Jugend­ver­tre­tung – und der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch des nach­rü­cken­den Ersatz­mit­glieds

Zwi­schen dem wegen zeit­wei­li­ger Ver­hin­de­rung nach­ge­rück­ten Er­satz­mit­glied der Ju­gend­ver­tre­tung und dem öf­fent­li­chen Ar­beit­ge­ber kommt ein Ar­beits­ver­hält­nis nach § 9 Abs. 3 BPers­VG zu­stan­de, wenn der Ver­tre­tungs­fall in­ner­halb des letz­ten Jah­res vor Aus­bil­dungs­en­de statt­ge­fun­den und das Er­satz­mit­glied in­ner­halb der letz­ten drei Mo­na­te vor Aus­bil­dungs­en­de sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung be­an­tragt hat.

Jugend­ver­tre­tung – und der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch des nach­rü­cken­den Ersatz­mit­glieds

Ver­langt ein Aus­zu­bil­den­der, der Mit­glied der Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ist, inner­halb der letz­ten drei Mona­te vor Aus­bil­dungs­en­de, das mit Bestehen der Abschluss­prü­fung ein­tritt (§ 21 Abs. 2 BBiG), vom öffent­li­chen Arbeit­ge­ber sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung, so wird im Anschluss an das Aus­bil­dungs­en­de ein gesetz­li­ches Arbeits­ver­hält­nis begrün­det (§ 9 Abs. 1 und 2 BPers­VG). Die­se Rechts­fol­ge tritt nach Maß­ga­be von § 9 Abs. 3 BPers­VG auch ein, wenn der Aus­zu­bil­den­de im letz­ten Jahr vor Aus­bil­dungs­en­de Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung war. Den vor­be­zeich­ne­ten Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz genie­ßen auch Ersatz­mit­glie­der, die für ein aus­schei­den­des Mit­glied in die Jugend­ver­tre­tung ein­tre­ten (§ 31 Abs. 1 Satz 1, § 60 Abs. 4 BPers­VG). Ersatz­mit­glie­der, wel­che für ein zeit­wei­lig ver­hin­der­tes Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung nach­rü­cken (§ 31 Abs. 1 Satz 2, § 60 Abs. 4 BPers­VG), wer­den vom Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz eben­falls erfasst.

Nach bis­he­ri­ger Senats­recht­spre­chung genießt der Ver­hin­de­rungs­ver­tre­ter Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz nach § 9 Abs. 2 BPers­VG, wenn er bei Ein­gang sei­nes Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­lan­gens Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung ist 1. In direk­ter Anwen­dung des § 9 Abs. 3 BPers­VG kann er sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung ver­lan­gen, wenn er der Jugend­ver­tre­tung über einen län­ge­ren, in sich geschlos­se­nen Zeit­raum ange­hört hat 2. § 9 Abs. 3 BPers­VG fin­det ent­spre­chen­de Anwen­dung, wenn Ersatz­mit­glie­der zeit­lich getrenn­te Ver­tre­tungs­tä­tig­kei­ten in einer so gro­ßen Zahl von Ein­zel­fäl­len aus­ge­übt haben, dass die­se in ihrer Gesamt­heit einer über einen län­ge­ren, in sich abge­schlos­se­nen Zeit­raum bestehen­den Ersatz­mit­glied­schaft gleich­kom­men, und wenn sich eine miss­bräuch­li­che Begüns­ti­gung aus­schlie­ßen lässt 3.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts setzt die Ent­ste­hung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses nach § 9 Abs. 2 BPers­VG nur die Zuge­hö­rig­keit des Aus­zu­bil­den­den zur Jugend­ver­tre­tung und ein form- und frist­ge­recht gegen­über dem Arbeit­ge­ber geäu­ßer­tes Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­lan­gen vor­aus. Das gilt nach § 9 Abs. 3 BPers­VG auch für das vor­über­ge­hend nach­ge­rück­te Ersatz­mit­glied der Jugend­ver­tre­tung, wenn das Berufs­aus­bil­dungs­ver­hält­nis inner­halb eines Jah­res nach dem Ver­tre­tungs­fall erfolg­reich abge­schlos­sen wird und der Aus­zu­bil­den­de inner­halb von drei Mona­ten vor der Been­di­gung des Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung schrift­lich ver­langt 4.

Der zitier­ten Senats­recht­spre­chung haben sich die Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te durch­weg ange­schlos­sen 5. Die Kom­men­tar­li­te­ra­tur zum Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz folgt über­wie­gend der zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts 6.

Nach erneu­ter Über­prü­fung hält das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zur Wei­ter­be­schäf­ti­gung zeit­wei­lig nach­ge­rück­ter Ersatz­mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung nicht fest. Er folgt nun­mehr – ins­be­son­de­re zwecks Her­stel­lung der Rechts­ein­heit – der zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Im Ein­zel­nen gilt fol­gen­des:

Für den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz nach § 9 Abs. 2 BPers­VG muss die Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung im Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­en­des vor­lie­gen. § 9 Abs. 3 BPers­VG regelt die­je­ni­gen Fäl­le, in wel­chen die Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung im letz­ten Jahr vor der Been­di­gung der Aus­bil­dung ende­te. Im Gegen­schluss kann sich die Grund­aus­sa­ge in § 9 Abs. 2 BPers­VG, an wel­che die Rege­lung in § 9 Abs. 3 BPers­VG anknüpft ("die Absät­ze 1 und 2 gel­ten auch"), nur auf die­je­ni­gen Fäl­le bezie­hen, in wel­chen die Gre­mi­en­mit­glied­schaft gera­de im Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­en­des besteht. Davon ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner jün­ge­ren Recht­spre­chung bereits aus­ge­gan­gen 7. Dass der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz Fall­ge­stal­tun­gen erfasst, in wel­chen der Aus­zu­bil­den­de im Zeit­punkt des Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­lan­gens nicht Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung ist, zeigt wie­der­um die Rege­lung in § 9 Abs. 3 BPers­VG. Danach ist eine Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung inner­halb des Jah­res­zeit­raums vor Been­di­gung der Aus­bil­dung auch dann beacht­lich, wenn sie endet, bevor der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­trag nach § 9 Abs. 2 BPers­VG über­haupt gestellt wer­den kann.

