kün­di­gung

Der Arbeit­ge­ber ist auch bei Vor­lie­gen eines Inter­es­sen­aus­gleichs iSd.§ 1 Abs. 5 Satz 1 LSGchG ver­pflich­tet, den Betriebs­rat gemäß § 102 BetrVG zu einer beab­sich­tig­ten Kün­di­gung anzu­hö­ren.

Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te – und die Anhö­rung des Betriebs­rats zur Kün­di­gung

Die Betriebs­rats­an­hö­rung unter­liegt inso­weit kei­nen erleich­ter­ten Anfor­de­run­gen. Aller­dings muss er dem Weg­fall des Arbeits­plat­zes und der Sozi­al­aus­wahl zugrun­de lie­gen­de Tat­sa­chen, die dem Betriebs­rat bereits aus den Ver­hand­lun­gen zum Abschluss eines Inter­es­sen­aus­gleichs bekannt sind, im Anhö­rungs­ver­fah­ren nicht erneut mit­tei­len. Dies gilt zumin­dest dann, wenn zwi­schen den Ver­hand­lun­gen über den Inter­es­sen­aus­gleich und der Anhö­rung – wie hier – ein über­schau­ba­rer Zeit­raum liegt1.

An die Mit­tei­lungs­pflicht sind nicht die­sel­ben Anfor­de­run­gen zu stel­len, wie an die Dar­le­gung des Arbeit­ge­bers im Pro­zess. Es gilt der Grund­satz der „sub­jek­ti­ven Deter­mi­nie­rung”. Der Betriebs­rat ist ord­nungs­ge­mäß ange­hört, wenn ihm der Arbeit­ge­ber die die Kün­di­gung aus sei­ner Sicht tra­gen­den Umstän­de unter­brei­tet hat2. Erst eine bewusst unrich­ti­ge oder unvoll­stän­di­ge und damit irre­füh­ren­de Dar­stel­lung führt zu einer feh­ler­haf­ten Anhö­rung3.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 29. Okto­ber 2015 – 4 Sa 951/​14

  1. BAG 22.01.2004 – 2 AZR 111/​02
  2. BAG 9.06.2011 – 2 AZR 323/​10; 22.04.2010 – 2 AZR 991/​08
  3. BAG 9.06.2011 – 2 AZR 323/​10 ; 5.11.2009 – 2 AZR 676/​08