Dem­ge­mäß wird gemäß § 9 Abs. 2 BPers­VG das gesetz­li­che Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen dem öffent­li­chen Arbeit­ge­ber und dem Jugend­ver­tre­ter begrün­det, wenn die­ser bei Aus­bil­dungs­en­de der Jugend­ver­tre­tung als gewähl­tes ordent­li­ches Mit­glied ange­hört und in den letz­ten drei Mona­ten vor Aus­bil­dungs­en­de eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung ver­langt hat. Die­sel­be Rechts­fol­ge tritt – bei recht­zei­ti­ger Gel­tend­ma­chung des Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­lan­gens – zuguns­ten des Ersatz­mit­glieds ein, wel­ches für ein aus­ge­schie­de­nes Mit­glied nach­ge­rückt ist und in die­ser Eigen­schaft der Jugend­ver­tre­tung bei Aus­bil­dungs­en­de ange­hört. Nichts ande­res gilt für ein Ersatz­mit­glied, wel­ches vor Aus­bil­dungs­en­de wegen zeit­wei­li­ger Ver­hin­de­rung eines ordent­li­chen Mit­glieds in die Jugend­ver­tre­tung ein­ge­tre­ten und bei Aus­bil­dungs­en­de in die­ser Rechts­stel­lung wegen Fort­dau­erns der Ver­hin­de­rung ver­blie­ben ist. In kei­ner die­ser Fall­ge­stal­tun­gen ist der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz davon abhän­gig, dass der Betref­fen­de über einen län­ge­ren Zeit­raum Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung gewe­sen ist. Da die Rege­lun­gen in § 9 Abs. 1 und 2 BPers­VG an die Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung anknüp­fen, ist im Fal­le des gera­de gewähl­ten Mit­glieds der Jugend­ver­tre­tung für des­sen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz noch nicht ein­mal erfor­der­lich, dass bei Aus­bil­dungs­en­de die Amts­zeit der neu gewähl­ten Jugend­ver­tre­tung bereits begon­nen hat 8. Die auf Dau­er oder zeit­wei­lig nach­ge­rück­ten Ersatz­mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung kön­nen dem­nach ihre Wei­ter­be­schäf­ti­gung auch dann ver­lan­gen, wenn sie die­se Funk­ti­on erst kurz vor Aus­bil­dungs­en­de erwor­ben haben. Dies ist sys­te­ma­tisch fol­ge­rich­tig. Denn Ersatz­mit­glie­der sind wäh­rend der Dau­er des Ver­tre­tungs­fal­les voll­wer­ti­ge Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung und haben die glei­chen Rech­te und Pflich­ten wie ein ordent­li­ches Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung. Sie ver­tre­ten das ordent­li­che Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung nicht nur in ein­zel­nen Amts­ge­schäf­ten, son­dern bezo­gen auf die Gesamt­funk­ti­on 9.

Dass nicht auf die Dau­er der Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung abzu­stel­len ist, ist wegen des Schutz­zwecks der Rege­lung in § 9 BPers­VG gerecht­fer­tigt. Die­ser geht dahin, den Jugend­ver­tre­ter vor den nach­tei­li­gen Fol­gen sei­ner Amts­aus­übung zu schüt­zen und die Kon­ti­nui­tät der Gre­mi­en­ar­beit sicher­zu­stel­len 10.

Der indi­vi­du­al­recht­li­che Norm­zweck des § 9 BPers­VG, näm­lich der Schutz vor den nach­tei­li­gen Fol­gen der Amts­aus­übung, knüpft an die Auf­ga­ben und Befug­nis­se der Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung an. Die­se sind ein­ge­bet­tet in die Arbeit des Per­so­nal­rats. Beim Antrags­recht, bei der Ver­tre­tung von Anre­gun­gen und Beschwer­den, bei der Beein­flus­sung der Tages­ord­nung, beim sus­pen­si­ven Veto­recht, beim Recht auf bera­ten­de und stimm­be­rech­tig­te Teil­nah­me an Sit­zun­gen ist Adres­sat jeweils der Per­so­nal­rat, dem die Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung zuge­ord­net ist (§ 34 Abs. 3, § 39 Abs. 1 und 2, § 40 Abs. 1, § 61 Abs. 1 und 2 BPers­VG). Bei den Monats­be­spre­chun­gen zwi­schen Per­so­nal­ver­tre­tung und Dienst­stel­len­lei­ter kommt es zu einer direk­ten Begeg­nung zwi­schen die­sem und der Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung, wenn jugend­li­che Beschäf­tig­te und Aus­zu­bil­den­de beson­ders betrof­fen sind (§§ 57, 61 Abs. 4, § 66 Abs. 1 BPers­VG). Dies kommt auch in Per­so­nal­rats­sit­zun­gen in Betracht (vgl. § 34 Abs. 4 BPers­VG). Bei der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben, wel­che der Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung zuge­wie­sen sind, gera­ten deren Mit­glie­der in jenen typi­schen Inter­es­sen­ge­gen­satz zum Dienst­stel­len­lei­ter, wie er für die Bipo­la­ri­tät der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Dienst­stel­len­ver­fas­sung kenn­zeich­nend ist und wie er auch den Rege­lun­gen in §§ 47, 62 Satz 2 BPers­VG zugrun­de liegt 11.

Der poten­ti­el­len Dis­kri­mi­nie­rungs­ge­fahr trägt die Rege­lung in § 9 BPers­VG vor­beu­gend Rech­nung. Die Aus­ge­stal­tung des Schut­zes knüpft an die Gre­mi­en­mit­glied­schaft als sol­che und die damit ein­her­ge­hen­de abs­trak­te Gefähr­dungs­la­ge an. Die Rege­lung fragt nicht danach, ob der Jugend­ver­tre­ter wegen Art und Umfang von ihm in die­ser Eigen­schaft unter­nom­me­ner Akti­vi­tä­ten mit kon­kre­ter Benach­tei­li­gung bei künf­ti­gen Aus­wahl­ent­schei­dun­gen des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers zu rech­nen hat 12. Damit erweist sich § 9 BPers­VG als effek­ti­ve Schutz­norm, die zugleich Recht­si­cher­heit schafft, da sich die Fra­ge nach der Gre­mi­en­mit­glied­schaft im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­en­des in der Regel ein­fach beant­wor­ten lässt.

§ 9 Abs. 3 BPers­VG erwei­tert den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz auf Aus­zu­bil­den­de, die der Jugend­ver­tre­tung zwar nicht im Zeit­punkt der Been­di­gung ihrer Aus­bil­dung, aber im Jahr davor ange­hört haben. Die Vor­schrift stellt nach ihrem Wort­laut auf die Been­di­gung der Amts­zeit der Jugend­ver­tre­tung, nicht des Jugend­ver­tre­ters ab. Sie ist daher in jedem Fall anzu­wen­den auf Aus­zu­bil­den­de, wel­che im Jahr vor Aus­bil­dungs­en­de der Jugend­ver­tre­tung als ordent­li­che Mit­glie­der ange­hört, bei der dar­auf­fol­gen­den Neu­wahl jedoch kein Man­dat mehr erhal­ten haben. Das­sel­be gilt zwei­fels­frei für Aus­zu­bil­den­de, die für ein aus­ge­schie­de­nes Mit­glied in die Jugend­ver­tre­tung nach­ge­rückt und dort bis zur Neu­wahl im Jahr vor Aus­bil­dungs­en­de ver­blie­ben sind 13. Auch die­se Vari­an­te erfasst Fall­ge­stal­tun­gen, in wel­chen das nach § 31 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG nach­ge­rück­te Ersatz­mit­glied der Jugend­ver­tre­tung nur kur­ze Zeit ange­hört hat 14.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hängt der nach­wir­ken­de Schutz des Jugend­ver­tre­ters – sowohl nach § 78a Abs. 3 BetrVG als auch nach § 9 Abs. 3 BPers­VG – nicht von der Amts­zeit des Organs ab, son­dern von der per­sön­li­chen Zuge­hö­rig­keit des Jugend­ver­tre­ters zum Organ, also sei­ner Mit­glied­schaft in der Jugend­ver­tre­tung. Zur Begrün­dung ver­weist das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf sei­ne eige­ne Recht­spre­chung zum nach­wir­ken­den Kün­di­gungs­schutz für Betriebs­rats­mit­glie­der nach § 15 Abs. 1 Satz 2 KSchG sowie dar­auf, dass die Rege­lun­gen in § 78a BetrVG und § 9 BPers­VG für Aus­zu­bil­den­de in Betriebs­ver­fas­sungs­or­ga­nen eine ver­gleich­ba­re beruf­li­che Siche­rung schaf­fen woll­ten wie für Betriebs­rats­mit­glie­der in unbe­fris­te­tem Arbeits­ver­hält­nis. Dabei hebt es her­vor, dass der nach­wir­ken­de Schutz des Jugend­ver­tre­ters die­sem indi­vi­du­ell gegen­über dem Arbeit­ge­ber gewährt wird und sei­ne sach­li­che Begrün­dung und zeit­li­che Begren­zung in der Zuge­hö­rig­keit des Jugend­ver­tre­ters zu dem betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Organ Jugend­ver­tre­tung hat 15.

Die­se Recht­spre­chung ver­dient Zustim­mung. Nach der vor­be­zeich­ne­ten Aus­le­gung wer­den vom Anwen­dungs­be­reich des nach­wir­ken­den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schut­zes Fall­ge­stal­tun­gen erfasst, bei wel­chen dies in hohem Maße ange­mes­sen erscheint. Zu den­ken ist etwa an einen Aus­zu­bil­den­den, der als ordent­li­ches Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung sich enga­giert für die Belan­ge der von ihm ver­tre­te­nen jugend­li­chen Beschäf­tig­ten und Aus­zu­bil­den­den ein­ge­setzt hat und weni­ge Mona­te vor Ablauf der Amts­zeit der Jugend­ver­tre­tung sein Amt zwecks Vor­be­rei­tung auf die beruf­li­che Abschluss­prü­fung nie­der­legt.

Nach der bis­he­ri­gen Dar­stel­lung genie­ßen Aus­zu­bil­den­de Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz nach § 9 Abs. 2 BPers­VG, wenn sie als Nach­rü­cker für end­gül­tig aus­ge­schie­de­ne Mit­glie­der oder als Ver­tre­ter für zeit­wei­lig ver­hin­der­te Mit­glie­der im Zeit­punkt der Been­di­gung ihrer Berufs­aus­bil­dung Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung sind. Glei­ches gilt nach § 9 Abs. 3 BPers­VG, wenn sie im Jahr vor Aus­bil­dungs­en­de als ordent­li­che Mit­glie­der oder end­gül­tig nach­ge­rück­te Ersatz­mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung ange­hört haben. Es ist daher sys­te­ma­tisch fol­ge­rich­tig, § 9 Abs. 3 BPers­VG auch auf sol­che Aus­zu­bil­den­den anzu­wen­den, wel­che ordent­li­che Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung wäh­rend des maß­geb­li­chen Jah­res­zeit­raums vor Aus­bil­dungs­en­de zeit­wei­lig ver­tre­ten haben. Denn auch die­se waren wäh­rend des Ver­tre­tungs­zeit­rau­mes inner­halb der maß­geb­li­chen Jah­res­frist Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung 16.

Dafür spre­chen eben­falls Sinn und Zweck des Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schut­zes. Die­ser geht – wie bereits erwähnt – dahin, den Jugend­ver­tre­ter vor den nach­tei­li­gen Fol­gen der Amts­aus­übung zu schüt­zen. Dabei geht es nicht um eine Beloh­nung für geleis­te­te Diens­te, die etwa in kon­ti­nu­ier­li­cher oder häu­fi­ger Sit­zungs­tä­tig­keit gemes­sen wird. Die Effi­zi­enz des Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schut­zes steht viel­mehr im Wesent­li­chen in sei­ner Vor­wir­kung. Der Jugend­ver­tre­ter soll bei sei­ner Amts­aus­übung, wel­che ihn in einen natür­li­chen Inter­es­sen­ge­gen­satz zum öffent­li­chen Arbeit­ge­ber bringt, nicht befürch­ten müs­sen, bei der spä­te­ren Per­so­nal­aus­le­se benach­tei­ligt zu wer­den. Die­se Sor­ge soll dem Jugend­ver­tre­ter von Anfang an genom­men wer­den 17. Eine Betrach­tungs­wei­se, die auf die Kon­ti­nui­tät und Häu­fig­keit der Sit­zungs­teil­nah­me abstellt, beein­träch­tigt die Unab­hän­gig­keit des Ersatz­mit­glieds bei Wahr­neh­mung sei­ner Tätig­keit in der Jugend­ver­tre­tung in erheb­li­chem Maße. Bei Anle­gung die­ses Maß­sta­bes ist das Ersatz­mit­glied in den ers­ten Sit­zun­gen in sei­ner Ent­schei­dungs­frei­heit ein­ge­schränkt, weil es weiß, dass ihm der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz nicht zukommt. Auch spä­ter stellt sich die nöti­ge Gewiss­heit nicht ein, weil die in der bis­he­ri­gen Senats­recht­spre­chung aner­kann­ten Kri­te­ri­en – län­ge­rer, in sich abge­schlos­se­ner Zeit­raum; gro­ße Zahl von Ein­zel­fäl­len – zwar abs­trakt nach­voll­zieh­bar, einer prä­zi­sen Abgren­zung aber nur schwer zugäng­lich sind.

Die im beschrie­be­nen Umfang gebo­te­ne Ein­be­zie­hung von Ersatz­mit­glie­dern der Jugend­ver­tre­tung in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz führt nicht zu einem Wer­tungs­wi­der­spruch im Ver­gleich zu Gre­mi­en­mit­glie­dern in einer Aus­bil­dung, die nicht von § 9 Abs. 1 BPers­VG erfasst wird. Wenn die­se Vor­schrift ihren Anwen­dungs­be­reich auf Aus­zu­bil­den­de nach dem Berufs­bil­dungs­ge­setz, dem Kran­ken­pfle­ge­ge­setz und dem Heb­am­men­ge­setz begrenzt, so bringt der Gesetz­ge­ber damit im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­spiel­raums zum Aus­druck, dass Per­so­nen in Aus­bil­dun­gen geschützt wer­den sol­len, die bestimm­te Qua­li­täts­merk­ma­le erfül­len. Wenn dem­nach Per­so­nen in Aus­bil­dun­gen unter­halb die­ses Niveaus vom Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz aus­ge­schlos­sen wer­den, ist dies die vom Gesetz­ge­ber gewoll­te Fol­ge. Davon unbe­rührt bleibt die Fra­ge, ob auf Per­so­nen in gleich­wer­ti­gen Aus­bil­dun­gen, die nicht in § 9 Abs. 1 BPers­VG genannt sind, der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz ent­spre­chend anzu­wen­den ist 18.

Durch die im beschrie­be­nen Umfang vor­zu­neh­men­de Ein­be­zie­hung der Ersatz­mit­glie­der in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz wer­den die öffent­li­chen Arbeit­ge­ber zusätz­lich belas­tet. Ein Über­maß ver­neint das Bun­des­ar­beits­ge­richt unter Hin­weis auf das Ver­fah­ren nach § 9 Abs. 4 BPers­VG, mit Hil­fe des­sen der öffent­li­che Arbeit­ge­ber die Auf­lö­sung des nach § 9 Abs. 2 und 3 BPers­VG begrün­de­ten Arbeits­ver­hält­nis­ses durch­set­zen kann 12. Frei­lich tritt die Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erst mit der Rechts­kraft der gericht­li­chen Ent­schei­dung nach § 9 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 BPers­VG ein; bis dahin dau­ert das nach § 9 Abs. 2 und 3 BPers­VG begrün­de­te gesetz­li­che Arbeits­ver­hält­nis fort 19. Hat das Ver­wal­tungs­ge­richt dem Auf­lö­sungs­be­geh­ren des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers ent­spro­chen, steht dem Jugend­ver­tre­ter die Beschwer­de zum Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu. Wird die Beschwer­de zurück­ge­wie­sen, so kann der Jugend­ver­tre­ter in jedem Fall noch Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein­le­gen. Das Aus­maß der Belas­tung für den öffent­li­chen Arbeit­ge­ber durch den nach­wir­ken­den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz für Ver­hin­de­rungs­ver­tre­ter in der Jugend­ver­tre­tung hängt wesent­lich davon ab, wie schnell die Ver­wal­tungs­ge­rich­te ent­schei­den. Die­se sind daher gehal­ten, alles ihnen Mög­li­che und Zumut­ba­re zu unter­neh­men, um die Ver­fah­ren nach § 9 Abs. 4 BPers­VG zügig der Erle­di­gung zuzu­füh­ren.

Die Erstre­ckung des Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schut­zes von zeit­wei­lig nach­ge­rück­ten Ersatz­mit­glie­dern der Jugend­ver­tre­tung ver­bie­tet sich nicht unter dem Gesichts­punkt des Rechts­miss­brauchs. Von Rechts­miss­brauch ist aus­zu­ge­hen, wenn ordent­li­che Mit­glie­der und Ersatz­mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung kol­lu­siv zusam­men­wir­ken, um unter Vor­täu­schung einer in Wirk­lich­keit nicht gege­be­nen Ver­hin­de­rung auf Sei­ten des ordent­li­chen Mit­glieds dem Ersatz­mit­glied einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch zu ver­schaf­fen 20.

Die Inter­es­sen­la­ge der ordent­li­chen Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung ist nicht der­art ein­deu­tig, dass ein Rechts­miss­brauch im gro­ßen Stil nahe­liegt. In den Ver­fah­ren nach § 9 Abs. 4 BPers­VG macht der öffent­li­che Arbeit­ge­ber in den aller­meis­ten Fäl­len das Feh­len eines aus­bil­dungs­ad­äqua­ten Dau­er­ar­beits­plat­zes gel­tend. In die­sen Fäl­len besteht daher eine Knapp­heits­la­ge, in wel­cher nicht für alle in der Dienst­stel­le Aus­ge­bil­de­ten dort ange­mes­se­ne Arbeits­plät­ze zur Ver­fü­gung ste­hen. Die­se Lage wird durch Ein­be­zie­hung von Ersatz­mit­glie­dern in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz ver­schärft. Ordent­li­che Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung kön­nen daher ihre eige­ne Per­spek­ti­ve ver­schlech­tern, wenn sie Ersatz­mit­glie­dern einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch ver­schaf­fen. Ordent­li­chen Mit­glie­dern steht nicht ohne Wei­te­res ein vor­ran­gi­ger Zugriff auf einen frei­en Arbeits­platz zu; der öffent­li­che Arbeit­ge­ber kann sich viel­mehr für das Ersatz­mit­glied ent­schei­den, wenn die­ses bes­ser qua­li­fi­ziert ist 21.

Ande­rer­seits ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass ordent­li­che Mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung ver­sucht sein kön­nen, Ersatz­mit­glie­dern einen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­an­spruch zu ver­schaf­fen. Zu den­ken ist dar­an etwa, wenn sie selbst an einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung nicht inter­es­siert sind, wenn sie sich selbst nicht in Aus­bil­dung befin­den (vgl. § 58 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG) oder wenn die Kon­kur­renz um einen Arbeits­platz wegen unter­schied­li­cher Aus­bil­dun­gen aus­schei­det.

Häu­fi­ge Ver­hin­de­rungs­grün­de sind Krank­heit und Urlaub. Dahin­ge­hen­de Unter­la­gen sind in der Beschäf­ti­gungs­dienst­stel­le vor­han­den (vgl. § 5 Abs. 1 Ent­g­FG 22, so dass der öffent­li­che Arbeit­ge­ber über die Berech­ti­gung einer ent­spre­chen­den Ver­hin­de­rung unter­rich­tet ist.

Schwie­ri­ger sind die Ver­hält­nis­se, wenn sich das ordent­li­che Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung aus dienst­li­chen Grün­den für ver­hin­dert erklärt. Wie sich aus den Rege­lun­gen in § 46 Abs. 2 Satz 1, § 62 Satz 1 BPers­VG ergibt, sind die Jugend­ver­tre­ter in dem Maße vom Dienst befreit, wie dies zur ord­nungs­ge­mä­ßen Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben der Jugend­ver­tre­tung erfor­der­lich ist 23. Für die Jugend­ver­tre­ter hat dem­nach die Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben der Jugend­ver­tre­tung Vor­rang vor der Erfül­lung der Dienst­pflicht; dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Teil­nah­me an den Sit­zun­gen der Jugend­ver­tre­tung. Aller­dings folgt aus § 46 Abs. 3 Satz 6, § 62 Satz 1 BPers­VG, dass die Frei­stel­lung nach § 46 Abs. 3 Satz 1 BPers­VG, die für Jugend­ver­tre­ter eben­falls in Betracht kommt, nicht zur Beein­träch­ti­gung ihres beruf­li­chen Wer­de­gangs füh­ren darf. Dar­aus wird in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur zum Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz ein­hel­lig und zutref­fend gefol­gert, dass für Jugend­ver­tre­ter nach Mög­lich­keit nur Teil­frei­stel­lun­gen aus­ge­spro­chen wer­den dür­fen 24. Zwar geht es hier nicht um die Frei­stel­lung von der dienst­li­chen Tätig­keit, son­dern um die Aus­übung einer kon­kre­ten Tätig­keit für die Jugend­ver­tre­tung, für wel­che Dienst­be­frei­ung zu gewäh­ren ist. Doch kann den Rege­lun­gen in § 46 Abs. 3 Satz 6, § 62 Satz 1 BPers­VG ein all­ge­mei­ner Rechts­ge­dan­ke ent­nom­men wer­den, der es erlaubt, dem Dienst wegen wich­ti­ger Aus­bil­dungs­be­lan­ge im Ein­zel­fall aus­nahms­wei­se den Vor­rang ein­zu­räu­men vor der Jugend­ver­tre­ter­tä­tig­keit.

Der öffent­li­che Arbeit­ge­ber hat es in der Hand, einem etwai­gen Rechts­miss­brauch ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Der Lei­ter der Aus­bil­dungs­dienst­stel­le kann in einer Anord­nung an die Adres­se der ordent­li­chen Mit­glie­der und der Ersatz­mit­glie­der der Jugend­ver­tre­tung sowie der Aus­bil­der dar­auf hin­wei­sen, dass die Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben der Jugend­ver­tre­tung Vor­rang hat und Aus­nah­men nur wegen wich­ti­ger Belan­ge der Aus­bil­dung zuläs­sig sind. Er kann vor­se­hen, dass ihm Ver­tre­tungs­fäl­le in der Jugend­ver­tre­tung unver­züg­lich vor­ab zu mel­den sind. Er kann dazu ins­be­son­de­re die Aus­bil­der ver­pflich­ten, bei denen sich die Ersatz­mit­glie­der zwecks Teil­nah­me an einer Sit­zung der Jugend­ver­tre­tung abzu­mel­den haben 25. Gelangt der Dienst­stel­len­lei­ter zu der Über­zeu­gung, dass ein Ver­tre­tungs­fall nicht vor­liegt, so kann er das betrof­fe­ne ordent­li­che Mit­glied und das betrof­fe­ne Ersatz­mit­glied auf­for­dern, sich ent­spre­chend zu ver­hal­ten. Set­zen die­se sich dar­über hin­weg und liegt ein Ver­tre­tungs­fall im Sin­ne von § 31 Abs. 1 Satz 2 BPers­VG ein­deu­tig nicht vor, so ist von einem Rechts­miss­brauch aus­zu­ge­hen. Ein der­ar­ti­ger Ver­tre­tungs­fall führt nicht zur Ein­be­zie­hung des Ersatz­mit­glieds in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz 26. Ein Ersatz­mit­glied ist daher nicht geschützt, wenn alle nach § 9 Abs. 3 BPers­VG in Betracht zu zie­hen­den Ver­tre­tungs­fäl­le rechts­miss­bräuch­lich her­bei­ge­führt wur­den.

Fer­ner kann der Dienst­stel­len­lei­ter vom Per­so­nal­rat ver­lan­gen, über die Ver­tre­tungs­fäl­le in der Jugend­ver­tre­tung und die Grün­de dafür unter­rich­tet zu wer­den.

Zu den Sit­zun­gen der Jugend­ver­tre­tung lädt deren Vor­sit­zen­der (§ 34 Abs. 2 Satz 3, § 61 Abs. 5 Satz 1 Halbs. 2 BPers­VG). Dem ver­hin­der­ten Mit­glied obliegt es, unver­züg­lich dem Vor­sit­zen­den der Jugend­ver­tre­tung die Grün­de sei­ner Ver­hin­de­rung mit­zu­tei­len. Die­ser hat dann zu prü­fen, ob eine Ver­hin­de­rung gege­ben ist 27.

Von jeder Sit­zung der Jugend­ver­tre­tung ist eine Nie­der­schrift nebst Anwe­sen­heits­lis­te zu fer­ti­gen 28. Dar­in ist ein etwai­ger Ver­hin­de­rungs­grund des ordent­li­chen Mit­glieds zu doku­men­tie­ren.

Die Sit­zungs­nie­der­schrift nebst Anwe­sen­heits­lis­te ist an den Per­so­nal­rat wei­ter­zu­lei­ten. Dies folgt schon aus dem § 61 BPers­VG zugrun­de­lie­gen­den all­ge­mei­nen Grund­satz, wonach die Arbeit der Jugend­ver­tre­tung in die­je­ni­ge des Per­so­nal­rats ein­ge­bun­den ist. Dem­ge­mäß bestimmt § 61 Abs. 5 BPers­VG, dass der Per­so­nal­rat von den Sit­zun­gen der Jugend­ver­tre­tung zu ver­stän­di­gen ist und dass ein Per­so­nal­rats­mit­glied dar­an teil­neh­men kann. Dar­aus folgt, dass der Per­so­nal­rat über die Sit­zung der Jugend­ver­tre­tung in per­so­nel­ler und sach­li­cher Hin­sicht infor­miert sein muss.

Der Per­so­nal­rat ist sei­ner­seits ver­pflich­tet, den Dienst­stel­len­lei­ter über den ord­nungs­ge­mäß doku­men­tier­ten Ver­hin­de­rungs­grund eines ordent­li­chen Mit­glieds der Jugend­ver­tre­tung zu unter­rich­ten. Dies folgt aus dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit (§ 2 Abs. 1 BPers­VG) sowie dar­aus, dass Per­so­nal­rat und Jugend­ver­tre­tung eben­so wie die Dienst­stel­le dafür ver­ant­wort­lich sind, dass der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz nach § 9 BPers­VG nach Recht und Gesetz voll­zo­gen wird 29.

Die auf­ge­zeig­ten dop­pel­ten Kon­troll­mög­lich­kei­ten des Dienst­stel­len­lei­ters sind geeig­net, Rechts­miss­brauch beim Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz von Ersatz­mit­glie­dern der Jugend­ver­tre­tung in Gren­zen zu hal­ten. Bei effi­zi­en­ter Über­prü­fungs­pra­xis wird sich ein ordent­li­ches Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung über­le­gen, ob er sei­nen eige­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz aufs Spiel setzt. Denn dem öffent­li­chen Arbeit­ge­ber ist die Wei­ter­be­schäf­ti­gung im Sin­ne von § 9 Abs. 4 Satz 1 BPers­VG unzu­mut­bar, wenn das betref­fen­de ordent­li­che Mit­glied der Jugend­ver­tre­tung zuguns­ten eines Ersatz­mit­glieds mani­pu­liert hat.

Ist die Ein­be­zie­hung von Ersatz­mit­glie­dern der Jugend­ver­tre­tung in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz zur Abwen­dung beruf­li­cher Nach­tei­le erfor­der­lich, so kann dar­in kei­ne unzu­läs­si­ge Begüns­ti­gung lie­gen 30. Aus die­sem Grund ist der Ein­griff in die Per­so­nal­ho­heit des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers eben­falls gerecht­fer­tigt. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aner­kannt, dass das Grund­ge­setz Raum lässt für die Betei­li­gung der Per­so­nal­rä­te 31. Die Effek­ti­vi­tät der Betei­li­gung setzt aber vor­aus, dass die Mit­glie­der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Gre­mi­en vor nach­tei­li­gen Fol­gen ihrer Amts­aus­übung hin­rei­chend geschützt wer­den. Dem dient die Rege­lung in § 9 BPers­VG auf eine Wei­se, wel­che der spe­zi­el­len Situa­ti­on von Aus­zu­bil­den­den Rech­nung trägt, für die der Kün­di­gungs­schutz nach § 47 Abs. 1 BPers­VG und § 15 Abs. 2 KSchG wegen der Befris­tung des Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses ver­sagt 32.

Geht es um die Ein­be­zie­hung von Ersatz­mit­glie­dern in den Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­schutz, so ist Art. 33 Abs. 2 GG nicht berührt. Dies ist erst der Fall, wenn der öffent­li­che Arbeit­ge­ber im Rah­men des Ver­fah­rens nach § 9 Abs. 4 BPers­VG die Zumut­bar­keit der Wei­ter­be­schäf­ti­gung gera­de wegen eines bes­ser qua­li­fi­zier­ten Mit­be­wer­bers ver­neint. Damit setzt er sich durch, wenn der Mit­be­wer­ber objek­tiv wesent­lich fähi­ger und geeig­ne­ter ist 33.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Okto­ber 2013 – 6 P 6.13

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.06.1986 – 6 P 27.84, BVerw­GE 74, 280, 283 f. = Buch­holz 238.3 A § 9 BPers­VG Nr. 3 S.19 f. sowie Beschluss vom 28.02.1990 – 6 P 21.87, BVerw­GE 85, 5, 8 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 7 S. 18 f.[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.06.1986 a.a.O. S. 284 bzw. S.20 sowie Beschluss vom 28.02.1990 a.a.O. S. 10 f. bzw. S. 21[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.02.1990 a.a.O. S. 11 bzw. S. 21 und vom 09.10.1996 a.a.O. S. 112 bzw. S. 34[]
  4. zu § 9 BPers­VG: BAG, Urteil vom 13.03.1986 – 6 AZR 207/​85, BAGE 51, 261, 268 ff.; zu § 78a BetrVG: BAG, Beschluss vom 05.12.2007 – 7 ABR 65/​06[]
  5. vgl. OVG Bre­men, Beschluss vom 09.07.1991 – PV‑B 6/​90; OVG NRW, Beschluss vom 08.06.1994 – 1 A 575/​93.PVB, PersR 1995, 338; BayVGH, Beschluss vom 23.04.1997 – 17 P 96.2260, PersR 1998, 196; OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 18.01.2007 – 5 L 19/​06; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 16.12.2010 – 62 PV 2.10[]
  6. vgl. Kröll, in: Altvater/​Baden/​Berg/​Kröll/​Noll/​Seulen, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 8. Aufl.2013, § 9 Rn. 3 und 10; Tre­ber, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 4. Aufl.2012, § 9 Rn.20; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Bd. V, K § 9 Rn. 12 ff.; Ilbertz, in: Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 12. Aufl.2012, § 9 Rn. 7; a.A. Faber, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, Bd. I, § 9 Rn. 16[]
  7. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 01.11.2005 – 6 P 3.05, BVerw­GE 124, 292, 295 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 25 S. 37; und vom 19.01.2009 – 6 P 1.08, BVerw­GE 133, 42 Rn. 11 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG, Nr. 33[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.09.2009 – 6 PB 26.09, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 38 Rn. 3 ff.; BAG, Urteil vom 22.09.1983 – 6 AZR 323/​81, BAGE 44, 154, 158 f.[]
  9. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.06.1986 a.a.O. S. 284 bzw. S.20; BAG, Urtei­le vom 15.01.1980 – 6 AZR 726/​79 – AP Nr. 8 zu § 78a BetrVG 1972 S. 751 und vom 05.09.1986 – 7 AZR 175/​85, BAGE 53, 23, 26[]
  10. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 21.02.2011 – 6 P 12.10, BVerw­GE 139, 29 Rn. 30 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 42 und vom 12.11.2012 – 6 P 1.12, BVerw­GE 145, 79 Rn. 16 = Buch­holz 251.6 § 53 Nds­Pers­VG Nr. 1[]
  11. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 19.01.2009, a.a.O. Rn. 31 f. und vom 12.11.2012 a.a.O. Rn. 17[]
  12. vgl. BAG, Urteil vom 13.03.1986 a.a.O. S. 273[][]
  13. vgl. BVerwG, Urteil vom 22.04.1987 – 6 P 15.83, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 4 S. 4[]
  14. vgl. BAG, Beschluss vom 17.02.2010 – 7 ABR 89/​08 – AP Nr. 53 zu § 78a BetrVG 1972 Rn. 25[]
  15. vgl. BAG, Urtei­le vom 21.08.1979 – 6 AZR 789/​77 – AP Nr. 6 zu § 78a BetrVG 1972; vom 15.01.1980 a.a.O. S. 751 R; und vom 22.09.1983 a.a.O. S. 158 sowie vom 13.03.1986 a.a.O. S. 269[]
  16. vgl. BAG, Urteil vom 13.03.1986 a.a.O. S. 269[]
  17. vgl. BAG, Urteil vom 13.03.1986 a.a.O. S. 270[]
  18. vgl. dazu Kröll, a.a.O. § 9 Rn. 2a; Tre­ber, a.a.O. § 9 Rn. 10; vgl. in die­sem Zusam­men­hang fer­ner Urteil vom 31.05.1990 – 6 P 16.88, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 8 S. 26 ff.[]
  19. vgl. Beschlüs­se vom 29.03.2006 – 6 PB 2.06, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 26 Rn. 6 m.w.N. sowie vom 26.05.2009 – 6 PB 4.09, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 34 Rn. 11[]
  20. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.02.1990 – 6 P 21.87, BVerw­GE 85, 5, 11 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 7 S. 21 f.; und vom 09.10.1996 – 6 P 21.94, BVerw­GE 102, 106, 112 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 17 S. 34; BAG, Urteil vom 05.09.1986 a.a.O. S. 28[]
  21. vgl. zur Wei­ter­be­schäf­ti­gung ört­li­cher und über­ört­li­cher Jugend­ver­tre­ter: BVerwG, Beschluss vom 12.10.2009 – 6 PB 28.09, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 39 Rn. 15[]
  22. Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz vom 26.05.1994, BGBl I S. 1014[]
  23. vgl. Kröll, a.a.O. § 62 Rn. 7; Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O. K § 62 Rn.19[]
  24. vgl. Kröll, a.a.O. § 62 Rn. 9; Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O. K § 62 Rn. 22; Ger­hold, in: Loren­zen u.a., a.a.O., Bd. II, § 62 Rn. 22; Som­mer, in: Ilbertz u.a., a.a.O. § 62 Rn. 11; Gräfl, in: Richar­di u.a., a.a.O. § 62 Rn. 15[]
  25. vgl. Faber, a.a.O. § 46 Rn. 44; Noll, in: Alt­va­ter u.a., a.a.O. § 46 Rn. 24; Som­mer, a.a.O. § 46 Rn. 5; Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O. K § 46 Rn. 23; Tre­ber, a.a.O. § 46 Rn. 21[]
  26. vgl. in die­sem Zusam­men­hang BVerwG, Beschluss vom 28.02.1990 – 6 P 21.87, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 7 S. 22 f., inso­weit bei BVerw­GE 85, 5 nicht abge­druckt[]
  27. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.02.1969 – 7 P 11.67, in BVerw­GE 31, 298 und Buch­holz 238.3 § 26 Pers­VG Nr. 7 nicht abge­druckt; und vom 24.10.1975 – 7 P 14.73, BVerw­GE 49, 271, 274 = Buch­holz 238.3 A § 31 BPers­VG Nr. 1 S. 3[]
  28. vgl. Ger­hold, a.a.O. § 61 Rn. 73; Kröll, a.a.O. § 61 Rn. 10a[]
  29. vgl. BVerwG, Beschluss vom 28.02.1990 a.a.O. S. 22 f., inso­weit bei BVerw­GE 85, 5 nicht abge­druckt[]
  30. vgl. Beschluss vom 12.11.2012 – 6 P 1.12, BVerw­GE 145, 79 Rn. 18 = Buch­holz 251.6 § 53 Nds­Pers­VG Nr. 1[]
  31. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 27.03.1979 – 2 BvL 2/​77, BVerfGE 51, 43, 58 und vom 24.05.1995 – 2 BvF 1/​92, BVerfGE 93, 37, 69[]
  32. vgl. BVerwG, Beschluss vom 01.12.2003 – 6 P 11.03, BVerw­GE 119, 270, 276 f. = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 23 S. 28[]
  33. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.09.1999 – 6 P 5.98, BVerw­GE 109, 295, 300 ff. = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 18 S. 5 ff.; vom 17.05.2000 – 6 P 9.99, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr.20 S. 15 ff.; und vom 01.11.2005 – 6 P 3.05, BVerw­GE 124, 292, 303 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 25 S. 43[]